Roxel
Mit Gottes Segen in den Urlaub

Donnerstag, 15.07.2010, 23:07 Uhr

Münster-Roxel - Die Besucher strömten zwar nicht in Scharen, doch über ausbleibenden Zuspruch auf das kostenlose Angebot im kleinen Gotteshaus an der großen Asphaltpiste konnten sich Joachim Riemann und seine Kollgen auch nicht beklagen: Zwei Stunden lang, von 9 bis 11 Uhr, war der Laienprediger aus der evangelischen Gemeinde in Hiltrup gestern in der Roxeler Autobahnkapelle im Einsatz. Dort bieten Mitglieder der münsterischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und Seelsorger verschiedener Gemeinden zum Ferienauftakt allen vorbeikommenden Urlaubern den Reisesegen, die Möglichkeit zum gemeinsamen Gebet und zum Gespräch an.

Bereits seit weit über 20 Jahren, sagt Riemann, offeriere die ACK in der Autobahnkapelle zum Start der Sommerferien den geistlichen Service für Ferienreisende. Er selbst sei seit zehn Jahren mit von der Partie. Diesmal läuft die Aktion, von der auch junge Leute Gebrauch machen, seit dem gestrigen Donnerstag bis einschließlich Samstag jeweils von 9 bis 17 Uhr. Neun ACK-Mitglieder aus Münster und Umgebung sowie ein Seelsorger aus Bottrop sind in Zwei-Stunden-Schichten im Einsatz.

Kapellen-Besuchern, die dies möchten, erteilen Riemann und seine Kollegen den Reisesegen, beten mit ihnen und hören sich ihre Sorgen und Nöte an. So manch einem komme es entgegen, jemandem der zuhöre, anonym und unverbindlich das Herz ausschütten zu können, sagt der Hiltruper. Private Probleme von Ehekrisen bis zu Krankheiten würden angesprochen. Einmal habe ihn sogar ein junger Mann gefragt, ob er ihn nicht konfirmieren könne.

Wunsch all derer, die von der Erteilung des Reisesegens Gebrauch machen, sei es, ihre Urlaubsreise gut zu bewältigen und von Unfällen verschont zu bleiben, sagt Riemann. Bei ihren Einsätzen brauchen die ACK-Mitglieder nicht nur offene Ohren sondern auch ein wenig Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl: „Manch einer will gar nicht angesprochen werden, sondern einfach nur abschalten von der Hektik und die Stille der Kapelle genießen.“ Jedem wird jedoch beim Verlassen des kleinen Gotteshauses eine kostenlose Postkarte mit einem christlichen Motiv angeboten.

Die Kapelle am Autobahnrand sei ein kleines Schmuckstück. Mit dem großen Jesus-Kreuz hinter der rückwärtigen Glasfassade spreche sie viele Leute an: „Jesus ist mitten unter uns“, sagt Riemann. Zwei ältere Frauen auf dem Weg nach Bremen hätten ihm gestern gesagt, wie sehr sie von der Kapelle angetan seien. Er habe Urlauber aus dem Ruhrgebiet kennengelernt, die regelmäßig zur Nordsee führen und dabei stets die Autobahnkapelle besuchten. Für sie sei es „ein Muss“, dort einzukehren, hätten sie gesagt.

Auf dem Kapellenaltar liegt eine Kladde aus, in die Besucher Wünsche und Anliegen eintragen können. „Ich hoffe, ich schaffe die neunte und die zehnte Klasse“, hat ein Mädchen dort hineingeschrieben. „Lieber Gott, gib mir Kraft, meine Kinder zu erziehen. Gib mir Kraft gesund zu werden!“, so der aktuelle Eintrag einer weiteren Besucherin.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/442996?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F142%2F598918%2F598925%2F
Nachrichten-Ticker