Leerstände im Nienberger Ortskern sorgen für Kopfzerbrechen
„Das darf so nicht weitergehen!“

Münster-Nienberge -

Erst der Drogeriemarkt, dann der Lebensmittelhandel und jetzt auch noch das Blumen-Atelier - der Einzelhandel im Nienberger Ortskern schrumpft. Bürgern und Ortspolitiken bereitet das große Sorgen.

Mittwoch, 21.06.2017, 19:06 Uhr

Leerstand im Herzen Nienberge s: Das Blumen-Atelier Hanhart  hat sein Ladenlokal aufgegeben. So mancher im Ort macht sich Sorgen.
Leerstand im Herzen Nienberge s: Das Blumen-Atelier Hanhart  hat sein Ladenlokal aufgegeben. So mancher im Ort macht sich Sorgen. Foto: hko

Das Blumen-Atelier Hanhart hat sein Geschäft aufgegeben und ist nach etwas mehr als 45 Jahren aus dem Ladenlokal an der Sebastianstraße ausgezogen. Im Schaufenster erinnern ein paar Daten an die zurückliegende Zeit: „45 Jahre Blumen-Atelier Hanhart 1971 – 2016“ ist dort noch zu lesen. Nach der Schlecker-Filiale (Drogerie) und dem Netto-Markt (Lebensmittel) hat damit innerhalb von wenigen Jahren das dritte Geschäft im Nienberger Ortskern die Türen geschlossen.

In den ehemaligen Netto-Markt ist inzwischen ein Geschäft für Unterwäsche eingezogen, die Kundenfrequenz ist dort allerdings (auch wegen der Möglichkeiten des Online-Handels) wesentlich geringer als in einem Lebensmittelmarkt. Viele Nienberger befürchten, dass es ohne das Blumengeschäft im Ortskern bald noch ruhiger werden könnte. „Das darf so nicht noch weitergehen!,“ ist der Tenor in vielen Gesprächen.

So sieht das auch die Politik: Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine ( SPD ) und Bezirksvertreter Markus von Diepenbroick-Grüter ( CDU ) bedauern sehr, dass wieder ein alteingesessenes Geschäft aus dem Ortskern verschwunden ist. „Wir setzen uns dafür ein, dass dort auch weiterhin Einzelhandel betrieben wird“, sagt von Diepenbroick-Grüter für die Ortsunion. Beide Politiker sehen aber auch die Probleme, ein Geschäft mit relativ geringer Verkaufsfläche zu vermarkten.

   Politik  könne nicht für eine schnelle Veränderung bestehender Verhältnisse sorgen. Auch darin sind sich die beiden Politiker einig. „Aber wir können Anreize schaffen und binden darin auch die Wirtschaftsförderung ein“, betont Brinktrine im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dieses Stichwort greift Markus von Diepenbroick-Grüter gerne auf. „Wir brauchen eine neue Konzeption für die Sebastianstraße,“ erklärt der Bezirksvertreter auf Anfrage, „und daran arbeitet die CDU-Ortsunion bereits intensiv.“

Es gehe dabei nicht nur um die Neuansiedlung von Einzelhandel und die Verhinderung von Leerständen, sondern auch um die demografische Entwicklung des Ortsteils, um Überlegungen zur eventuellen weiteren Wohnbebauung und um die Gestaltung des öffentlichen Raumes im Ortskern, zum Beispiel mit Ruhezonen und einem Treffpunkt.

„Das greift alles ineinander“, sagt der Christdemokrat. Das Konzept stehe kurz vor dem Abschluss und werde dann auch öffentlich kommuniziert: „Wir müssen und wollen wieder mehr Leben in den Ortskern bringen.“

Auf dem Wochenmarkt scheint das schon etwas gelungen zu sein. Dort gibt es seit ein paar Monaten wieder einen Stand mit regionalen landwirtschaftlichen Produkten und seit wenigen Wochen einen Blumenhändler. „Das kommt gut an,“ sagen Kunden, die freitags den kleinen Markt besuchen, und auch andere Marktbeschicker.

Damit wird an einem kleinen Beispiel deutlich, was auch die Nienberger Kommunalpolitiker anregen: Wer den Rückgang des Einzelhandels in den Ortskernen bedauere, der müsse bereit sein, auch schon mal über das eigene Einkaufsverhalten nachzudenken und das Angebot vor Ort stärker zu nutzen.

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