Gespräch zum Jahresende mit Stephan Brinktrine
Wer steht schon gerne im Stau?

Münster-West -

Auch im Jahr 2019 werden in Münsters Westen Herausforderungen und Probleme zu bewältigen sein. Im Dialog mit den Bürgern will Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine seinen Teil dazu beitragen, diese Aufgaben zu meistern.

Samstag, 29.12.2018, 07:00 Uhr
Blickt dem Jahr 2019 entgegen: Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine – hier auf einer Treppe im Oxford-Quartier – will als Kommunalpolitiker dazu beitragen, die im neuen Jahr in Münsters Westen anstehenden Probleme und Herausforderungen zu bewältigen.
Blickt dem Jahr 2019 entgegen: Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine – hier auf einer Treppe im Oxford-Quartier – will als Kommunalpolitiker dazu beitragen, die im neuen Jahr in Münsters Westen anstehenden Probleme und Herausforderungen zu bewältigen. Foto: sch

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende entgegen. In Münsters Westen gab und gibt es für Stadt und Politik viel anzupacken: Wie sieht es aus mit dem Gievenbecker Oxford-Quartier? Darf der alte Friedhof in Albachten bebaut werden? Zu diesen und weiteren Themen haben die Redakteure Kay Böckling und Thomas Schubert Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine befragt.

Herr Brinktrine, traditionell steigen wir in der Jahresbetrachtung mit der Oxford-Kaserne ein, und mit Traditionen soll man nicht brechen. Wie lange haben wir auf den nun erfolgten Durchbruch gewartet?

Brinktrine: Leider zu lange! Der eigentliche Plan der Stadtverwaltung sah ja vor, dass die ersten Bürgerinnen und Bürger dieses Jahr ihre neue Heimat auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne beziehen können. Welche Gründe auch immer angeführt werden, es bleibt dabei, dass junge Menschen und Familien in Münster kurzfristig auch weiterhin keinen bezahlbaren Wohnraum in der Stadt selbst finden werden und in die umliegenden Gemeinden ausweichen müssen. Das wiederum belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch unser Verkehrssystem und macht unsere Stadt Stück für Stück weniger vielfältig.

Und wie lange werden wir jetzt auf den ersten Spatenstich warten?

Brinktrine: Das wird sicherlich nicht lange dauern. 2020 steht uns eine Kommunalwahl ins Haus, und da machen sich Fotos mit Baggerbissen und Spatenstichen immer gut. Aber die ersten Bewohnerinnen und Bewohner werden noch ein paar Jahre warten müssen. Und die spannende Frage wird dann sein, für wen dieser Wohnraum dann noch bezahlbar ist. Ich hoffe sehr, dass die eben angesprochenen jungen Familien und vielleicht Studentinnen und Studenten dann noch in die Zielgruppe fallen. Ansonsten wären die ganzen Mühen für die Katz gewesen.

Die Lukas-Gemeinde ist ob der Abrissarbeiten ihrer ehemaligen Immobilien am Coesfelder Kreuz besonders in Zugzwang. Wissen sie, wie weit da die Planungen bezüglich des neuen Kirchenzentrums der Gemeinde sowie die Gespräche mit der Stadt Münster sind?

Brinktrine: Keine Ahnung! Die Frage sollten Sie an die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung richten.

Großes Interesse hat das Projekt „Grüner Weiler“ an einer Ansiedlung im Oxford-Quartier. Hat genossenschaftliches Wohnen an diesem Standort eine Chance auf Erfolg?

Brinktrine: Das hoffe ich doch sehr! Ich begleite dieses spezielle Projekt von Beginn an und finde die Ideen und Pläne sehr spannend. Ich wünsche dem „Grünen Weiler“ auf jeden Fall, dass sie auf dem Konversionsgelände ihre Träume und richtigen und wichtigen Utopien in die Tat umsetzen. Auch wenn genossenschaftliches Wohnen alleine die Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht lösen wird, es ist mit Sicherheit ein wichtiger Schlüssel.

