Geplante Windräder in Nienberge-Häger
Anwohner klagen erneut – Richter macht wenig Hoffnung

Münster -

Die Anwohner von vier geplanten, 200 Meter hohen Windrädern in Nienberge-Häger wehren sich weiter gegen die Errichtung. Am Mittwoch ging die juristische Auseinandersetzung vor dem Verwaltungsgericht in eine neue Runde.

Mittwoch, 24.06.2020, 18:45 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 15:40 Uhr
Streit um neue Windräder: Dieses Exemplar steht am Twerenfeldweg. Anwohner klagen aktuell gegen die Errichtung von vier neuen Anlagen in Häger.
Streit um neue Windräder: Dieses Exemplar steht am Twerenfeldweg. Anwohner klagen aktuell gegen die Errichtung von vier neuen Anlagen in Häger. Foto: Oliver Werner

Windräder drehen sich schon seit vielen Jahren in der Nachbarschaft der drei Familien, die im ländlichen Bereich von Häger leben. Die vier Anlagen sollen nun erneuert – und deutlich größer werden. Die Anwohner, deren Wohnhäuser alle knapp 500 Meter von einer der geplanten Anlagen entfernt stehen, fürchten mehr Lärmbelästigung durch „In­fraschall“, „optische Bedrängung“, den Schatten der Rotorblätter und dass dem Brandschutz nicht genügend Rechnung getragen werde.

Mit einer ersten Klage gegen die Genehmigung durch die Stadt Münster sind sie bereits vor dem Oberverwaltungsgericht Münster unterlegen. Am Mittwoch hat sich das Verwaltungsgericht Münster erneut mit der Angelegenheit befasst – denn die Planung der Anlagen hat sich zwischenzeitlich verändert. In der Wahrnehmung der Anwohner müssen sie dadurch noch erheblichere Beeinträchtigungen hinnehmen.

Ein Urteil sprach der Richter am Verwaltungsgericht noch nicht – aber er ließ durchblicken, dass die Argumente der Anwohner gegen die ungeliebten Windräder erneut juristisch nicht gegen die Genehmigung der Anlagen sprechen.

„Optisch bedrängende Wirkung“

Die bisherigen Windräder sind 120 Meter hoch, die neuen sollen 200 Meter hoch in den Himmel ragen. Kläger Benedikt Schulze Hülshorst machte die unter anderem „optisch bedrängende Wirkung“ geltend, die hohen Fichten, die ein Gutachten als hinreichenden Sichtschutz anführte, seien mittlerweile vom Borkenkäfer befallen und abgestorben. Ein anderes klagendes Ehepaar führte an, sein Kind schlafe schon jetzt durch das Windrad „keine Nacht durch“, der dritte Kläger verwies auf gesundheitliche Beeinträchtigungen seiner Ehefrau, „die nicht gut zurecht“ sei. Alle Kläger befürchten, dass im Fall eines Brandes der Anlagen ihre Grundstücke gefährdet seien und womöglich der Ackerboden kontaminiert werden könnte.

Richter zeigt Verständnis

Der Richter zeigte Verständnis, machte jedoch im Erörterungstermin klar, dass der „wissenschaftliche Austausch“ über die Folgen der Windenergie noch nicht abgeschlossen sei. Dementsprechend könne es nicht Konsequenz für die Rechtsprechung sein, die Genehmigungen aller beklagten Projekte als unrechtmäßig anzusehen, sie „vorsorglich alle stillzulegen“.

Reinhard Inckmann, einer der Kläger, brachte noch einen anderen Aspekt ins Spiel, der aber nicht Gegenstand der juristischen Auseinandersetzung ist: Sollte die Stadt Münster den Stadtteil Nienberge-Häger, wie angedacht, durch neue Baugebiete erweitern wollen, würde dies aus seiner Sicht wegen des zu geringen Abstandes zu den neuen Windrädern schwierig, skizzierte er.

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