Trockenheit trifft Landwirte schwer
Bis zu 30 Prozent weniger Ertrag

Münster-Nienberge -

Die Schweine im Stall von Wilhelm Hüntrup haben noch genügend zu Futter. Trotzdem wird der Landwirt die wochenlange Trockenheit zu spüren bekommen. Besonders schlecht steht es um den Mais.

Donnerstag, 09.08.2018, 12:48 Uhr

Ortslandwirt Wilhelm Hüntrup hält Maiskolben von verschiedenen Feldern in den Händen.
Ortslandwirt Wilhelm Hüntrup hält Maiskolben von verschiedenen Feldern in den Händen. Foto: anf

Aus einer großen Staubwolke taucht auf dem Hof von Wilhelm Hüntrup ein Trecker auf. Die Sonne brennt, alle Stalltore stehen offen. Hüntrup ist Ortslandwirt in Nienberge und kämpft mit der trockenen und heißen Witterung. „Dieser Sommer ist mehr als extrem“, sagt der Landwirt. Er selbst könne sich nicht daran erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben.

Bis zu 30 Prozent weniger Erträge

Auf dem Hof von Wilhelm Hüntrup leben zahlreiche Schweine, zudem baut er Weizen, Gerste und Mais an. „Die Getreideernte ist abschlossen. Wir hatten 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag“, sagt Hüntrup. Ähnliche Verluste vermutet er auch beim Mais, der im Moment noch auf den Feldern steht.

Wilhelm Hüntrup hat das Wetter in Nienberge und im Umkreis beobachtet. Es habe nur wenige Gewitterschauer gegeben, die meisten seien allerdings an Nienberge vorbeigezogen. „Aber wir haben das Glück, dass hier viele schwere Böden sind“, sagt Wilhelm Hüntrup. Die können Wasser länger speichern. Auf einigen Felder sei der Boden sehr sandig. „Da ist alles staubtrocken“, so Hüntrup.

Auf diesen sandigen und sogenannten leichten Böden haben viele Maispflanzen keinen Kolbenansatz entwickelt. Und die Kolben, die gewachsen sind, sind sehr klein und tragen kaum Körner. "Der Vergleich zu den Kolben aus dem Vorjahr ist enorm", sagt Hüntrup mit Blick auf eine kleine Auswahl in seinen Händen. Auch die Maiskolben, die von Feldern mit schwerem Boden kommen, können mit denen vom vergangenen Jahr bei Weitem nicht mithalten.

Kolben von verschiedenen Feldern (v.l.): von einem Feld mit Sandboden, zwei von einem Feld mit schwerem Boden und ein Kolben aus dem vergangenen Jahr.

Kolben von verschiedenen Feldern (v.l.): von einem Feld mit Sandboden, zwei von einem Feld mit schwerem Boden und ein Kolben aus dem vergangenen Jahr. Foto: Anna Spliethoff

„Und der Kolben bringt die Energie“, sagt Wilhelm Hüntrup. Das ist zum einen für das Schweinefutter von Bedeutung, zum anderen auch für Biogasanlage wie die von Wilhelm Hüntrup. „Die Pflanzen werden nach der Ernte gehäckselt und dort verwertet“, sagt der Landwirt. Ohne gute Kolben werde aber weniger Energie gewonnen.

Die Ferkel finden das Wetter super.

Wilhelm Hüntrup, Ortslandwirt

Hüntrup muss sich noch keine Sorgen machen, die Schweine satt zu bekommen. Notfalls könne er Futter zukaufen – auch wenn die Preise wohl steigen werden. Zwar fressen die Tiere bei Hitze weniger, doch so nehmen sie nicht so schnell zu. Bis zur Schlachtung wird mehr Zeit vergehen als sonst. „Da wird es also auch gewisse Verluste geben“, ist sich Hüntrup sicher.

„Nur die Ferkel finden das Wetter super“, sagt der Landwirt. Sie mögen hohe Temperaturen, den größeren Tieren hilft er mit frischer Luft und ausreichend Trinkwasser. Von Ventilatoren und einem kühlen Bad mit dem Wasserschlauch hält Hüntrup Abstand: „Ich bin kein großer Freund von zu viel Wasser. Dann erkälten sich die Tiere schnell.“

Schaden ist längst da

Die angekündigten Gewitter lassen Wilhelm Hüntrup noch hoffen – zumindest, dass die Pflanzen nicht noch mehr vertrocknen. Aber: „Der Schaden ist längst da. Es wird einen Minderertrag geben.“ Wie hoch der finanzielle Schaden am Ende sein wird, kann er noch nicht absehen. „Das liegt an den Preisen, die wir auf dem Markt bekommen.“

Forderungen nach finanziellen Hilfen von Bund oder Land sieht Wilhelm Hüntrup kritisch: „Letztlich ist das unser Berufsrisiko. Eigentlich müssen wir selbst vorsorgen.“ Dennoch bedrohe die aktuelle Wetterlage die Existenz vieler Betriebe. Wilhelm Hüntrup regt an, das aktuelle Steuersystem zu überdenken. Die Steuern werden immer aus dem Durchschnitt mehrerer Jahre gerechnet. Das soll wetterbedingte Einbußen ausgleichen. Trotzdem sei es laut Wilhelm Hüntrup nicht immer einfach, finanziell vorzusorgen.

Immer häufiger extremes Wetter

Und wegen des Klimawandels werden extreme Wetterereignisse laut Hüntrup häufiger: „Wir haben in den letzten fünf Jahren häufig schlechte Erfahrungen gemacht.“ Deshalb sei es wichtig, nicht nur auf eine Sache zu setzen. Getreide, Mais, Schweine – das gleiche sich oft aus. Nur dieses Jahr nicht, dieses Jahr ist zu extrem. 

Kommentar

Landwirte haben es nicht leicht. Mal ist es zu nass, dann zu heiß oder zu trocken. Doch während das Wetter für viele nur eine Begleiterscheinung ist, sind Landwirte auf Sonne und Regen zur passenden Zeit angewiesen. Ein Sommer wie dieser kann für Landwirte schnell die Bedrohung der Existenz bedeuten. Ob einmalige Finanzspritzen das richtige Mittel sind, ist zu bezweifeln. Sinnvoller ist es, Unterstützung auf lange Sicht zu gewährleisten. Es ist richtig, dass Landwirte – genau wie andere Unternehmer – selbst vorsorgen sollten. Wie Unternehmer mit Konjunkturzyklen zu kämpfen haben, kämpfen Landwirte mit dem Wetter – nur dass Regen und Sonne wohl noch schwieriger vorherzusagen sind. Schlechtes Wetter bedeutet schlechte Ernte – und ein schlechtes Jahr. Vor allem kleine Betriebe, die auf Innovation und umweltfreundliche Produktion setzen, kämpfen dann ums Überleben. Ihre Produkte sind teurer, finden auf dem Markt weniger Absatz. Doch der Klimawandel wird häufiger für extremes Wetter sorgen. Deshalb ist es an der Zeit, den fortschrittlichen Betrieben zu helfen. Das hilft ihrem Überleben – und so auch der Umwelt. Von Anna Spliethoff

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