Buntes und Bissiges zu aktuellen Themen
Kabarettprojekt „Radikalku[ltu]r“ im Nienberger Forum

Münster-Nienberge -

Es lag etwas Besonderes in der Luft. Das spürten die kabarettinteressierten Nienberger und strömten deshalb in Scharen ins Kulturforum an der Kirmstraße. Sie sollten ihre Entscheidung nicht bereuen, denn was sie unter dem Titel „Heut’ liegt etwas in der Luft“ erwartete, war einfach richtig gute Unterhaltung. Das Kabarettprojekt des Kulturforums mit dem Namen „Radikalku[ltu]r“ hatte ein ebenso buntes wie bissiges Programm zu aktuellen Themen zusammengestellt. Es bot unter der Regie von Christa Romberg einen witzigen Mix aus Schauspiel, Musik, Gesang und Tanz.

Sonntag, 29.04.2012, 23:04 Uhr

Buntes und Bissiges zu aktuellen Themen : Kabarettprojekt „Radikalku[ltu]r“ im Nienberger Forum
Das Ensemble „Radikalku[ltu]r“ präsentierte im Nienberger Kulturforum vor knapp 150 Zuschauern ein buntes und freches Kabarettprogramm. Foto: chb

Den Handlungsrahmen bildeten dabei kurze Dialoge zwischen zwei Figuren, die sich im ständigen Disput über die Tücken und Vorteile der gegenwärtigen Informationsgesellschaft befanden. „Generation Zeitung“ traf da auf „Generation Smartphone“, und beide verarbeiteten unter anderem die öffentliche Debatte um den gläsernen Bürger. Die Szenen leiteten dann über zu den einzelnen Musikstücken, die sich teils bekannter Melodien bedienten und teils von Mechthild von Schoenebeck extra für das Programm komponiert und von Ulrich Petermann arrangiert wurden. In den Stücken leistete sich das frisch aufspielende Ensemble einen thematischen Rundumschlag vom „endlosen Liebestaumel des Herrn Berlusconi“ bis zur „EHEC-Epidemie als Terrorstrategie der Taliban “. Besonders auf das münsterische Publikum zugeschnitten gab es Spitzen gegen die Bologna-Reform , seit der die Universität ihre Erstsemester nur noch als „Neukunden“ zu begrüßen habe. Auch der Studentenalltag musste natürlich aufs Korn genommen werden, etwa als zwei Erstsemester den Härtetest auf der Suche nach dem Hörsaal nicht bestehen und es sich „lieber per Laptop und Fernuni im Bett gemütlich machen“. Einen herrlichen Abgesang gab es auf Karl-Theodor zu Guttenberg der – ausnahmsweise gut kopiert – mit Betonfrisur und Zahnpastalächeln allen Widrigkeiten zu trotzen vermochte, und dessen Wehrreform auf einmal bewusstseinserweiternde Substanzen beinhaltete. Überhaupt zeichneten sich die provokanten Texte oft dadurch aus, dass zu einem aktuellen Problem ein vermeintlich besonders innovativer Lösungsansatz präsentiert wurde, der sich dann zwar als sehr gewöhnungsbedürftig aber stets äußerst witzig herausstellte. Ein mutiges Statement gelang der Kabarettgruppe, als sie in größter Heiterkeit unvermittelt ein Stück über den brutalen Alltag eines Kindersoldaten brachte, das völlig ohne amüsanten Unterton oder gar einen Hoffnungsschimmer daherkam und somit dem Publikum einiges abverlangte. Die Akteure überzeugten durch ihr komödiantisches und musikalisches Talent auf ganzer Linie und gestalteten einen wunderbaren Abend.

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