Bis zu 500 Grabsteine beschädigt
„Mir kommen die Tränen“

Münster-Nienberge -

Einen Sachschaden von geschätzt 45000 Euro verursachten bislang unbekannte Diebe, die von rund 500 Grabsteinen auf dem Ehrenfriedhof „Haus Spital“ die Bronze-Namenschilder herausbrachen.

Dienstag, 25.08.2015, 00:08 Uhr

Nur noch ein Grabstein in dieser Reihe hat ein Namensschild. Aus den anderen vier brachen die Diebe die Bronze-Platten mit brachialer Gewalt heraus.
Nur noch ein Grabstein in dieser Reihe hat ein Namensschild. Aus den anderen vier brachen die Diebe die Bronze-Platten mit brachialer Gewalt heraus. Foto: kbö

Die Täter müssen mit brachialer Gewalt vorgegangen sein, als sie – vermutlich an diesem Wochenende – den Ehrenfriedhof „Haus Spital“ heimsuchten. Dort brachen sie wie berichtet die aus Bronze bestehenden Namenschilder aus Grabsteinen heraus und nahmen diese mit. Die Stadt sprach zunächst von 450, die Polizei später von 500 Schildern. Sie geht in diesem Zusammenhang nicht von einem radikalen oder politisch motivierten Hintergrund aus, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte: „Vermutlich waren es Metalldiebe, die es auf den Bronzewert der Schilder abgesehen haben.“

Auch Heinrich Bruns , Leiter des städtischen Amts für Grünflächen und Naturschutz, vermutet reine Geldgier hinter dem Diebstahl. Der materielle Schaden liegt nach ersten Schätzungen bei 45 000 Euro. „Der ideelle Wert der gestohlenen Schilder ist nicht zu beziffern“, sagt Bruns. Die knapp 500 Gramm schweren Bronze-Platten seien in den 50er-Jahren hergestellt worden: „Damals hat man für jede Namenstafel eine eigene Form gegossen – das ist heute aus finanziellen Gründen gar nicht mehr möglich.“

Aus diesem Grund könne er heute auch noch nicht sagen, ob und in welchem Maß man den Schaden beheben kann. Bruns: „Wir werden uns mit der Bezirksregierung, dem Amt für Denkmalpflege und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen.“ Sobald eine Kostenschätzung vorliege, könne man weitere Details planen. Seitens des Grünflächenamts hofft man, dass die Bezirksregierung eventuell Mittel bereitstellt. Sollten die Grabsteine wirklich neue Namensschilder bekommen (Bruns: „Die einzelnen Gräber sind nummeriert und durch die Belegungspläne sind die Namen eindeutig zuzuordnen.“), dürften diese wohl kaum aus Bronze bestehen, wie der Fachamtsleiter sagt: „Wir wollen keine weiteren Begehrlichkeiten wecken.“

Entdeckt hatte den Diebstahl Wilhelm Klönne, Leiter des Friedhofswesens beim Grünflächenamt, am Montagmorgen während eines Ortstermins: „Zunächst entdeckte ich einige beschädigte Grabsteine im vorderen Bereich des Friedhof, später sah ich dann das gesamte schreckliche Ausmaß des Diebstahls.“ Auch zwei Tage später hat Klönne die Bilder vor Augen: „Mir kommen immer noch die Tränen.“

Die Polizei hofft indes, dass sie den Tätern auf die Schliche kommt, wie die Sprecherin sagte: „Eventuell wird ja ein aufmerksamer Metallhändler misstrauisch, wenn man ihm eine größere Menge an Bronze anbietet.“

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