Roxel
Singspiel mit eindringlichen Texten

Dienstag, 29.03.2011, 18:03 Uhr

Münster-Roxel - 30 Meter lang und zwei Meter hoch war die Darstellung des imposanten Totentanzes , der seit dem 15. Jahrhundert die Gläubigen in der Marienkirche zu Lübeck bei der Beichte begleitete. Auf dem Kunstwerk rafft der personifizierte Tod in Form eines kraftvoll voranschreitenden Skeletts vom lebensgroß gemalten Kaiser bis zum Kind in der Wiege systematisch und zuverlässig alle hin. Anfang des 18. Jahrhunderts komplett durch eine Kopie ersetzt, denn das Original war in schlechtem Zustand, hing der Totentanz dort bis zu seiner Zerstörung während eines Luftangriffes 1942.

Dieser gemalte Totentanz inspirierte Hugo Distler zu seinem musikalischen „Totentanz“ (1934), einer Art szenischen Singspiels mit eindringlichen Texten, nur manchmal von schlichten Flötenpassagen unterbrochen. Der Kammerchor Münster brachte das Werk in der Roxeler Pfarrkirche zu Gehör. Das Ensemble sang die 14 Sprüche des „Totentanzes“ sauber und eindringlich, von Hermann Kreutz eng am Notentext gehalten.

Die Sprecher Freimund Pankow sowie Jochen und Ute Pickerott kamen als Tod oder in einer der vielen menschlichen Rollen auf die Bühne. Dabei waren sie immer mit ein paar Attributen des jeweiligen Standes ausgestattet: eine Krone für den Kaiser, eine Wollmütze für den Schiffer, ein keckes rotes Hütchen für die Jungfrau in besten Jahren. Das fidele Lesetrio beschränkte sich auf die Dialogtexte aus dem Lübecker Totentanz, die aber genug Stoff für fantasievolles Ausmalen haben: „Ich dachte, nichts als Saufen und Prassen, schindet und plagt mein Untersassen“, gesteht der Edelmann freimütig.

Schon vorher gab es eine ganze Menge vorzüglicher musikalischer Appetithappen. Organistin Christiane Alt-Epping bewies nicht nur in Jan Pieterszoon Sweelincks Variationen über „Mein junges Leben hat eine End“ ein beachtliches Gespür für feine Registrierungen und glänzte mit sauberer Technik.

Auch drei Madrigale Johann Hermann Scheidts, verstärkt um Violoncello (Friederike Peucker) und Kontrabass (Sylvia Zywietz) wurden überzeugend vorgetragen. „Der Herr hat mich verlassen!“, klagte der Chor dezent mit dynamisch schön abgestuften Wiederholungen, vergaß aber bei aller Eleganz das Ausrufezeichen hinter diesem Satz nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser tolle münsterische Chor demnächst seine etwas gelichteten Reihen wieder mit engagierten Stimmen auffüllen kann.

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