Vortrag über Sinti und Roma
Klischees und Mythen abbauen

Münster-Nienberge -

Das Wort „Zigeuner“ ist eigentlich aus dem Sprachgebrauch gestrichen, Sinti und Roma ist die korrekte Bezeichnung für die Bevölkerungsgruppe, die immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Welche? Das war unter anderem Thema eines Vortragsabends.

Dienstag, 26.03.2019, 16:50 Uhr aktualisiert: 28.03.2019, 18:14 Uhr
„Wir sprechen über Menschen“: Pfarrer Jan Opielka (r.) bei seinem Vortrag über „Sinti und Roma – unter uns und doch ganz anders“.
„Wir sprechen über Menschen“: Pfarrer Jan Opielka (r.) bei seinem Vortrag über „Sinti und Roma – unter uns und doch ganz anders“. Foto: hko

Sobald die Temperaturen steigen, wird die Stadt Münster aller Voraussicht nach den Landfahrerplatz vor den Toren Nienberges wieder öffnen. Dann wird er für einige Monate als Anlaufstelle für zumeist osteuropäische Bürger dienen. Vor diesem Hintergrund hatten die kfd Nienberge und der Interkulturelle Arbeitskreis zu einem themenbezogenen Vortragsabend eingeladen.

Das Wort „Zigeuner“ ist eigentlich aus dem Sprachgebrauch gestrichen, Sinti und Roma ist die korrekte Bezeichnung für die Bevölkerungsgruppe, die immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen hat.

Pfarrer Jan Opiela machte das während seines Vortrags im Pfarrzentrum St. Sebastian vor zahlreichen Interessierten an zwei ganz unterschiedlichen Beispielen deutlich: An den so wunderschön Geige spielenden „Zigeuner“ bei der Städtetour in Bukarest erinnere man sich sehr gern. Wenn aber in der Nachbarschaft etwas gestohlen wurde, dann seien das – so hieß das über Jahrhunderte hinweg – bestimmt die „Zigeuner“ gewesen, die am Tag zuvor in der Stadt waren.

Jan Opiela kennt sich gut aus mit der Geschichte, den Bräuchen und Traditionen der Sinti und Roma und besonders mit den Familien, die er als Seelsorger betreut und die „unter uns und doch ganz anders“ sind. Deshalb stellte der Leiter der katholischen Seelsorge für Sinti und Roma und verwandte Gruppen in Deutschland die Menschen in den Mittelpunkt. „Roma bedeutet Mensch – und darüber sprechen wir.“

Die Idee zu dem Abend entstand, als Pfarrer Opiela im vergangenen Jahr zum Katholikentag in Münster war und bei der Familie Oskamp in Häger übernachtete. Ulrich Oskamp arbeitet als Diözesanreferent für die katholische Landvolk-Bewegung und ist auch politisch engagiert. Eine lokale Komponente für den Vortrag war schnell gefunden.

Im Außenbereich von Nienberge gibt es seit vielen Jahren den Landfahrerplatz, der zwischen Mai und Oktober von Sinti und Roma als Aufenthaltsort genutzt wird. Also wird auch die Frage gestellt, ob man aus Nienberger Sicht der oder den Familien in irgend einer Art und Weise Hilfe anbieten könne.

Jan Opielka schränkte das ein. Kontakt aufnehmen und ins Gespräch kommen: „Ja – aber mehr nicht.“ Und Hilfe nicht aufdrängen. Die Familie habe in dieser Kultur eine sehr große Bedeutung, und es gebe kaum Kontakte über den Familienverband hinaus.

Es sei deshalb wichtig, diese Lebensweise zu akzeptieren und Respekt vor der Kultur der Sinti und Roma zu zeigen, betonte der Pfarrer.

Informationen über die Geschichte der Bevölkerungsgruppe, die Jan Opielka anhand verschiedener Ereignisse skizzierte, seien hilfreich, um immer noch bestehende Klischees, Bilder und Mythen abzubauen, wie der Referent betonte.

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