Kampfjets über Münsters Westen
Lautstarke Euro-Fighter am Himmel sorgen für Verwunderung

Münster-Nienberge -

In den 1970er-Jahren gehörten sie fast schon zur Tagesordnung. Wenn heute indes die sogenannten „Düsenjäger“ über die Ortschaften hinwegdonnern, sorgen sie schon für Erstaunen und werfen Fragen auf – erst Recht, sobald sich solche Flugeinsätze häufen.

Mittwoch, 01.08.2018, 18:41 Uhr

Kampfflugzeuge der Bundeswehr dürfen in der gesamten Bundesrepublik zu Trainingszwecken eingesetzt werden, wie dieses Symbolbild zeigt.
Kampfflugzeuge der Bundeswehr dürfen in der gesamten Bundesrepublik zu Trainingszwecken eingesetzt werden, wie dieses Symbolbild zeigt. Foto: Bundeswehr / Agathe Kulla

Wie in Münsters Westen. In Nienberge kam es an gleich zwei aufeinanderfolgenden Tagen der vergangenen Woche zu lautstarken Überflügen, wie ein Bürgerin berichtet.

Nicht nur das: In einer öffentlichen Gruppe eines sozialen Netzwerks wurde jüngst sogar die folgende Frage diskutiert: „Du bist Münsteraner, wenn du mir sagen kannst, was eine Awacs über Münster zu suchen hat . . .“ (datiert 24. Juli um 17.47 Uhr). Auch über dem Stadtteil Roxel soll vor fast zwei Wochen ein Flugzeug relativ niedrig über die Häuser geflogen sein. Münsters Westen als neues Trainingsareal für Militärflugzeuge?

Doch der Reihe nach. „Es war der 24. Juli um 21.30 Uhr und der 26. Juli um 15.30 Uhr, als ich die Starfighter an Himmel beobachtete“, so die Nienbergerin. Die Kampfflugzeuge habe sie als solche erkannt, da sie aufgrund ihres privaten Umfelds durchaus über militärisches Hintergrundwissen verfüge.

Überflug wurde bestätigt

„Ich habe mich regelrecht erschrocken“, so die Nienbergerin gegenüber unserer Redaktion, die sich auch an frühere Zeiten erinnert, in denen solche Überflüge noch häufiger vorkamen. „Dennoch bin ich fast immer in Deckung gegangen.“ Ihre jüngsten Beobachtungen: „Die Flugzeuge sind jedes Mal in Richtung Süden geflogen.“

Auf Nachfrage unserer Redaktion zu eben den beiden Flügen bestätigte das Luftfahrtamt der Bundeswehr deren Einsatz. Demnach habe am Dienstag der vergangenen Woche (24. Juli) in der Tat um 21.30 Uhr ein Kampfflugzeug der Bundeswehr den Bereich Nienberge passiert. Das habe die Auswertung der Radardaten ergeben.

Ich habe mich regelrecht erschrocken.

Eine Nienbergerin zum Flugverkehr

Die Flughöhe gab das zuständige Amt mit 560 Metern an. Auch der Überflug tags darauf wurde bestätigt. Diesmal waren es „drei Kampfflugzeuge in einer Höhe von 480 Metern über Grund“.

Die fliegerischen Rahmenbedingungen

Und die anderen Beobachtungen? „Die Auswertung der Radardaten zeigt für den 21. Juli keinen militärischen Flugbetrieb.“ Was also über Roxel hinwegflog, bleibt ungeklärt. Und der Facebook-Austausch? „Die Bemerkung in der Gruppe bezieht sich offenbar auf eine Awacs-Maschine, die Übungsanflüge auf den Flughafen Münster- Osnabrück durchgeführt hat“, antwortet das Luftfahrtamt der Bundeswehr.

Veränderung des Flugbetriebs

„Die Entwicklung des militärischen Flugbetriebs in Deutschland im Wandel der Zeit“ ist der Titel eines Kapitels in einer Broschüre, herausgegeben vom Luftamt der Bundeswehr. Dies ist im Internet abrufbar und hat einige Fakten parat: So habe sich der militärische Flugbetrieb in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich reduziert. Die veränderte politische Lage (Kalter Krieg, Ost-West-Konflikt) sei ein Grund.

Ungeachtet dieser Entwicklung ist eines erstaunlich: Nachweislich habe der Flugbetrieb in 25 Jahren um 90 Prozent abgenommen. Die Anzahl der Beschwerden sei heute aber  deutlich höher als zu Beginn der 1990er-Jahre: 1994  495 schriftliche Beschwerden, 2017 schon 8391.

| www.luftfahrtamt.bundeswehr.de

...

Dennoch stellen sich in diesem Zusammenhang einige Fragen. So wie nach den Zeiten, in denen ein entsprechendes Flugverbot herrscht: „An Wochenenden und gesetzlichen Feiertagen ruht grundsätzlich der militärische Übungs- und Ausbildungsflugbetrieb“, so die Antwort aus Köln.

Wohngebiete dürfen durchaus überflogen werden. Die Begründung: „Die Erfüllung der Aufgaben der Streitkräfte erfordert eine fundierte fliegerische Ausbildung und kontinuierliches Üben.“ Dabei sei militärischer Flugbetrieb grundsätzlich über dem gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zulässig – Nienberge eingeschlossen.

Maximale Flughöhen

Nach Auskunft des Fachamts müssen maximale Flughöhen eingehalten werden. Beim Überflug von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern sei eine Mindesthöhe von 2000 Fuß (600 Meter über Grund) zwingend. So es die äußeren Bedingungen zuließen (in Höhenbereichen unter 1500 Fuß) betrage die einzuhaltende Mindesthöhe über Grund 1000 Fuß (300 Meter). Und: „Diese darf innerhalb eines vom Bundesministerium der Verteidigung streng limitierten Kontingents unterschritten werden und liegt dann bei 500 Fuß (150 Meter über Grund).“

Auch Tempolimits sind laut Luftfahrtamt einzuhalten: „Unterhalb von 600 Meter über Grund maximal 1000 Kilometer pro Stunde, unterhalb von 3050 Metern über Grund maximal 1065 Kilometer pro Stunde, oberhalb von 10.975 Metern über Grund auch schneller, bis hin zu Geschwindigkeiten im Überschallbereich.“ Eine maximale Zahl an Flügen über Ortschaften gebe es nicht.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5947611?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F141%2F
Stadt baut weitere Polleranlagen
Wird in Kürze fertiggestellt: Sicherheitspoller-Anlage an der Löerstraße zwischen Karstadt und Stubengassen-Bebauung. Weitere Anlagen werden bis 2021 in der Innenstadt gebaut.
Nachrichten-Ticker