Archäologen werden auf dem Gräftenhof Schulze Hannasch fündig
Spuren aus dem Mittelalter

Münster-Nienberge -

Mitarbeiter der Stadtarchäologie Münster hatten Bauarbeiten auf dem Gelände des Hofes Leising begleitet, der saniert und auch in den Außenbereichen neu gestaltet wird. Und sie wurden fündig.

Mittwoch, 24.06.2020, 12:20 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 13:33 Uhr
Bei Arbeiten auf dem alten Gräftenhof Schulze Hannasch wurden die Archäologen in der Scheune (unten r.) fündig.
Bei Arbeiten auf dem alten Gräftenhof Schulze Hannasch wurden die Archäologen in der Scheune (unten r.) fündig. Foto: Winkelmann

Insgeheim hatten die Mitarbeiter der Stadtarchäologie schon mit einem historischen Fund gerechnet. Dennoch war die Freude groß, als man beim Umbau eines der wohl ältesten Gräftenhöfe im Münsterland auf mittelalterliche Spuren traf: In der alten Scheune vom sogenannten Hof Leising, früher auch als Gräftenhof Schulze Hannasch bekannt, fand man nun Spuren, die vermutlich aus dem zwölften oder 13. Jahrhundert stammen.

Mitarbeiter der Stadtarchäologie Münster hatten Bauarbeiten auf dem Gelände des Hofes Leising begleitet, der saniert und auch in den Außenbereichen neu gestaltet wird. „Die von einem breiten Wassergraben umgebene Hofstelle, die bis 1930 den Namen Schulze Hannasch trug, hat eine lange Geschichte, welche sich in den Schriftquellen sicher bis in das elfte Jahrhundert zurückverfolgen lässt“, schreibt Archäologe Jan-Hendrik Vermehren in seinem Abschlussbericht. „Insofern war damit zu rechnen, dass archäologische Funde und Befunde beim jetzt anstehenden Umbau der Scheune zu einem Mehrparteienhaus auftreten würden.“

Die Scheune liegt laut Vermehren im östlichen Teil der Hofanlage, neben dem im 18. Jahrhundert errichteten Torhaus und über der in diesem Abschnitt 1909 zugeschütteten Gräfte, „deren genaue Entstehungszeit wir nicht kennen“. Der älteste Plan des Hofes, der zur Gründungsausstattung des adeligen Damenstiftes St. Marien-Überwasser gehörte und bei dem sich auch eine Kapelle oder Kirche befunden haben soll, ist von 1827 und zeigt die Hofstelle in ihrer letzten Ausbauphase.

Davon, wie der Hof im Mittelalter ausgesehen hat, haben wir bislang keine Kenntnis, spätestens in der beginnenden Neuzeit lag er wahrscheinlich auf einer von einem Wassergraben umgebenen Insel, die weniger als halb so groß war wie die heutige Insel, die so erst in den 20er-Jahren des 19. Jahrhundert entstanden ist“, sagt der Archäologe.

Als im Zuge der ersten Bauarbeiten in der Scheune der Fußboden entfernt wurde, zeichnete sich schnell ab, dass die Mitarbeiter der Stadtarchäologie fündig werden würden. Vermehren: „Im hellen Sand waren zahlreiche dunkle Verfärbungen zu erkennen, bei denen es sich um mehrere Pfostengruben und einen Graben handelte, auch ein Bruchsteinfundament wurde erfasst, das mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Gebäude des 19. Jahrhunderts gehörte, das im Vorfeld des Scheunenneubaus abgebrochen worden war.“

Das Fundament bestand nach Aussage des städtischen Archäologen offensichtlich aus wiederverwendeten Materialien, die von einem noch älteren Gebäude stammten. Das zeige, wie sparsam auf dem Land mit Rohstoffen gewirtschaftet wurde.

Über das Alter der Pfostengruben, die zu einem ebenerdigen Fachwerkgebäude gehört haben dürften, gibt eine Tonscherbe Auskunft, die mittelalterlich ist. „Das Alter des Grabens, der vermutlich Teil einer frühen Hofeinfassung war, zeigt eine weitere Scherbe an, die in etwa in die gleiche Zeit datiert, vermutlich in das zwölfte bis 13. Jahrhundert“, meint Vermehren. Dass so wenig Fundmaterial geborgen wurde, verwundere nicht: „Abfälle wurden im ländlichen Bereich in der Vergangenheit eben auf dem Acker oder dem Misthaufen entsorgt und nicht wie in der Stadt in Abfallgruben, die tief in den Boden eingegraben wurden.“

Die Felduntersuchungen in der Scheune sind abgeschlossen. Sie haben gezeigt, dass die mittelalterliche Hofstelle nicht zur Gänze durch die neuzeitliche Überbauung zerstört worden ist. Alle weiteren Bodeneingriffe, die im Zuge der Baumaßnahmen noch stattfinden werden, müssen daher archäologisch begleitet werden.

„Die Ergebnisse können wir mit Spannung erwarten“, so Vermehren. Die Entstehungsgeschichte der Anlage könnte sogar bis in die Zeit um 900 zurückreichen, wie die Lokalforschung vermutet.

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