Mühlenhoffkreuz in Roxel
„Zeugnis alter Volksfrömmigkeit“

Münster-Roxel -

Die Geschichte des Mühlenhoff-Wegekreuzes in Roxel geht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Ortshistoriker Franz Weitzel kennt sich mit der Geschichte des Kleinods bestens aus.

Mittwoch, 30.03.2016, 23:03 Uhr

Roxels Orts-Chronist Franz Weitzel kennt sich mit der Geschichte des alten Mühlenhoffkreuzes gut aus. Es wurde im Jahr 2009 letztmals restauriert. Der Korpus des historischen Wegekreuzes wurde dabei von einem Restaurator aus Lippstadt wieder in Schuss gebracht.
Roxels Orts-Chronist Franz Weitzel kennt sich mit der Geschichte des alten Mühlenhoffkreuzes gut aus. Es wurde im Jahr 2009 letztmals restauriert. Der Korpus des historischen Wegekreuzes wurde dabei von einem Restaurator aus Lippstadt wieder in Schuss gebracht. Foto: sch

Aus der Sicht von Franz Weitzel ist das Engagement der Anwohner beispielhaft: Es sei nicht alltäglich, dass sich Nachbarn darum kümmerten, das alte Wegekreuz an der Ecke Dingbängerweg / Am Rohrbusch und sein liebevoll bepflanztes Umfeld über Jahrzehnte hinweg in Schuss zu halten, sagt der Roxeler Orts-Chronist. Die Geschichte des Kreuzes kennt er nur allzu gut. Es stelle ein „Zeugnis alter Volksfrömmigkeit “ dar.

Das Wegekreuz, das auch unter dem Namen Mühlenhoffkreuz bekannt ist, steht seit nunmehr zwei Jahrhunderten am selben Standort. Allerdings handelt es sich nicht mehr um das Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete Original, sondern um ein Ersatzkreuz, das vor über einem halben Jahrhundert dessen Platz einnahm.

Das ursprüngliche Wegekreuz gehörte nach Franz Weitzels Recherchen zum einstigen Mühlenhoff, zu dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch eine wassergetriebene Ölmühle gehörte. „Aus den Chroniken geht hervor, dass im Jahr 1835 die sogenannte Große Prozession der Kirchengemeinde St. Pantaleon verkürzt wurde und an diesem Kreuz der erste Hauptaltar war“, weiß der Roxeler Ortshistoriker. Allerdings führte der heutige Dingbängerweg damals noch nicht unmittelbar am historischen Mühlenhoffkreuz vorbei. Das ist erst seit Mitte der 1960er-Jahre der Fall.

Bereits im Zweiten Weltkrieg , so erfuhr Franz Weitzel vor längerer Zeit von Roxeler Zeitzeugen, präsentierte sich das ursprüngliche Wegekreuz in einem bedauernswerten Zustand: „Es war völlig morsch und verfallen.“ Und so kam es dazu, dass ein Nachbar – der Schreiner Heinrich Wessels – etwa gegen 1960 das heutige Eichenkreuz an der Ecke Dingbängerweg / Am Rohrbusch schuf. Dieses erhielt einen neuen Korpus, der laut Weitzel aus Kunstharz angefertigt und braunlasiert wurde, was damals üblich gewesen sei. Unbekannt sei, wer den Korpus des gekreuzigten Jesus gestiftet habe. Es handele sich jedoch um die Replik eines alten Kruzifixes.

Irgendwann nach 1980 – der Standort des Wegekreuzes war inzwischen in den Besitz der Stadt Münster übergegangen – wurde der Korpus an beiden Beinen beschädigt. Ein Nachbar, Josef Hagemann, Seniorchef der gleichnamigen Tischlerei, sorgte für die Restaurierung. Andere Nachbarn – darunter Gerhard Ahrens, Bernd Kemming, Klaus Hoffmann und Manfred Mevenkamp – kümmern sich seitdem regelmäßig um die Hege und Pflege des Wegekreuz-Standorts.

Letztmals in Schuss gebracht wurde das Mühlenhoffkreuz dann im Juli 2009. „Der Balken des alten Eichenkreuzes war im unteren Teil vermodert und musste teilweise erneuert werden. Das zerbrochene Dach wurde verleimt und erhielt eine neue Zinkabdeckung. Ein Restaurator aus Lippstadt entfernte die einfarbige Schicht des Korpus und beseitigte die Beschädigungen. Schließlich wurde der Korpus nach historischen Vorbildern in Farbe gefasst“, beschreibt Franz Weitzel die Instandsetzungsaktion. Verantwortlich für diese waren der Heimat- und Kulturkreis sowie diverse Sponsoren.

Roxel könne stolz darauf sein, Bürger zu haben, denen es in der heutigen Zeite noch wichtig sei, Symbole alter Volksfrömmigkeit zu bewahren, meint der Orts-Chronist: „Das Kreuz kann reden, wo Menschen schweigen.“

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