Bei Familie Reeken finden die Flugkünstler Brutplätze
Ein Hof für Schwalben

Münster-Nienberge -

Rauch- und Mehlschwalben verzeichnen laut Naturschutzbund starke Bestandsrückgänge in den vergangenen 25 Jahren und gelten als gefährdet. Ein Hauptgrund: der Mangel an Brutplätzen. Das ist auf Hof Reeken in Nienberge anders.

Freitag, 24.07.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 11:18 Uhr
Auf dem Milchviehbetrieb von Familie Reeken in Nienberge brüten viele Rauch- und Mehlschwalben – insgesamt 45 Paare. Aline Förster, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Nabu-Naturschutzstation Münsterland, zeichnete Landwirt Hermann-Josef Reeken mit der Nabu-Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ aus.
Auf dem Milchviehbetrieb von Familie Reeken in Nienberge brüten viele Rauch- und Mehlschwalben – insgesamt 45 Paare. Aline Förster, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Nabu-Naturschutzstation Münsterland, zeichnete Landwirt Hermann-Josef Reeken mit der Nabu-Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ aus. Foto: Nabu

In Nordrhein-Westfalen gibt es laut Naturschutzbund ( Nabu ) immer weniger Schwalben. Mit der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ will der Nabu diesem Trend entgegenwirken und zeichnet auch in diesem Jahr wieder Menschen und Häuser aus, bei und an denen die Glücksbringer ein Zuhause finden. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Reeken in Nienberge sind Schwalben willkommen.

„Zum Hofleben gehören die Schwalben einfach dazu, auch wenn sie schon so einiges an Dreck machen“, so Tochter Kathrin, die ihre Ausbildung zur Landwirtin macht. Die zusätzliche Arbeit nimmt Familie Reeken gern in Kauf, zumal die Vögel zum einen hervorragende Fliegen- und Mückenfänger sind und somit ihre Kühe vor den lästigen Plagegeistern schützen.

Hermann-Josef Reeken und Tochter Kathrin auf der Weide

Hermann-Josef Reeken und Tochter Kathrin auf der Weide Foto: Naturschutzbund MS-Land

Zudem verbringen die Schwalben nur ein paar Monate in ihrem Brutgebiet: Anfang September ziehen sie wieder in ihre Überwinterungsgebiete nach Afrika.

Mitte April trudeln zunächst die Rauchschwalben ein, die im Inneren von Gebäuden, in offenen Ställen oder etwa auf der Tenne brüten, so die Pressemitteilung des Nabu. Ein bis zwei Wochen später gesellen sich die Mehlschwalben dazu. Sie bauen ihre fast geschlossenen Nester aus Lehmklümpchen meist an der Außenfassade unter Dachvorsprüngen und kommen im Gegensatz zur Rauchschwalbe auch häufiger in Wohnsiedlungen vor.

Rauchschwalbe

Rauchschwalbe Foto: B. Stemmer

Bei Reekens nisten die Rauchschwalben auch auf der Tenne. Rund 30 Paare Rauchschwalben und 15 Paare Mehlschwalben konnte Aline Förster, Landschafsökologin an der Nabu-Station Münsterland, bei der Schwalbenerfassung auf dem Hof feststellen. „Hier passt noch alles zusammen. Das ist Landwirtschaft für Mensch, Tier und Natur“, so Aline Förster bei der Verleihung der Schwalben-Plakette des Nabu.

Die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ gibt es bereits seit zehn Jahren. Über 2000 Schwalben-Freunde wurden bereits ausgezeichnet. Ziel sei es, so der Nabu, für den Schutz der Schwalben und ihrer Nistplätze zu werben. Rauch- und Mehlschwalben verzeichneten starke Bestandsrückgänge in den vergangenen 25 Jahren und gälten als gefährdet. Ein Hauptgrund sei der Mangel an Brutplätzen, denn viele Milchviehbetriebe sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden, in Nordrhein-Westfalen mehr als 20 000. „Mitte der 1990er-Jahre gab es in Nienberge und Häger noch 700 Rinder von 35 Milchviehbetrieben auf den umliegenden Weiden. Heute sind wir mit unseren 70 Tieren der letzte Milchviehbetrieb mit Weidehaltung, die damals fast selbstverständlich war“, erklärt Hermann-Josef Reeken die Veränderung.

Die Weidehaltung ist auch ein positiver Faktor für die Schwalben und die Natur. Denn in den Kuhfladen auf der Weide legen Fliegen ihre Eier, sodass sich neue Insekten als Nahrung für die Schwalben entwickeln. Außerdem können sie den Kuhmist gerade in Trockenperioden, wenn keine Lehmpfützen vorhanden sind, als Baumaterial für ihre Nester nutzen.

Auf dem Hof Reeken mit 30 Hektar Weidehaltung finden die Schwalben auch in den kommenden Jahren offene Fenster und Türen und einen sicheren Brutplatz, so der Nabu.

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