Roxeler entdeckte uralte Aschendorff-Bücher und Geschäftsaufzeichnungen
Schätze vom Dachboden

Münster-Roxel -

Was man so alles bei einer Aufräumaktion finden kann: Der Roxeler Matthias Feldbrügge entdeckte auf seinem Dachboden gleich mehrere interessante alte Bücher.

Freitag, 01.08.2014, 17:08 Uhr

Matthias Feldbrügge, Eigentümer der gleichnamigen Schlosserei in Roxel, fand neben Büchern zu geistlichen Themen auch alte Geschäftsbücher aus den Jahren 1898 bis 1934.
Matthias Feldbrügge, Eigentümer der gleichnamigen Schlosserei in Roxel, fand neben Büchern zu geistlichen Themen auch alte Geschäftsbücher aus den Jahren 1898 bis 1934. Foto: jans

Der Schatz schlummerte auf dem Dachboden . Gut verpackt in drei Kisten lagen bei Matthias Feldbrügge am Thieplatz 10 – nein, keine Gold-Dublonen und Edelsteine, sondern uralte Bücher. Verstaubt, zerlesen, eines sogar mit deutlichen Brandspuren. Sie bezeugen die tiefe Gläubigkeit ihrer einstigen Besitzer, ihren Familiensinn – und deren schon vor über 100 Jahren stets wachen Geschäftsinstinkt.

Schlosserei-Inhaber Feldbrügge fand die so unterschiedlichen Bücher, als er sich beim Aufräumen für den Inhalt jener Kisten interessierte, die vermutlich sein Großvater Anton (1908 - 1979) vor Jahrzehnten gepackt hatte. „Und dann kommt auf einmal etwas zutage, das gehütet worden ist“, staunt der Unternehmer noch heute.

Zum Beispiel ein „Faßlicher Unterricht über den Jubel-Ablaß nebst Anleitung, sich dessen theilhaftig zu machen“: Das Bändchen erschien 1826 im münsterischen Aschendorff-Verlag. Die Seiten sind eng in Frakturschrift bedruckt, vergilbt und zerfleddert. „Die haben das am Mann gehabt, oder an der Frau“, sagt Feldbrügge nachdenklich.

Auch das „Unterrichts- und Andachtsbüchlein für die Bruderschaft vom heiligen Rosenkranze“ zeigt ähnliche Gebrauchsspuren. Es wurde 1867 ebenfalls bei Aschendorff verlegt.

Manchmal finden sich auch persönliche Hinweise. „Frau Feldbrügge hört dieses Buch zu“ steht in gestochen klarer Schrift im Einband eines anderen Gebetbuchs: Dieses Buch gehörte einst einer Frau Feldbrügge. Noch direkter verweist ein anderer Band auf die Familiengeschichte. Ein Buch mit Messgebeten, dessen Titelblatt verloren ging, ist nämlich deutlich angesengt. Der Brandgeruch hängt immer noch in den Seiten. Als das alte Haus der Feldbrügges 1893 abbrannte, wurde dieses Buch aus den Flammen gerettet, gemeinsam mit einer Truhe und einer Uhr.

Einblick in die Geschichte des seit 1753 in Roxel ansässigen Unternehmens Feldbrügge geben hingegen drei weitere Bände aus dem „Dachbodenschatz“. Es sind Geschäftsbücher aus den Jahren 1898 bis 1934. Neben ihrer Schmiede führten die Feldbrügges zu dieser Zeit einen florierenden Haushaltswaren- und Fahrradhandel. Davon künden mit spitzer Feder akkurat geführte Seiten.

168,50 Mark bezahlte beispielsweise der Baron Freiherr von Droste Hülshoff für seine „Opel Halbrennmaschine“, die er am 1. August 1904 erhielt. Zur Sonderausstattung dieses Fahrrads gehörten Schutzbleche und eine Karbidlampe. Für vier Mark ließ Familie Kückmann sechs Wochen später bei Feldbrügge ihre Nähmaschine reinigen und ölen.

Jan Feldbrügge, Ururgroßvater des heutigen Schlosserei-Chefs, schrieb auch auf, dass Kaplan Bernzen am 13. September 1914 ein Opel-Fahrrad Modell Nr. 10 mit „Torpedo“-Freilauf und extra Kleiderschutz für seine Kutte erhielt. 120 Mark kostete so etwas damals. Der Roxeler Geistliche zahlte noch am selben Tag.

Nachdenklich klappt Matthias Feldbrügge das alte Geschäftsbuch zu. Auf seinem Dachboden stehen noch ein paar Kisten. Was mögen sie wohl bergen?

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