Vorstandsmitglied erläutert Auflösung der Nienberger Kolpingsfamilie
„Wir waren nur noch zwölf Mitglieder“

Münster-Nienberge -

Seit einigen Wochen gibt es in Nienberge keine Kolpingsfamilie mehr. Manch einer bedauert dies . . .

Freitag, 20.03.2020, 17:54 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 16:48 Uhr
„Wir konnten uns immer aufeinander verlassen“: Gerd Freitag erinnert sich an viele schöne Jahre in der Kolpingsfamilie Nienberge.
„Wir konnten uns immer aufeinander verlassen“: Gerd Freitag erinnert sich an viele schöne Jahre in der Kolpingsfamilie Nienberge. Foto: hko

„Es war eine schöne Zeit, an die ich mich immer sehr gern erinnern werde“, sagt Gerd Freitag . Die schöne Zeit: Das sind die Jahrzehnte in der Kolpingsfamilie Nienberge. Gemeinsam mit anderen Nienbergern hat er 35 Jahre in der Gemeinschaft mitgewirkt und sich zehn Jahre im Vorstand engagiert. Die Kolpingsfamilie Nienberge ist seit einigen Wochen Geschichte. Der Beschluss zur Auflösung wurde einstimmig gefasst. Warum?

„Wir waren nur noch zwölf Mitglieder“, erläutert Gerd Freitag, und er fügt schmunzelnd hinzu: „Alle sind im gesetzten Alter von mindestens 75 Jahren.“ Alle wollen weiter in Kontakt bleiben, aber ohne Verpflichtungen.

Rückblende: 1951 gründet sich die Kolpingsfamilie Nienberge und entwickelt sich als selbstständiger Verband zu einem „verlässlichen Stamm“ der katholischen Kirchengemeinde. Das betont Reinhold Waltermann in einem Grußwort zum 50-jährigen Bestehen der Familie. Der damalige Präses und Pfarrer in St. Sebastian bringt damit zum Ausdruck, dass viele Kolpingmitglieder Aufgaben in der Gemeinde übernehmen.

Das Engagement für die Familie ist Kernstück der Arbeit des Kolpingwerks, das der gelernte Schuhmacher und spätere katholischen Priester Adolph Kolping als Verein für wandernde Handwerksgesellen gründete. Daraus entstanden auch die aktuell rund 2400 Kolpingsfamilien in Deutschland.

Informationsabende, Hilfsaktionen und die Mitwirkung im sozialen Umfeld waren Schwerpunkte der Kolpingsfamilie Nienberge. Gerd Freitag nennt zum Beispiel die Altkleidersammlung im Stadtteil, die bis 2017 von der Kolpingsfamilie organisiert und durchgeführt wurde (der Erlös kam sozialen Zwecken zugute) und an die Unterstützung von Entwicklungsprojekten in Südamerika – darunter die Spendensammlung für ein Allrad-Fahrzeug, das in Peru eingesetzt wurde. Zu den besonderen Ereignissen gehörte ein Besuch im Europäischen Parlament in Straßburg. Und gefeiert wurde auch.

Gründungssenior der Nienberger Kolpingsfamilie war Franz Wilper, 17 Jahre leitete Emanuel Hübner die Gemeinschaft, bis zur Auflösung war Dieter Strompen der Vorsitzende.

Ist Kolping noch aktuell? „Auf jeden Fall“, sagt Gerd Freitag. Im Münsterland gebe es viele mitgliederstarke Kolpingsfamilien. In Nienberge fehlt allerdings schon seit vielen Jahren der Nachwuchs. Das bedeute keineswegs mangelndes Interesse. Das konzentriert sich auf andere Gemeinschaften. Gerade in diesem Stadtteil engagieren sich viele Bewohner in Vereinen und Institutionen im sozialen, gesellschaftlichen und kirchlichen Bereich.

Die Kolpingsfamilie hat gern finanzielle Hilfe geleistet. Deshalb wird auch der Restkassenbestand von 800 Euro verteilt: an die Jugendfeuerwehr, die Messdiener, die Ferienaktion Texel und die Musiktherapie der Teestube.

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