Seniorenzentrum Roxel
Ein 13-Jähriger im Seniorenzentrum

Münster-Roxel -

Ein Praktikant im Alter von 13 Jahren in einem Seniorenzentrum? Das ist ungewöhnlich, doch im Roxeler Zentrum „Wohnen in Pastors Garten“ gibt es einen solchen Praktikanten.

Donnerstag, 18.05.2017, 19:05 Uhr

Der bislang jüngste Praktikant im Roxeler Seniorenzentrum „Wohnen in Pastors Garten“: Linus Weiß mit (v.l.) Heike Ulrich vom Betreuungsdienst, Bewohnerin Anne Neumann und Gaby Dick vom Verein „Von Mensch zu Mensch in Roxel“.
Der bislang jüngste Praktikant im Roxeler Seniorenzentrum „Wohnen in Pastors Garten“: Linus Weiß mit (v.l.) Heike Ulrich vom Betreuungsdienst, Bewohnerin Anne Neumann und Gaby Dick vom Verein „Von Mensch zu Mensch in Roxel“. Foto: ann

Etliche Praktikanten hat Thorsten Kloster schon unter seine Fittiche genommen. Er ist Leiter des Seniorenzentrums „Wohnen in Pastors Garten“. Immer wieder fragen junge Menschen, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein Praktikum nachweisen müssen, nach einer Betätigungsmöglichkeit in der Einrichtung. Ein 13-jähriger Schüler war bis vor Kurzem noch nicht dabei.

Doch dann erhielt Kloster die Anfrage von Linus Weiß oder genauer gesagt vom Verein „Von Mensch zu Mensch in Roxel“. An den hatte sich Linus nämlich gewandt. Mit der Bitte ihm dabei zu helfen, eine Praktikumsstelle zu bekommen.

Linus Weiß besucht die siebte Klasse der Münsterlandschule in Tilbeck. Dort läuft derzeit für die Schülerinnen und Schüler ein Sozialpraktikum mit dem Thema „Projekt Verantwortung – Spüren, wie es ist, gebraucht zu werden“. Drei Monate lang sollen die Kinder an einem festen Tag in der Woche für zwei Stunden Aufgaben übernehmen und dabei im zwischenmenschlichen Bereich Erfahrungen sammeln und konkret Verantwortung übernehmen.

„Die meisten meiner Mitschüler haben sich einen Platz in einer Kita gesucht“, sagte Linus. Das hatte er auch vor, aber seine Mutter meinte mit dem Blick auf die vier jüngeren Geschwister ganz pragmatisch: „Kindergarten hast du hier zu Hause sowieso. Frag doch mal bei ,Von Mensch zu Mensch‘, die kümmern sich doch auch um Senioren.“

Gesagt, getan: Gaby Dick aus dem Vereinsvorstand arrangierte ein Gespräch – von Mensch zu Mensch – mit Thorsten Kloster von „Pastors Garten“ und den Eltern von Linus. Seit sechs Wochen ist Linus nun jeden Donnerstag gern gesehener Helfer in der Wohngemeinschaft Elisabeth. Er deckt den Tisch für das gemeinsame Kaffeetrinken, führt einzelne Bewohner an ihren Platz und begleitet sie bei Spaziergängen. Er spielt „Mensch ärgere Dich nicht“ und ist auch schon mal mit eigenwilliger Auslegung der Spielregeln bei seinen betagten Spielpartnern konfrontiert worden. Aber damit kann er umgehen, das kennt er von den jüngeren Geschwistern.

„Kinder machen mehr kaputt. Ältere Menschen sind vorsichtiger“, ist sein Resümee. Nur einmal hat es eine brenzlige Situation gegeben: Ein Senior wurde auf dem Stuhl ohnmächtig. „Da hatte ich keine Ahnung, was ich tun sollte“, bekennt er. Aber er war nicht allein, und Hilfe nahte schnell.

Heike Ulrich und Roland Lesniak vom Betreuungsdienst sind begeistert von der freundlichen und umsichtigen Art des Jungen. „Er ist kommunikationsfreudig und hat ein tolles Sozialverhalten“ loben sie ihren jungen Mitarbeiter. Und Bewohnerin Anne Neumann bedauert, dass das Praktikum in der Schule nicht benotet wird. Sie würde Linus Bestnoten geben.

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