Witold Grohs zieht erstes Fazit der Musikschulleitung
Musik braucht mehr Wertschätzung

Münster-Nienberge -

Vor einem Jahr übernahm Witold Grohs die hauptamtliche musikalische Leitung der Musikschule Nienberge. Im Gespräch mit unserer Zeitung skizziert der Instrumentalpädagoge künftige Herausforderungen – und freut sich auf Hausmusik am Heiligen Abend.

Freitag, 21.12.2018, 18:02 Uhr aktualisiert: 27.12.2018, 18:08 Uhr
„Musikschulen müssen sich im Wettbewerb mit anderen Angeboten behaupten.“ Witold Grohs ist seit einem Jahr Leiter der Musikschule Nienberge.
„Musikschulen müssen sich im Wettbewerb mit anderen Angeboten behaupten.“ Witold Grohs ist seit einem Jahr Leiter der Musikschule Nienberge. Foto: hko

„Musikschule funktioniert nur im Team.“ Ein Kernsatz, den der Schulleiter gleich mit einem Lob für das Team der Musikschule Nienberge verbindet. Einige Daten machen den langjährigen Erfolg deutlich: 30 Fachlehrerinnen und Fachlehrer unterrichten 1200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an zehn Standorten in Münster im Einzel- und im Gruppenunterricht.

„Trotzdem oder auch gerade deshalb müssen wir uns weiter behaupten,“ betont Grohs . Dabei gehe es nicht um Wettbewerb mit anderen Musikschulen, sondern um Wettbewerb mit anderen Angeboten aus anderen Bereichen. Sport zum Beispiel. Selbstverständlich sei sportliche Betätigung enorm wichtig, aber die freie Zeit junger Leute sei heute sehr begrenzt. Mehrere Angebote könnten kaum noch wahrgenommen werden.

Rückläufige Musikschülerzahlen sieht Witold Grohs nicht. Dennoch „wollen wir die bewährte Kooperation mit Schulen in Münster ausbauen, in denen Lehrkräfte der Musikschule Nienberge Musik unterrichten.“ Über diesen Weg könnten Kinder und Jugendliche für ein Instrument gewonnen werden.

Ein weiteres Hindernis heißt „lernen“. Musikschule sei ja nun mal auch eine Schule, und Schule habe etwas mit Lernen zu tun. Das auch in der Freizeit zu tun, davon müsse man Kinder und Jugendliche angesichts vieler anderer Möglichkeiten der Freizeitgestaltung überzeugen.

Womit? „Mit unserem Angebot und mit Spaß daran, ein Instrument in Gemeinschaft zu spielen.“ Die Musikschule Nienberge ist auch dabei gut aufgestellt: 20 Instrumente können erlernt werden, von der Flöte bis zum Klavier. Außerdem gibt es Ensembles und einen Chor, in dem überwiegend Erwachsene singen.

„Es muss Freude machen, ein Instrument zu spielen,“ sagt Witold Grohs. Wenn das oft schon seit Generationen in Familien vorgelebt werde, dann seien die Kinder ganz schnell für die Musikschule zu interessieren.

Leider werde Musik aber nicht mehr so wertgeschätzt wie noch vor einigen Jahrzehnten. Den Satz „Das kann man ja auch mal eben machen“ hört er überhaupt nicht gern, wenn es um den Unterricht in der Musikschule geht. „Musikschulen bieten Qualität an und fordern zur intensiven, aber auch entschiedenen Beschäftigung mit dem Instrument auf.“

Auch eine neue Zielgruppe hat der Schulleiter im Blick: „Viele Menschen aus der älteren Generation möchten gern das Instrument lernen, das sie als Kind spielen wollten.“ Über entsprechende Angebote müsse nachgedacht werden, und zwar auch unter gesundheitlichen Aspekten: „Musik machen hält fit.“

Eine weitere Überlegung: Großeltern und Enkel lernen gemeinsam ein Instrument. Witold Grohs: „Auch darüber wird sich das Team Gedanken machen.“

Themenwechsel: Wird am Heiligen Abend noch Hausmusik gemacht? Bei Familie Grohs auf jeden Fall mit Geige, Klavier, Blockflöte und Gesang. Witold Grohs: „Ich kenne viele Familien, die in der Weihnachtszeit musizieren.“ Mit dem Gesang sei es schon mal schwierig. „Nur die Älteren kennen noch alle Strophen der klassischen Weihnachtslieder.“ Aber einige Strophen reichen auch.

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