Albachten
Britische Soldaten zwischen Ernstfall und Familie

Dienstag, 08.07.2008, 22:07 Uhr

Münster-West - Müll in der Landschaft – wie kürzlich am Rohrbusch in Roxel –, das soll nicht sein. Weil sich darunter zu einem geringen Anteil auch Gegenstände befanden, die der britischen Armee zuzuordnen waren (die WN berichteten), rückten sofort britische Soldaten aus, um gleich den ganzen Haufen zu entsorgen. „Wenn wir von einem Problem erfahren, werden wir unverzüglich tätig“, sichert Major Julian Knowles zu, der sich von der Gremmendorfer York-Kaserne aus um die Hausverwaltung und die sozialen Gemeinschaftsangelegenheiten der Soldatenfamilien kümmert.

846 Häuser hat Knowles zu betreuen, davon sind zurzeit wegen des Wechsels der Regimenter allerdings nur 650 bewohnt. In Gremmendorf leben momentan rund 300 britische Familien, in Gievenbeck etwa 200 und in Coerde 150. Die drei in Münster stationierten Regimenter umfassen rund 2000 Soldaten. Hinzu kommen 3000 bis 4000 Familienangehörige.

„Wenn die neuen Einheiten erstmals nach Münster kommen, ist die Zahl der zeitgleich hierher ziehenden Angehörigen traditionell zunächst niedriger“, hat Knowles festgestellt. „Aber wenn die Soldaten erleben, wie schön es in Münster ist, holen sie ihre Familien schnell nach.“

Alle zweieinhalb Jahre ziehen die Soldatenfamilien im Durchschnitt um. Knowles selbst ist seit 35 Jahren bei der britischen Armee und bewohnte in diesem Zeitraum 31 Häuser. „Die Nachteile des häufigen Umzugs sind, dass die Ausbildung der Kinder darunter leiden kann, und dass die Väter nur sehr wenig Zeit in der Familie verbringen“, wirbt der Major um Verständnis für die Situation der britischen Nachbarn.

Nach drei bis sechs Monaten Training in Kanada, Polen oder verschiedenen deutschen Lagern reisen die Soldaten zu einem in der Regel sechsmonatigen Einsatz in den Krisenregionen der Welt. Wenn sie davon zurückkehren, haben sie keineswegs sofort Urlaub. Das sei keine Schikane, sondern diene der stufenweisen „Normalisierung“, erklärt Knowles. Denn in der Abwesenheit der Ehemänner müssen die Frauen vieles alleine regeln. Beide Partner verändern sich – der eine durch belastende Erlebnisse im militärischen Dienst, die andere durch die Notwendigkeit, auch schwierige Entscheidungen zu treffen, ohne sich mit ihrem Mann absprechen zu können.

„Einige Frauen werden dadurch sehr stark – vielleicht stärker, als es dem zurückkehrenden Mann lieb ist. Andere suchen Unterstützung und Rückhalt, den wir versuchen, ihnen zu geben“, erklärt Knowles einen Teil der Aufgaben seiner Mitarbeiter. Die Frauen seien oft emotional ausgelaugt und stünden unter einem enormen Druck. Wenn dann der Ehemann vom belastenden Einsatz zurückkehre, müsse zunächst das „Gleichgewicht des Familienlebens“ neu austariert werden. Die rückkehrenden Soldaten seien als Folge der Einsatzanforderungen die erste Zeit über recht argwöhnisch, wachsam und in ständiger Alarmbereitschaft. „Es fällt ihnen schwer zu entspannen“, betont Major Knowles aus eigener Erfahrung.

Trotz all‘ dieser Herausforderungen wird den Familien abverlangt, sich auf deutsche Sitten und Gesetze einzustellen. Knowles vermittelt ihnen den Grundsatz: „Wenn ihr in Deutschland lebt, müsst ihr euch verhalten wie die Deutschen.“ Womit natürlich gemeint ist, sich so zu verhalten, wie die Deutschen es tun sollten. Dazu gehören die Einhaltung von Ruhezeiten mittags und nachts sowie die Achtung der Feiertage – kein Rasenmähen, kein Autowaschen, kein Wäscheaufhängen. Und eben die richtige Müllentsorgung.

Wer bezüglich britischer Soldatenfamilien mit Julian Knowles Kontakt aufnehmen möchte, kann sich unter Telefon 02 51/9 27 23 95 melden.

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