Heiß umstritten ist in Albachten die Frage, ob der stillgelegte alte Friedhof mit einem Feuerwehrhaus bebaut werden darf. Was ist Ihre Meinung?

Brinktrine: Ich habe von Beginn an mit beiden Parteien das Gespräch gesucht. Um mir eine Meinung in dieser sehr schwierigen Situation zu bilden, habe ich die Verwaltung vor längerer Zeit gebeten, mir einige Sachfragen zu beantworten. Sobald dies geschehen ist, habe ich beiden Parteien zugesagt, zunächst das Gespräch mit ihnen zu suchen, um anschließend die Öffentlichkeit zu informieren. Da es sich hier um ein extrem sensibles Thema handelt, war dies von Beginn an mein Versprechen an die beiden beteiligten Gruppen. Und so möchte ich es gerne auch weiter halten.

Reisen wir in Richtung Nienberge: Dort ist derzeit der Einzelhandel das Sorgenkind. Politik kann da nur beratend aktiv sein. Die örtliche CDU macht sich für eine „ZukunftsWerkstatt“ stark . . .

Brinktrine: Ich stehe der sogenannten „Zukunfts-Werkstatt“ grundsätzlich positiv gegenüber. Dieses Format, das die Stadtverwaltung auch schon in Albachten sehr gut vorbereitet und geplant hatte, hat sicherlich auch in Nienberge und anderen Stadtteilen einen großen Zulauf. Und wenn man als Politiker mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen kann, ist das für mich persönlich immer ein Gewinn für meine Arbeit. Ob wir allerdings das Verhalten der Menschen und die veränderten Kaufgewohnheiten mit einer Bürgerversammlung nachhaltig ändern können? Da bin ich sehr skeptisch. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger tolle Ideen haben werden, und da freue ich mich darauf diese zu hören. Es gibt sicherlich noch viele andere Dinge, um einen Ortskern zu beleben, als einen Discounter neben den nächsten zu setzen.

Der Öffentliche Personennahverkehr im Stadtbezirk kommt voran, wie die Eröffnung des neuen Mecklenbecker Bahnhofs zeigt. Was sollte zur weiteren ÖPNV-Verbesserung in Angriff genommen werden?

Brinktrine: Die Bahnhaltepunkte im Westen sind sicherlich ein riesiger Standortvorteil. Um diese allerdings optimal nutzen zu können, müssen diese mit dem übrigen ÖPNV-Netz sinnvoll und nutzerfreundlich verbunden werden. Der ÖPNV muss eine echte Alternative zum Individualverkehr sein, dann lassen die Menschen ihr Auto auch gerne stehen. Wer steht schon gerne morgens oder abends eine Stunde auf der Steinfurter oder der Weseler Straße im Stau? Das macht niemand freiwillig. Aber wenn ich die Buslinien 33 oder 34, die sogenannten Ringbuslinien, benutze und diese im selben Stau stehen wie ich in meinen privaten Pkw, weil die Busspur fehlt, dann ist der Bus keine attraktive Alternative. Ich befürchte, dass uns in dem Bereich die Arbeit auch in naher Zukunft nicht ausgehen wird.

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick und damit zurück nach Gievenbeck. Die größte Herausforderung ist die Entwicklung des Oxford-Quartiers . . .

Brinktrine: . . . weil viel zu oft suggeriert wird, dass dadurch fast alle Probleme in Münster gelöst sind. Das wäre schön, aber das entspricht leider nicht den Tatsachen. Es entspricht dem Zeitgeist, auf komplexe Fragestellungen mit allzu einfachen Antworten Lösungen finden zu wollen. Leider ist dieses Versprechen extrem unseriös. Es wird der Stadtverwaltung, der Politik und vor allem den Bürgerinnen und Bürger auch in 2019 wieder jede Menge Kraft abverlangen, für die gute Sache zu streiten. Aber nur so werden wir die aktuellen und zukünftigen Probleme und Herausforderungen Stück für Stück bewältigen. Ich jedenfalls freue mich, wenn ich mithelfen kann.

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