Einsatz am Krötenzaun
Lebensretter aus Liebe zur Natur

Münster-Nienberge -

Er hat sich dem Krötenschutz verschrieben: Reinhold Bleckmann schaut im Auftrag des Nabu jeden Morgen nach den Tieren, die in die Eimer gefallen sind. Was treibt ihn dazu an?

Mittwoch, 27.03.2019, 18:32 Uhr aktualisiert: 28.03.2019, 18:14 Uhr
Er kümmert sich schon seit 15 Jahren um die Kröten, die während der Laichzeit die Straßen in Nienberge überqueren und sonst überfahren würden: Reinhold Bleckmann aus Roxel schaut auch bei schlechten Wetter nach den Tieren und findet auch so manchen Bergmolch (kleines Foto).
Er kümmert sich schon seit 15 Jahren um die Kröten, die während der Laichzeit die Straßen in Nienberge überqueren und sonst überfahren würden: Reinhold Bleckmann aus Roxel schaut auch bei schlechten Wetter nach den Tieren und findet auch so manchen Bergmolch (kleines Foto). Foto: cro

Das Wetter ist nicht besonders: Nieselregen liegt in der Luft, ab und zu kommen auch schon einmal dicke Tropfen vom Himmel. Aber das stört Reinhold Bleckmann wenig. Mit einem alten Farbeimer und in grünen Gummistiefeln steht der Senior an dem kleinen Parkplatz Ecke Gasselstiege / Hagelbachstiege. Dort ist auf der einen Seite der Straße schon seit einiger Zeit ein schwarzer, etwa kniehoher Zaun aufgebaut.

Die Folie geht bis an die Grasnarbe, doch ihr Geheimnis offenbart die Konstruktion bei einem Blick dahinter. Auf einer Länge von rund 150 Metern sind rund 15 Eimer in den Boden eingegraben. Es wird klar: Es ist ein Krötenschutz-Zaun, er soll die Amphibien daran hindern, einfach auf die Straße zu hüpfen und dort überfahren zu werden.

Bleckmann schaut im Auftrag des Nabu jeden Morgen nach den Tieren, die in die Eimer gefallen sind – und bringt sie über die Straße, zu einem nahen Teich. „Nur an den Wochenenden habe ich frei“, so der Senior, der auf einem Kotten groß geworden ist und die Natur einfach liebt.

Doch an diesem Morgen sind keine Kröten in den Eimern, dafür aber eine andere bedrohte Art: Molche. „Davon haben wir in Nienberge eine ganze Menge, drei verschiedene Arten“, sagt Bleckmann. „Bergmolch, Kammmolch und Teichmolch sind in dem Wald zwischen Nienberge und Häger heimisch.“

Niedlich anzuschauen sind die Gesellen mit ihren teils roten Bäuchen, aber Vorsicht: Sie stehen wie alle Amphibien unter Naturschutz. Also beeilt sich Bleckmann, auch die Molche im Teich auszusetzen. Die stellen sich allerdings erst einmal tot. „Die Molche sind aber schnell wieder fit“, so der Naturfreund, der seine Funde auch zählt und den Job schon vor rund 15 Jahren übernommen hat.

Dieses Mal sind es acht Bergmolche, erkennbar an dem roten Bauch, und fünf Teichmolche. „Kröten sind in Nienberge wirklich selten geworden. Laubfrösche gibt es eigentlich gar nicht.“ Am Haus Uhlenkotten sehe das schon ganz anders aus. Und es komme auch immer auf das Wetter an.

„Die Tiere wollen einfach zum Laichen ins Wasser, das ist ihre Natur.“ Doch darin liegt dann auch oft die Gefahr: „Sie haben keinen Fluchtinstinkt, sondern sie machen sich einfach nur groß, wenn sie ein Auto sehen.“ Das bringe nur einfach nichts. Hinzu kommt, dass die Tiere nicht daran sterben, überfahren zu werden. Selbst wenn sie nur zwischen die Reifen eines Autos kommen, platzen die Lungen der Amphibien.

So wird Bleckmann derzeit auch weiter jeden Morgen losziehen, um die Tiere zu retten. „Es geht ja nicht nur um die Kröten, sondern um die Artenvielfalt, die ich wichtig finde.“ Und ein Ekelfaktor? „Den habe ich gar nicht, im Gegenteil“, lacht der Senior, während die Molche in der Tiefe des Teiches verschwinden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6501147?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F141%2F
Nachrichten-Ticker