MS-West
„Ureigenster Gesang der Kirche“

Mittwoch, 11.02.2009, 18:02 Uhr

Münster-Roxel - Für das ambitionierte Quintett ist es der „ureigenste Gesang der katholischen Kirche - und das seit über 1000 Jahren“. Die Rede ist von der Gregorianik: Eine vor sechs Jahren vom früheren Kantor Stefan Thomas ins Leben gerufene Schola der St.-Pantaleon-Gemeinde widmet sich der Pflege dieser zumeist aus anonymen Handschriften überlieferten Gesangsform.

In der Roxeler Pfarrkirche erklingen die meditativ anmutenden Hymnen in lateinischer Sprache regelmäßig in den Gottesdiensten an den kirchlichen Festtagen, berichtet Ernst-August Bäumer , der Leiter der Schola. Mit ihm verfügt das Ensemble über einen Experten: Der Sohn des früheren Osnabrücker Domorganisten Conrad Bäumer hat die gregorianischen Gesänge sozusagen mit der Muttermilch eingesogen: „Schon als Achtjähriger“, erzählt der Ensemble-Chef, „sang ich im Domchor mit.“

Bemerkenswert: Mit Ausnahme von Jürgen Behrens , Bäumers Stellvertreter und Aushilfsorganist in St. Pantaleon, handelt es sich allesamt um Laien. Sie verbindet die Freude an der Erhaltung einer über die Jahrhunderte vornehmlich von Mönchen gepflegten Tradition. „Wir bereiten uns zur Zeit auf die Mitwirkung in der Liturgie anlässlich des Osterfestes vor“, erzählt Behrens. Das „Resurrexi“ - zu deutsch: Ich bin auferstanden - werde als Einleitungsgesang in der Ostermesse erklingen.

Einstimmig sind die Harmonien der Gregorianik und von relativ geringem Tonumfang gekennzeichnet, was die „große meditative Kraft“ erklärt, wie Jürgen Behrens hinzufügt. Eigentümlich mutet das Notensystem an: Es gibt nur vier Linien - keinen Rhythmus, keine Taktstriche, keine Notenwerte. Und gerade dieser Umstand beinhaltet die eigentliche Herausforderung, bekräftigen die Vokalisten: So muss der Leiter jeweils das Tempo vorgeben. In den alten Handschriften finden sich eigentümliche Dirigierzeichen. „Die eigentliche Notation setzte erst ums Jahr 1000 ein“, wissen die Sänger.

Die Roxeler Schola beherrscht alle feststehenden Teile der Liturgie in lateinischer Sprache. Stets im Wechsel mit der Gemeinde erfüllen die Sänger das Gotteshaus mit ihren Stimmen, intonieren unter anderem das Credo, Gloria und Pater Noster. „Was wir machen, ist sicherlich nur ein Mosaiksteinchen der Kirchenmusik“, meint Behrens.

Doch die lateinische Sprache der Messe „könnte für die Weltkirche eine einheitliche Sprache sein“, sagt Ernst-August Bäumer mit Nachdruck. Immerhin sei bereits beim Zweiten Vatikanischen Konzil festgelegt worden, dass dem gregorianischen Gesang eine „wichtige Rolle im Gottesdienst“ zukomme. Es überrascht somit kaum, dass die Roxeler Schola die erklärte Sympathie des heutigen Papstes, Benedikt XVI., für die lateinische Form der Messe ausdrücklich begrüßt.

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