Wissenschaftsbox zeigt Ergebnisse der Forschungsarbeit von Schülern und Uni-Wissenschaftlern
Spuren einer alten Burg gefunden

Münster-Roxel -

„Das Annettedorf hat ein kleines Heimatmuseum“, freute sich Dr. Wilhelm Bauhus. Im Blick hatte der Vertreter der „Expedition Münsterland“ dabei die Wissenschaftsbox der Universität, die eine Woche lang am Pantaleonplatz Station macht.

Sonntag, 15.09.2013, 20:09 Uhr

Erfolgreiche Suche nach der Gräftenanlage Schonebeck: Die Beteiligten des Kooperationsprojektes, unter ihnen Schüler aus Havixbeck, HKK-Vorstandsmitglieder und Dr. Wilhelm Bauhus (2.v.r.) von der „Expedition Münsterland“, eröffneten die Wissenschaftsbox mit den Ergebnissen am Pantaleonplatz.
Erfolgreiche Suche nach der Gräftenanlage Schonebeck: Die Beteiligten des Kooperationsprojektes, unter ihnen Schüler aus Havixbeck, HKK-Vorstandsmitglieder und Dr. Wilhelm Bauhus (2.v.r.) von der „Expedition Münsterland“, eröffneten die Wissenschaftsbox mit den Ergebnissen am Pantaleonplatz. Foto: tu

Sie beherbergt die Ergebnisse einer Spurensuche, die Forscher der Uni gemeinsam mit Zwölftklässlern der Havixbecker Anne-Frank-Gesamtschule in der Bauerschaft Schonebeck unternommen haben.

Aus einer lange gehegten Vermutung wurde nach Bauhus Worten eine Bestätigung: Im Rahmen des interdisziplinären Kooperationsprojektes „GIStory – Geoinformatics meets History“ suchte die Gruppe nach dem Standort einer Gräftenanlage. Und zwar auf einem Feld des Landwirts Hubert Lütke Brintrup.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts beschrieb der Heimatkundler Fritz Westerhoff, besser bekannt unter dem Pseudonym Dr. Longinus, die Reste der historischen Gräftenanlage, die sich in nur achtminütiger Entfernung von der Burg Hülshoff befunden haben soll. Ende des Zweiten Weltkriegs sei die Anlage zerstört worden. „Dr. Longinus“, so Bauhus, „muss die Fundamente der Burg also gekannt haben.“ Auch eine Landkarte aus dem Jahre 1895, ein Messtischblatt im Maßstab 1:25 000, enthält eine exakte Ortsangabe.

Mit diesen Daten machten sich die 35 Schüler auf den Weg. „Wir entdeckten zunächst Unregelmäßigkeiten auf der Google-Earth-Karte und konnten anhand von Erdverfärbungen exakt den Verlauf der Burg erkennen“, berichtet Schüler Lukas Splitthoff. Mithilfe eines Quadrocopters, einer Hubschrauberdrohne, die Infrarotbilder lieferte, gelang der Nachweis.

Die Ergebnisse ihrer Suche übertrugen die Teilnehmer der schulischen Projektwoche in eigens entwickelte Apps: Abrufbar sind der visualisierte Burgverlauf und zahlreiche Fundorte. Denn die Forschergruppe machten einen bemerkenswerten Fund: mehr als 250 Scherben, die einer Zeitspanne vom elften Jahrhundert bis heute entstammen. Zwar seien die Bohrungen mit zwei Meter langen Metallstangen nach den Fundamenten ergebnislos verlaufen, „wir wissen aber genau, wo die Burg stand“, so Landschaftsökologin Catharina Kähler von der „Expedition Münsterland“.

Neben dem Institut für Geoinformatik leisteten weiteren Uni-Institute, Archäologen des Landschaftsverbands und nicht zuletzt der Heimat- und Kulturkreis (HKK) Unterstützung.

In der Wissenschaftsbox auf dem Pantaleonplatz können die Ergebnisse des Projektes noch bis zum Wochenende besichtigt werden. Historische Roxel-Ansichten aus dem HKK-Fundus komplettieren die Schau.

 

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