Japanischer Germanistik-Student installiert für Nienberger Firma auf Nottulner Dach Solar-Module
Hikaru Shibata schraubt an Zukunft

Münster-Nienberge/Nottuln -

Seit zwei Wochen arbeitet Hikaru Shibata auf einer wunderbaren „Aussichtsplattform“: auf dem Dach des Logistikzentrums der münsterischen Firma Armstrong im Gewerbe- und Industriegebiet Beisenbusch in Nottuln. Von dort kann der 19-jährige Student aus der Nähe von Tokio weit auf die sanft ansteigenden Hügel der Baumberge blicken. Hikaru Shibata ist für vier Wochen als Praktikant bei der Nienberger Firma Kortenbrede beschäftigt.

Samstag, 24.08.2013, 12:08 Uhr

Auf dem Hallendach  in Nottuln hilft Hikaru Shibata (l.), die Fotovoltaikanlage zu montieren. Mit dabei sind Martin Volle von der Nienberger Firma Kortenbrede und Dorina Wiedau von der Intercultural Academy gGmbH.
Auf dem Hallendach  in Nottuln hilft Hikaru Shibata (l.), die Fotovoltaikanlage zu montieren. Mit dabei sind Martin Volle von der Nienberger Firma Kortenbrede und Dorina Wiedau von der Intercultural Academy gGmbH. Foto: Frank Vogel

Mit seinen deutschen Arbeitskollegen baut er auf dem Hallendach eine große Fotovoltaikanlage auf. Der junge Japaner nimmt an einem Programm der Auslandsgesellschaft Intercultural Academy gGmbH aus Dortmund teil. Diese hat zum zwölften Mal Germanistik-Studenten der Dokkyo Universität, die bei Tokio liegt, zu Gast. „Nach einer zweiwöchigen sprachlichen und interkulturellen Vorbereitung gehen die Studenten in verschiedene Betriebe, um dort ein Praktikum zu absolvieren“, erklärt Dorina Wiedau, Mitarbeiterin der Intercultural Academy.

„Ich interessiere mich für erneuerbare Energien“, sagt Hikaru Shibata in vorsichtig-suchendem Deutsch. „Und hier habe ich die Chance bekommen, etwas zu diesem Thema zu lernen.“ Ohne Vorerfahrungen packt Hikaru Shibata mit an, hilft bei der Montage der Schienen, auf denen die Solarmodule befestigt werden, und bei der Verlegung der Kabel. „Wir ermöglichen Praktikanten gerne, diese Erfahrungen zu machen“, sagt Kortenbrede-Mitarbeiter Martin Volle . „Vor allem auch interessierte Studenten bekommen so die Gelegenheit, Energietechnik einmal von der praktischen Seite kennenzulernen.“ Und auf dem riesigen Flachdach sei die Montage der Solarmodule – im Gegensatz zur Arbeit etwa auf Satteldächern – relativ ungefährlich für einen unerfahrenen Helfer wie den jungen Japaner.

Rund 3000 Module passen auf das 150 mal 80 Meter große Hallendach. Um das Flachdach nicht zu sehr zu belasten, wird ein Montagesystem genutzt, das mit sehr wenig Ballastgewicht auskommt – das sonst benötigt wird, damit die Module nicht bei Sturm vom Dach geweht werden. „Wir verbauen grundsätzlich nur deutsche Produkte“, erzählt Martin Volle. Rund 645 Kilowattstunden leistet die Anlage, wenn sie in Betrieb geht. So werden jährlich 650 000 bis 680 000 Kilowatt Strom erzeugt.

„Als ich vor zwei Wochen angefangen habe, waren ungefähr zwei Drittel der Module aufgebaut“, erzählt der Student. 300 Module hat er seitdem mit seinen Kollegen montiert. Jetzt ist das Ende absehbar. Ob er gut mitarbeitet? Martin Volle nickt: „Ich bin zwar nicht immer vor Ort, aber die Kollegen bestätigen, dass er ordentlich mit anpackt.“

Aber warum montiert ein Germanistik-Student Solarmodule? Er habe das Fach Germanistik vor allem gewählt, um die deutsche Sprache zu erlernen, erklärt Hikaru Shibata. Sein eigentliches Ziel aber sei es, Umwelttechnik zu studieren. Und das in Deutschland. „Ich möchte später einmal ein Jahr lang in Heidelberg studieren“, sagt er.

Deutschland hat es ihm angetan, seit er vor drei Jahren mal in Freiburg gewesen ist. Und dass diese Zuneigung nach vier Wochen mit herrlichem Blick in die Baumberge schlechter sein wird als zuvor, ist kaum zu erwarten.

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