Havixbeck – Geburtsort Annettes?
Roxeler Heimatfreunde ärgern sich über Marketing-Bestrebungen der Nachbargemeinde

Münster-Roxel -

„Annette-Klau“: In Havixbeck sind Überlegungen im Gange, die Roxeler Heimatfreunden überhaupt nicht behagen. Die Verantwortlichen der Nachbargemeinde liebäugeln nämlich damit, ihre Ortseingangsschilder mit dem Zusatz „Havixbeck – Geburtsort der Annette von Droste-Hülshoff“ auszustatten. Doch das stößt Heimatexperten wie Dieter Pferdekamp bitter auf. Da solle aufgrund nicht vorhandener historischer Fakten eine Marketinglüge installiert werden, ärgert sich der Mitbegründer und langjährige Beisitzer des Roxeler Heimat- und Kulturkreises. Annettes Geburtsort sei Roxel.

Dienstag, 19.06.2012, 03:06 Uhr

Havixbeck – Geburtsort Annettes? : Roxeler Heimatfreunde ärgern sich über Marketing-Bestrebungen der Nachbargemeinde
„Willkommen in Roxel – Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff“ heißt es auf den Schildern am Ortseingang Roxels. Jetzt gibt es in der Nachbargemeinde Havixbeck Bestrebungen, den Roxelern ihre berühmte Tochter streitig zu machen. Foto: sch

Im Havixbecker Wirtschaftsausschuss wurde darüber diskutiert, dass die Gemeinde mit der Burg Hülshoff nicht nur über ein „herausragendes Baudenkmal“ verfüge, „sondern damit auch über den Geburtsort der bedeutendsten deutschen Dichterin“. Es gebe wenige Gemeinden, die derartige Leuchttürme kultureller und denkmalpflegerischer Identität in ihren Grenzen beheimateten, hieß es. Potenziale, die in dieser geschichtlichen Fügung lägen, seien bisher nur zögernd wahrgenommen worden. „Wir sollten diesen Bekanntheitsgrad nutzen“, forderte der Havixbecker Christdemokrat Hans-Gerd Hense.

Er wisse, das Roxel den Anspruch erhebe, Geburtsort der großen deutschen Dichterfürstin zu sein. Doch die geänderte Gemeindeordnung erlaube, die heutige Situation als maßgebend zu betrachten. Dieter Pferdekamp hält derartige Überlegungen für absurd: „Es wird mit Bestimmungen der Gemeindeordnung NRW argumentiert, ebenso mit Marketinggesichtspunkten. Man vermeidet eine historische Diskussion, weil man genau weiß, dass man damit schlechte Karten hat.“

Es sei zutreffend, dass die Burg Hülshoff bei der Kommunalen Neuordnung im Jahre 1975 der Gemeinde Havixbeck zugeschlagen worden sei, doch das Wasserschloss habe zu Annettes Zeiten zum Kirchspiel Roxel gehört, und zu diesem gehöre es noch heute. Die große Dichterin habe in ihrem Leben „keine fünf Tage in Havixbeck verbracht“, und der Ort sei de facto auch nicht ihr Geburtsort. Es sei historisch belegt, so Pferdekamp, dass Annette von Droste-Hülshoff am 14. Januar 1797 in der Roxeler St.-Pantaleon-Gemeinde getauft und vier Tage zuvor auf der zu Roxel zählenden Burg geboren worden sei.

In Havixbeck werde der Versuch unternommen, Geschichte „wegzugemeinden“. Wenn man derartige Versuche unternehme, könne man auch Immanuel Kant aufgrund seines Geburtsorts Königsberg zum Polen machen. „Seit dem Jahr 1417 bis zur Eingemeindung, also 558 Jahre lang, waren das Haus Hülshoff und alle Generationen, die dort gelebt und gestaltet haben, mit der Geschichte des Kirchspiels Roxel eng verbunden“, hebt Pferdekamp hervor. Auch Franz Weitzel will den versuchten Havixbecker „Annette-Klau“ auf keinen Fall hinnehmen: Da solle „Geschichtsverfälschung“ betrieben werden, sagt der Roxeler Orts-Chronist und Heimat- und Kulturkreismitstreiter. „Annette ist und bleibt Tochter Roxels.“

Die Dichterin und ihre Familie seien mit Roxel eng verbunden gewesen, was unter anderem auch dadurch verdeutlicht werde, dass sich die Familiengruft der Adelsfamilie auf dem Roxeler Friedhof befinde. Wie Weitzel festgehalten hat, wurde Annette von Droste-Hülshoff im Jahre 1972 sogar seitens der Post eine besondere Würdigung zuteil: Zu ihrem 175. Geburtstag wurde die Dichterfürstin mit einer Gedenkkarte nebst Sonderstempel und Angabe des Geburtsorts Roxel geehrt.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/829031?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F142%2F598885%2F939311%2F
Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Interview: 100 Jahre Frauenwahlrecht: Zwei Frauen über Politik, Wahlen und Frauenquote
Nachrichten-Ticker