Roxel
Illegal auf die Autobahn

Freitag, 04.04.2008, 18:04 Uhr

Münster-Roxel. Wer sich im Umfeld der Autobahnrasthöfe Münsterland-Ost und -West auskennt oder gar in der Nachbarschaft wohnt, der kann ein Lied davon singen: Zwar stehen an den Raststättenzufahrten unübersehbare Hinweisschilder mit dem Verkehrszeichen 250 – sprich „Durchfahrt verboten“ – doch die werden von vielen Pkw- und Lkw-Fahrern schlichtweg ignoriert. So mancher missbraucht die dem Betriebs- und Versorgungsdienst vorbehaltenen Wege, um zeitsparend auf die Autobahn zu düsen oder von der Bundespiste abzufahren. Das ist illegal, wird jedoch zum Ärger vieler Roxeler von der Autobahnpolizei nur selten kontrolliert.

„Die Polizei kümmert sich nicht darum!“, sagt Theodora Bockem-Rohleder , die unmittelbar an einer der Raststättenzufahrten wohnt. Tagaus, tagein wird die Roxelerin, vielen als Vorsitzende der Bürgerinitiative „Landschaftsschutz Roxel“ bekannt, arg vom Schleichverkehr gebeutelt, der vor ihrer Haustür Lärm, Abgasgestank und Gefahrensituationen beschert. „Die Wege werden als zusätzliche Autobahnabfahrt genutzt“, ärgert sich Bockem-Rohleder. In Stoßzeiten, im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr, sei es manchmal so schlimm, dass sie sogar Schwierigkeiten habe, das eigene Grundstück ungefährdet zu verlassen.

Doch die Rasthof-Zufahrten werden zum Leidwesen der Anwohnerin nicht nur illegal genutzt. Auf ihnen werde oftmals auch „rücksichtslos mit überhöhter Geschwindigkeit entlang gedonnert“, wurmt es Bockem-Rohleder. Nach ihren Feststellungen sind es nicht nur Privatleute im Pkw, sondern auch viele Handwerker und Firmenfahrer, die mit ihren Lkw bei minimalem polizeilichen Kontrollrisiko unerlaubt die Zuwegungen nutzen.

„Auf das Verbot angesprochen, haben einige Fahrer geantwortet, die Software ihres Navigationsgerätes weise ausdrücklich auf die Möglichkeit hin, an dieser Stelle auf die Autobahn aufzufahren, beziehungsweise sie an dieser Stelle zu verlassen“, weiß die Roxelerin. Sowohl als Privatperson als auch als Chefin der Bürgerinitiative hat Theodora Bockem-Rohleder der Polizei bereits Briefe geschrieben und um Abhilfe sowie verstärkte Kontrollen gebeten – bislang ohne Erfolg.

Ulrich Vogel kann den Ärger von Anliegern wie Theodora Bockem-Rohleder durchaus nachvollziehen: „Eine Belästigung für die Bürger. Die Beschwerden über das unzulässige Befahren der Raststättenwege sind uns bekannt“, sagt der Pressesprecher der münsterischen Polizei. Nach Feststellung der Autobahnpolizei gebe es in der Tat einen „nicht unerheblichen Missbrauch“ der Zufahrten. Gleichwohl würden diese von den Beamten nicht schwerpunktmäßig kontrolliert. Priorität werde bei der zuständigen Autobahnpolizei darauf gelegt, Hauptunfallursachen zu bekämpfen – und zu diesen zähle das illegale Befahren der Roxeler Rasthöfezufahrten nun einmal nicht.

Allerdings: Wenn der Polizei bei ihren Streifenfahrten Verstöße gegen das Zufahrtsverbot auffallen, dann wird der betreffende Fahrer laut Vogel schonunglos zur Kasse gebeten. Das fällige Verwarnungsgeld liegt bei 15 Euro (bloße Nutzung der Zufahrt) beziehungsweise 25 Euro (Nutzung der Zufahrt mit nachweislicher Autobahnauf- oder -abfahrt). Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei gibt es nicht.

Auch wenn es dem ein oder anderen Anlieger wehtue – mehr als die Kontrolle im Rahmen der Streifenfahrten sei nicht drin, sagt der Polizeipressesprecher. Vielleicht könnten bauliche Maßnahmen, wie das Aufstellen von Schranken, dem Problem Abhilfe schaffen, doch das sei keine Sache der Polizei . . .

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