Nach Unfall 2014
Im Rondell gilt rechts vor links

Münster-Roxel -

Geht es im Straßenverkehr rund, scheint die Sache für die meisten Verkehrsteilnehmer klar: Hier ist ein Kreisverkehr. Wer hineinfahren will, muss die Vorfahrt der anderen beachten. Doch eine im Kreis geführte Straße ist nicht gleich ein Kreisverkehr. Dafür braucht es eine Beschilderung.

Mittwoch, 29.03.2017, 19:30 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.03.2017, 19:30 Uhr
Nur weil es rund geht, ist es nicht gleich ein Kreisverkehr: Die Kreuzung in Roxel geht um ein Rondell. Weil es eben kein Kreisverkehr ist, gilt dort rechts vor links.
Nur weil es rund geht, ist es nicht gleich ein Kreisverkehr: Die Kreuzung in Roxel geht um ein Rondell. Weil es eben kein Kreisverkehr ist, gilt dort rechts vor links. Foto: Thomas Schubert

Gibt es das blaue Schild mit den drei abgerundeten Kreisen (kl. Foto) nicht, gelten andere Regeln. Das bestätigte auch das Oberlandesgericht in Hamm. Dort wurde ein Unfall verhandelt, der sich im August 2014 in Roxel ereignet hatte.

Dort, wo Wulfertstraße, Könemannstraße und Schulte-Bernd-Straße aufeinandertreffen, ist in der Mitte der Kreuzung eine runde Grünfläche. Aber: Es handele sich um eine Kreuzung, die in Form eines Rondells ausgestaltet ist. So heißt es in einer Mitteilung des Gerichts.

Viel Verkehr herrscht an der runden Kreuzung in Roxel meistens nicht, doch zu dem Unfall kam es trotzdem. Geklagt hatte eine Münsteranerin, die zum Unfallzeitpunkt 78 Jahre alt war. Sie war mit ihrem Fahrrad aus der Wulfertstraße kommend in das Rondell hineingefahren. Die Kreuzung wollte sie an der gegenüberliegenden Straße – also quasi geradeaus – wieder verlassen. Die Beklagte, ebenfalls Münsteranerin, war mit ihrem Auto auf der Könemannstraße unterwegs. Auch sie wollte in das Rondell hineinfahren.

Die Vorfahrt ist in der Kreuzung klar geregelt. Anders als in einem Kreisverkehr – auch wenn die Kreuzung im ersten Moment so aussieht – gilt hier: rechts vor links. Entscheidend ist, dass es keine Schilder gibt, die für einen Kreisverkehr sprechen.

Die Radfahrerin fuhr in das Rondell hinein, ebenso die Autofahrerin. Auf der Kreuzung kam es dann zum Zusammenstoß, der für die damals 78-Jährige mit einem Bruch des Schienbeinkopfes endete. Die Verletzung war so schwerwiegend, dass sie gleich mehrfach operiert werden musste, heißt es in der Mitteilung.

Vor dem Landgericht in Münster klagte die Radfahrerin Schadensersatz in Höhe von 10 000 Euro ein. Das Gericht gab ihr Recht – rechnete ihr aber 20 Prozent Mitverschulden zu. Die Pkw-Fahrerin wollte sich mit dem Urteil nicht zufrieden geben und legte Berufung beim Oberlandesgericht ein. Dort wurde die Angelegenheit anders beurteilt.

Das Gericht stufte die Mitschuld der Radfahrerin auf 60 Prozent ein. Der Grund: Sie habe die Vorfahrtsregel verletzt. Als sie in den Kreuzungsbereich eingefahren sei, habe sie das von rechts kommende Fahrzeug bereits gesehen. Deshalb hätte sie es passieren lassen müssen.

Doch auch die Pkw-Fahrerin traf eine Mitschuld an dem Unfall. Sie habe das Fahrrad wohl übersehen, das bereits in das Rondell eingefahren sei. Die Autofahrerin habe damit ihre „allgemeine Rücksichtnahmepflicht“ verletzt. Das Gericht betont, das Vorfahrtsrecht sei nicht ohne Rücksichtnahme durchzusetzen.

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