Karte soll Hochwasser-Situation darstellen
Anwohner bringen Flut zu Papier

Münster-Nienberge -

Eine Anwohnerversammlung fand am Freitag im Wohngebiet Waltruper Weg statt: Die Anlieger erstellten eine Hochwasser-Karte.

Freitag, 01.08.2014, 19:08 Uhr

Bei einer Versammlung erstellten die Anlieger des Wohngebiets gemeinsam mit Patricia Göbel (r.) eine Karte, in der sie die Wasser-Höchststände in ihren Häusern eintrugen.
Bei einer Versammlung erstellten die Anlieger des Wohngebiets gemeinsam mit Patricia Göbel (r.) eine Karte, in der sie die Wasser-Höchststände in ihren Häusern eintrugen. Foto: mfk

Noch immer herrscht Chaos im Wohngebiet Waltruper Weg: Kühlschränke, Herde und andere Elektrogeräte stehen beispielsweise am Carl-Neuendorff-Weg am Straßenrand, im Wendehammer ist ein riesiger Container bereits bis obenhin mit Möbeln, Matratzen und Co. beladen, ein kleinerer wird von Nachbarn am Freitagmorgen befüllt. Ruckzuck geht das angesichts der Massen an Hausrat, die nicht mehr zu retten sind. Ein paar Meter weiter versammeln sich derweil nach und nach Bewohner des Wohngebietes vor dem Haus der Familie Göbel : um eine Hochwasser-Karte des Wohngebietes zu erstellen.

Patricia Göbel hat sie bereits vorbereitet: Blaue Flächen hat sie in einen Auszug des Bebauungsplans eingezeichnet – für das Regenrückhaltebecken am Carl-Neuendorff-Weg ebenso wie für die Areale, die am Montag geflutet wurden, vom Carl-Neuendorff-Weg östlich des Bachs Hunnebecke bis zum Käthe-Ernst-Weg westlich und dem Waltruper Weg im Süden. „Wir werden überall die Höhen eintragen, wie voll die Keller und Erdgeschosse gelaufen sind“, erklärt Göbel.

Die Anwohnerin kennt sich aus mit Wasser – von Berufs wegen: Patricia Göbel ist Hydrogeologin. „Ich beschäftige mich eigentlich mit Wasser, das unter der Erde ist“, sagt sie. „Ich entwickele versickerungsfähige Pflastersteine, um Hochwasser zu vermeiden. Und dann habe ich es selbst im Garten, das muss man sich mal vorstellen.“ Und nicht nur im Garten, auch das Haus der Familie wurde nicht verschont. Beigetragen dazu habe, dass das höher gelegene Regenrückhaltebecken gleich an drei Stellen übergelaufen sei, berichtet Göbel. „Wir können von Glück reden, dass der Damm nicht gebrochen ist.“ Das Wasser aber schoss unter anderem durch einen Entwässerungsgraben, bis es an einem verstopften Durchlass nicht weitergekommen sei. Stattdessen überschwemmte es erst einen Fußweg und dann die angrenzenden Grundstücke.

Den Hauptgrund für das dramatische Hochwasser aber sieht Patricia Göbel, wie eigentlich alle Anwohner, im Durchlass der Hunnebecke unter der B 54 / Hülshoffstraße: Weil er einerseits mal wieder verstopft gewesen, andererseits insgesamt zu klein bemessen sei. 1,20 Meter betrage der Durchmesser des Rohrs am Einlass, 1,40 Meter am Auslass, weiß Göbel.

Und sie hat noch weitere Zahlen parat: 1,45 Meter hoch über der Sohle habe das Hochwasser am Auslass gestanden, aber stolze 4,60 Meter am Einlass. „Das ist ein eindeutiger Beleg: Das Rohr reicht nicht.“ Um das auch gegenüber der Stadt fachlich zu untermauern, denken die Anwohner bereits über ein Gutachten nach. Obwohl das Problem dort eigentlich bekannt sei, betont eine Nachbarin: „Was die Leute so wütend macht, ist, dass bei der Stadt immer wieder darauf hingewiesen worden ist.“

Zur Sorge vor der nächsten Flut gesellen sich derzeit aber viele andere. Beispielsweise bei Nachbarin Ute Korpus-Sieveneck : „Wir müssen für fünf Monate raus aus dem Haus, weil das Erdgeschoss komplett entkernt werden muss“, erzählt sie. „Wir suchen eine Wohnung für fünf Personen und einen Hund.“ Die sollte aber in Nienberge sein, weil die Kinder dort zur Schule gingen und sie kein Auto zur Verfügung habe.

Viele Flutopfer fürchteten zudem um ihre Bausubstanz, berichtet eine Anwohnerin des Käthe-Ernst-Weges. Denn die Bautrocknung zu organisieren, sei zurzeit schwer: „Im Umkreis von 150 Kilometern sind die Firmen ausgebucht.“ Nicht zuletzt sorgen sich viele um ihre finanzielle Zukunft: „Ich weiß von den meisten, dass sie keinen Cent bekommen von der Versicherung“, sagt eine Anwohnerin.

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