Roxel
Ein Licht für Seelennöte

Donnerstag, 17.07.2008, 21:07 Uhr

Münster-Roxel. Auf dem Fußweg zur Autobahnkapelle , die sich abseits des vorbeirauschenden Verkehrs in einem Wäldchen befindet, kommt der Reisende an einem kleinen Bildstock vorbei. Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, dazu die Bitte: „Beschütze uns allezeit und gib uns ein sicheres Geleit“. Daneben eine Bronzetafel mit dem „Autofahrer-Gebet“, anbei ein kleiner Spendenkasten „Für die Kinder verunglückter Eltern“. Im Hintergrund ein schlichtes Holzkreuz, das an einen Verunglückten erinnert.

Auf dem Altar der kleinen Kapelle brennt eine Kerze, wie ein Licht für Seelennöte . Denn neben ihr befindet sich ein einfaches Büchlein, in dem Menschen auf der Durchreise ihre Sorgen und Anliegen hinterlassen. Zur stillen Einkehr kommen sie herein, rechnen nicht mit persönlicher Ansprache.

Aber seit gestern bis Samstag ist jemand für die Urlauber, die Geschäftsreisenden, die Lkw-Fahrer gesprächsbereit, wenn sie es wünschen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) lädt von 8 bis 16 Uhr zum Reisesegen ein. Joachim Riemann , evangelischer Laienprediger aus Hiltrup, beteiligt sich wie elf weitere Geistliche an der ökumenischen Aktion.

„Hierhin kommen häufig Menschen, die anonym bleiben wollen, die nicht in ihren Gemeinden mit dem Pfarrer über ihre Probleme sprechen möchten“, hat Riemann festgestellt. „Wir führen durchaus intime Gespräche über Ehekrisen, berufliche Schwierigkeiten oder Krankheiten.“

Dass dabei „keine echte Stille“ herrsche, werde nicht als störend empfunden: „Nach einer Weile filtert man die Verkehrsgeräusche weg. Die Menschen konzentrieren sich auf diesen Raum und schalten ab.“ Es ist auch an den Tagen des Reisesegens möglich, einfach zur Besinnung zu kommen.

„Es kommt aber auch vor, dass jemand darum bittet, für ihn zu beten“, erzählt der Laienprediger. In einem Gebet, das er sich zurechtgelegt hat, heißt es: „Herr lass mich auf dieser Fahrt nicht leichtsinnig und rücksichtslos sein.“ Und „Lass mich ruhig und gelassen bleiben in der Hetze und im Ärger des Verkehrs.“ Die Realität, zu der die Reisenden nach dem Besuch der Kapelle zurückkehren, bleibt nicht außen vor.

„Wenn Gruppen kommen, können auch Lieder gesungen werden“, kündigt Riemann an. Darauf hat sich auch Pfarrer Johannes Gospos, katholischer Polizeiseelsorger in Münster , eingestellt. Er übernimmt die nächste Schicht und baut eine kleine Musikanlage auf. Gospos möchte den Menschen vermitteln: „Eine Reise ist nie ganz ungefährlich. Aber Gott reist mit euch, er begleitet euch auf allen Wegen.“

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