Roxel
Private Entwicklungshilfe

Montag, 13.08.2007, 01:08 Uhr

-tu- Münster-Roxel. Es sind zwei Musterbeispiele privater Entwicklungshilfe , die dringend größerer Unterstützung bedürfen: Monat für Monat finanziert der emeritierte Pfarrer Roetger Schwartz den Fortbestand mehrerer von ihm gegründeter Nachhilfeschulen im Nordosten Brasiliens. Und dass sich immer mehr junge Brasilianer das teure Universitätsstudium leisten können, ist dem von Dr. Cornelia und Dr. Werner Wittkowski bereits vor 19 Jahren ins Leben gerufenen Verein „Studienstiftung Passo Fundo“ zu verdanken. Beide Hilfsprojekte wurden gestern Vormittag vom Brasilienkreis der St.-Pantaleon-Gemeinde vorgestellt.

„Wenn ein brasilianisches Kind weder schreiben noch rechnen kann, ist es weiterhin zur Feldarbeit verurteilt.“ Sehr anschaulich berichtete Schwartz von seiner dreijährigen Tätigkeit als Diözesanpriester in den Pfarren Pirapemas und Cantanhede. Die hohe Analphabetenquote veranlasste ihn, Nachhilfeklassen – die „Kleinen Schulen“ – einzurichten. Den Unterricht leisten junge Leute, die so etwas wie die Mittlere Reife bestanden haben. Wie sehr die Geldspende aus Roxel – für fünf Mindestlohn-Gehälter plus Schulmaterial – geschätzt wird, beweist allein der Name der kleinen brasilianischen Schulen. Sie heißen „Escolinhas de esforgo Padre Rogério“ – benannt nach ihrem Gründer.

Einen neuen Weg geht „Passo Fundo“: Bildung betrachten die Initiatoren als „die Schlüsselfrage der Entwicklung eines Landes“, ein Universitätsstudium in Brasilien sei jedoch ein Privileg der Reichen. Für die Vergabe von Stipendien an junge Brasilianer – derzeit sind es etwa 80 Studenten sowie bereits 120 Altstipendiaten – verlangen die Initiatoren deshalb nachhaltiges soziales Engagement. „Wir wollen talentierte junge Menschen aus armen Verhältnissen zu Multiplikatoren einer gerechteren Gesellschaft machen“, erläuterte Dr. Cornelia Wittkowski das richtungsweisende Konzept.

Es hat sich bewährt: Mittlerweile betreuen vier Partnervereine, übers ganze Land verteilt, sechs Stipendiatengruppen, für die eine Summe von rund 70 000 Euro gezahlt wird. Im Gegenzug entstanden vielversprechende Sozialprojekte: Das Spektrum reicht von Alphabetisierungskampagnen, Computerkursen für Kinder, Familienberatung (Hygiene, Ernährung, Erziehung) bis hin zur Mülltrennung in den Armenvierteln. „Dort leben die Einheimischen vom Müll“, so die Roxelerin. Der Erfolg dieser deutsch-brasilianischen Kooperation manifestiere sich nicht nur in der Vielzahl freiwilliger Helfer, sondern auch in bereits mehrfach verliehenen Staatspreisen.

Wer die Roxeler Brasilien-Projekte unterstützen möchte, kann sich an Werner Wittkowski (Telefon 02534 / 27 27) und Roetger Schwartz (Telefon 02534 / 97 46 30) wenden.

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