Roxel
Müde Lkw-Fahrer auf der Suche

Donnerstag, 20.03.2008, 21:03 Uhr

Münster-Roxel. „Du bist tierisch müde. Du willst einfach nur deine Ruhe haben. Und dann findest du keinen Parkplatz.“ So einfach bringt der Fernfahrer Jan Kersten es auf den Punkt, was allabendlich seine Kollegen am Steuer der großen Lkw erleben, wenn sich eine lange Schicht voller Konzentration und Verantwortung hinter dem Lenkrad dem Ende nähert. „Eine Stunde mindestens sucht man nach einem Stellplatz“, macht der 28-Jährige deutlich, dass am Feierabend regelmäßig noch eine besondere Strapaze auf die Fahrer wartet. So auch am Mittwochabend auf dem Rasthof Münsterland-Ost an der A 1.

Durch einen Kontakt über die Internet-Homepage „Truckerfreunde“ erhielten die WN Gelegenheit, einmal aus Sicht der Lkw-Fahrer zu erleben, wie sich die Parkplatznot an deutschen Autobahnen auswirkt. Gegen die geplante Erweiterung der Rasthöfe in Münster regt sich, wie berichtet, starker Protest der Anwohner.

Langsam wird es dunkel. Dicke Lastzüge schieben sich zentimetergenau aneinander vorbei, um noch eine Lücke für die Nacht zu finden. Kaum ein Pkw-Fahrer könnte so präzise einparken. Von seinem hoch gelegenen Sitz klettert Christian Buschenlange nach unten. Erst mal recken, etwas die Augen reiben. Der 36-Jährige fährt seit zwölf Jahren diese Strecke. „Wenn ich es vermeiden kann, bleibe ich gar nicht an der Autobahn stehen, sondern fahre zum Übernachten direkt zum Kunden – falls ich mit den Lenkzeiten hinkomme“, gibt der Fahrer zu bedenken.

Darin liegt eines der großen Probleme angesichts der Parkplatznot, bestätigt Rainer Bernickel , Forumsmitglied der „Truckerfreunde“: „Wenn der Gesetzgeber den Fahrer bei Verstößen gegen die Lenk- und Ruhezeiten sanktioniert, dann ist er auch in der absoluten Verpflichtung, den notwendigen Parkraum zur Verfügung zu stellen.“ Ein Fahrer, der die erlaubte Lenkzeit überschreitet, muss pro angefangene halbe Stunde 30 Euro Strafe zahlen. Allzu rechtzeitig kann er jedoch nicht mit der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit beginnen, denn: „Der Bordcomputer sagt: ,Pause‘. Der Chef sagt: ,Weiterfahren‘“, schildert ein Fahrer auf dem Roxeler Rasthof die Zwangslage seines Berufsstandes.

Nicht nur der Chef drängt. „Wenn die Parkplätze voll sind, bin ich gezwungen, weiterzufahren“, erzählt Thomas Gärtner, der mit seinem Lkw ständig auf der Achse Nord-Süd unterwegs ist. „Ab 20 Uhr ist es fast unmöglich, einen Platz zu finden“, weiß der 43-Jährige.

Was das bedeutet, zeigt sich jeden Abend an den beiden Roxeler Rasthöfen. Die Lkw stehen überall, wo sie nicht den Verkehr behindern: auf nicht genutzten Pkw-Parkplätzen, am Rande der Tankstellen, im Bereich der Zu- und Abfahrten. Bernickel hat die Erfahrung gemacht, dass die Polizei nur im Notfall einschreitet. Wenn zum Beispiel ein Schwertransport nicht durchkommt: „Dann werden die Fahrer geweckt und müssen mitten in der Nacht umrangieren.“

Was die Truckerfreunde nicht verstehen: „Übermüdete Fahrer sind eine Gefahr für alle. Außerdem transportieren die Lkw die Güter, die alle kaufen wollen“, betont Bernickel. „Aber keiner will sie parkend in seinem Umfeld dulden.“

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