Susanne Fennenkötter ist Traurednerin
Zum Glück gehören auch Tränen

MÜNSTER-NIENBERGE -

Wenn zwei sich trauen ist sie oft dabei. Und mach den Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Samstag, 10.08.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 13.08.2019, 18:22 Uhr
Susanne Fennenkötter aus Häger ist freie Traurednerin. Die persönliche Beziehung zu den Hochzeitspaaren ist ihr besonders wichtig.
Susanne Fennenkötter aus Häger ist freie Traurednerin. Die persönliche Beziehung zu den Hochzeitspaaren ist ihr besonders wichtig. Foto: sn

„Bist Du jetzt eigentlich Standesbeamtin geworden?“ Diese Frage hört Susanne Fennenkötter immer öfter. Denn sie zelebriert gerade in den warmen Sommermonaten eine Hochzeit nach der anderen. Fennenkötter ist es, die fragt, ob die Paare für immer zusammen bleiben wollen, und natürlich hat sie auch die Trauringe dabei.

Die Hägeranerin ist freie Traurednerin. Wenn sie spricht, dann setzen die Emotionen ein. Wann hat sie alles richtig gemacht? „Wenn die Leute anfangen zu weinen“, sagt sie. Auch sie selbst ist nicht selten zu Tränen gerührt.

Sie lernt Liebesgeschichten kennen und trifft Menschen, die zueinander gefunden haben. Die Paare ermöglichen Fennenkötter einen tiefen Blick in ihre Herzen. In ihren Traureden lässt sie das Kennenlernen Revue passieren, humorvoll geht es auch zu den einzelnen Marotten der Partner, und schließlich gibt es das Eheversprechen der beiden, die sie zu diesem Moment einfühlsam begleitet.

„So spannend“

Das ist ein Beruf, den nicht jeder kennt. Manche Ältere sagen: „Wenn es das bei uns schon gegeben hätte, dann hätten wir das auch gerne bei unserer Hochzeit gehabt.“ Fennenkötter selbst war schon vor ihrer Zeit als Traurednerin oft auf Hochzeiten – als Fotografin. „Das fand ich so schön, so spannend, und ich war so nah an den Paaren dran“, sagt sie.

Als sie einmal eine andere freie Traurednerin erlebte, war ihr Entschluss sofort gefasst – das wollte sie auch machen. „Dann mal los“, sagte sie sich – und bildete sich fort. Auf einer Hochzeit zu reden, das will gelernt sein.

„Die Chemie muss stimmen“

Fennenkötter bereitet sich akribisch auf jeden Termin vor. Wichtig ist ihr die persönliche Begegnung mit dem Hochzeitspaar: „Die Chemie muss stimmen.“ Sie schafft es stets, dass die Trauwilligen sich ihr öffnen, und das ist wichtig. Sie lässt sich vom Kennenlernen erzählen und hört dabei die unterschiedlichsten Liebes- und Lebensgeschichten.

Manche Paare kommen zusammen, trennen sich wieder und finden dann doch noch zueinander. Ein Fall hat sie beeindruckt: Als 15-jährige begegneten sich die beiden nur flüchtig, ein Jahr später stießen sie in einem sozialen Netzwerk aufeinander, ohne zu wissen, wer der andere ist.

Persönliche Begegnung

Es entstand Schreibkontakt, doch die persönlich Begegnung sollte erst viele Jahre später erfolgen. „Ihr seid allein erwachsen geworden“, sagte Fennenkötter den beiden. Nun sind sie verheiratet, und Susanne Fennenkötter hat die Traurede dieser langen Lovestory gehalten.

Und so gibt es viele Geschichten, viele Paare und viele Hochzeiten, die die Hägeranerin begleitet. Auch die Zeremonie plant sie im Detail. Meistens beginnt alles mit dem Einzug der Braut. Danach ist die Gestaltung frei, alles wird vorher genau mit den Brautpaaren besprochen. „Es ist ihr schönster Tag des Lebens“, sagt Fennenkötter: „Es ist mir wichtig, dass sie sich wohlfühlen.“ Auch Ausgefallenes gibt es: Jüngst entschied sich ein Paar, die Hochzeit ganz genau wie ein Oktoberfest aufzuziehen, denn auf einem solchen hatte es sich kennengelernt. Lederhosen und Dirndl waren Ehrensache.

Trauringe am Seil

Viele kleine Dinge können die Zeremonie bereichern, von der „Wunschbox“, in die die Gäste kleine Zettel werfen, auf denen sie dem Brautpaar ihre ganz persönlichen Wünsche mitteilen, bis zu dem Seil, das quer durch die Reihen geht, und an dem entlang der Trauring geschoben wird, bis es das Hochzeitspaar erreicht. Es gibt auch noch das „Sandritual“, bei dem Herzen mit verschiedenfarbigen Sänden gefüllt werden. Viele Symbole finden Verwendung. Am wichtigsten ist natürlich das „Ja“, das den Bund der Ehe besiegelt.

Es ist eine ganz persönliche Feier, die Formalia wurden stets schon mit der standesamtlichen Trauung erledigt. Einen ganzen Tag nimmt sich Fennenkötter für das jeweilige Brautpaar Zeit. Es soll ihr Tag werden, an den sie sich Zeit ihres Lebens erinnern können. Viele Dankeschöns erhält Fennenkötter von den nun verheirateten Paaren. Und das vielleicht Schönste: „Alle sind noch zusammen“, sagt Fennenkötter.

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