Baumkundler untersuchen die gefährliche Nähe von Wurzeln und Gasleitungen
Mit Laptop auf Gefahrensuche

MÜNSTER-ROXEL -

Der bärtige junge Mann mit Warnweste und Laptop huscht im Roxeler Ortskern von Baum zu Baum. Was macht der da?

Mittwoch, 09.11.2016, 05:11 Uhr

Warnweste und Laptop gehören zur Ausrüstung von Alexander Emming. Er sammelt Daten für ein Baumkataster, das die Gefährdung von Gasleitungen dokumentiert.
Warnweste und Laptop gehören zur Ausrüstung von Alexander Emming. Er sammelt Daten für ein Baumkataster, das die Gefährdung von Gasleitungen dokumentiert. Foto: jans

Alexander Emming kennt diese Frage schon und grinst. Er wird immer wieder angesprochen wenn er unterwegs ist. Sein Interesse gilt den Bäumen, erklärt er – und den Gasleitungen in ihrer Nähe. Emming sowie ein Kollege waren in den letzten Tagen rund um St. Pantaleon auf Tour. Im Auftrag von Münster-Netz, einer Tochterfirma der Stadtwerke, sammelten sie in Roxel Daten für ein ganz spezielles Baumkataster.

Stadtwerke-Sprecher Florian Adler erklärt, worum es geht. In den letzten drei Jahren wurden alle 900 Kilometer städtischer Gasleitungen von Fachleuten eines Sachverständigenbüros für Arboristik (Baumkunde) abgegangen und abgefahren. Letzte Station auf dieser Reise war nun in Roxel.

Anhand von Luftaufnahmen auf dem Laptop , auf denen auch die Gasleitungen eingezeichnet sind, überprüfen die Fachleute, wo sich Bäume und Leitungen gefährlich nahe kommen könnten. „Alle Bäume haben Wurzeln, die sich um Gasleitungen herumlegen können. Das wollen wir von vornhinein vermeiden“, so Stadtwerke-Sprecher Adler mit Hinblick auf mögliche Schäden am Leitungssystem. Die Daten fließen erstmals in ein spezielles Kataster ein, das auch künftige Gefahrenpunkte aufzeigen soll. Das Wachstum der Bäume werde ebenfalls berücksichtigt, so Adler. „So eine komplette Begehung ist auf Jahre hin­aus nicht mehr nötig“, betont Adler. Das Kataster werde ins Geo-Informationssystem der Stadtwerke eingepflegt und diene dort als internes Planungswerkzeug.

Wenn sich durch die neuen Baum-Daten nun potenzielle Gefährdungspunkte erkennen ließen, könnten Gasleitungen mit sogenannter Wurzelschutzfolie ummantelt werden. Auch das Stutzen von Bäumen sei möglich, damit diese dem Wind weniger Angriffsfläche bieten, und die Wurzeln weniger auf die Leitungen drücken. Im Falle eines Falles sei aber auch die Umlegung einer Gasleitung möglich.

Und wenn Arboristiker Emming gleich vor Ort Gefahr wittert? Dann werde natürlich auch sofort gehandelt, so Florian Adler. Mittels eines Saugbaggers könne die Erde zwischen Baumwurzeln und Leitungen schonen entfernt werden, um die Schäden zu untersuchen und zu beheben.

Das entsprechende Kataster umfasst nicht nur städtische Bäume, auch Bäume auf Privatgrundstücken wurden aufgenommen. An Haustüren klingeln mussten Emming und seine Kollegen dazu nicht, so Adler. Die „Privatbäume“ seien von der Straße und auf den städtischen Luftbildern gut genug erkennbar.

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