Auftakt zur Erarbeitung eines Nienberger Entwicklungskonzepts
200 Teilnehmer und viele Ideen

MÜNSTER-NIENBERGE -

Viele, viele Nienberger kamen, um ihre Kritik am Ortsteil einzubringen – und ihr Lob.

Donnerstag, 28.02.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 18:44 Uhr
Bei der Entwicklung ihres Stadtteils wollen viele Nienberger mitmachen. Im Kulturforum diskutierten sie die Grundlagen eines Stadtteilentwicklungskonzepts.
Bei der Entwicklung ihres Stadtteils wollen viele Nienberger mitmachen. Im Kulturforum diskutierten sie die Grundlagen eines Stadtteilentwicklungskonzepts. Foto: hko

Ein Freibad in Nienberge? Das gab es bis 2007. Jetzt soll es wieder aus der Taufe gehoben werden. Eine entsprechende Anregung wurde am Dienstagabend in der Versammlung zur Erarbeitung des Stadtteilentwicklungskonzepts für Nienberge mit viel Beifall aufgenommen. Die Chance einer Re-Aktivierung des Bades dürfte verschwindend gering sein, die Überlegung zeigt aber die enorme Bandbreite der Vorschläge, die aus dem Publikum kamen.

Der Aufruf zur Bürgerbeteiligung an der Entwicklung des Stadtteils fand eine Resonanz, die selbst Fachleute nicht erwartet hatten. 200 Interessierte füllten das Kulturforum, einige Dutzend, die noch vor der Tür standen, mussten auf den kurzfristig anberaumten Zusatztermin am 7. März vertröstet werden „Ein so großes Interesse an einer Stadtteilentwicklung erleben wir ganz selten“, sagte Kathrin Feigs vom Planungsbüro „plan-lokal“ in Dortmund, das gemeinsam mit der Stadt Münster das Konzept erarbeitet.

„Sie sind die örtlichen Experten“, so wandte sich Gerd Franke (Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung der Stadt Münster) an die Nienberger und formulierte die beiden zentralen Fragen des Abends: Wo werden die Qualitäten des Stadtteils gesehen? Wo gibt es Handlungsbedarf?

„Themeninseln“

Dazu gab es vier „Themeninseln“ – und dort ging es mit Ideen, Anregungen, Vorschlägen und Kritik ganz sachlich „zur Sache“. Beispiele, die alle notiert wurden, sind: seniorengerechtes Wohnen im Ort verbessern (kleine Wohneinheiten schaffen), Tagespflege einrichten (Angebot fehlt), neues Feuerwehrgerätehaus an neuem Standort, den Konflikt zwischen Landschaftsschutzgebiet und Siedlungsflächen entschärfen sowie die Verkehrssituation im Bereich der Grundschule verbessern. Weitere Anregungen waren: die Sebastian­straße vom Verkehr entlasten („möglichst komplett ohne Autos“), Facheinzelhandel in den leerstehenden Ladenlokalen ansiedeln, die Ortsmitte insgesamt attraktiver machen („nicht für Fahrzeuge, sondern für Menschen“), Kreisverkehre an der Hülshoffstraße einrichten, bei neuen Baugebieten auf entsprechende Verkehrsanbindungen achten („mehr Wohnbebauung bedeutet mehr Verkehr“), mehr Parkplätze am Bahnhaltepunkt Häger einrichten und dafür sorgen, dass Züge in kürzeren Abständen fahren.

In der anschließenden Zusammenfassung der Themenbereiche im Forum wurden neben den Kritikpunkten – die unbefriedigende Situation der Sebastianstraße sticht dabei hervor – auch die Qualitäten des Stadtteils hervorgehoben, die in den „Themeninseln“ zum Ausdruck kamen. Zum Beispiel wurden das große ehrenamtliche Engagement und ein gutes Vereinsleben genannt. Gelobt wurden ein funktionierendes Netzwerk zwischen den unterschiedlichen örtlichen Organisationen, eine gute Nahversorgung und der Bahnhaltepunkt Häger als wichtiger Standortfaktor.

Dörflicher Charakter

Eine wachsende Einwohnerzahl wird, auch das wurde deutlich, als Chance gesehen, um Nienberge attraktiver zu machen. Der dörfliche Charakter soll aber erhalten bleiben. „Wir sind ein Dorf, und wir gehören zur Stadt. Aber wir sind keine Trabantenstadt“, so brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.

„Jetzt ist Handeln angesagt“, betonte Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine in seinem Schlusswort, denn: „Wir können nicht noch mal zehn Jahre warten.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6426076?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F141%2F
Entwicklung spitzt sich zu: Steht UKM-Chef Nitsch vor dem Aus?
Weithin sichtbar: Die Türme des münsterischen Universitätsklinikums, deren Außenhaut in den zurückliegenden Jahren komplett saniert wurde. Im Innern gibt es Streit – über den Führungsstil des Ärztlichen Direktors und die mangelnde Finanzausstattung durch das Land.
Nachrichten-Ticker