Neuerscheinung im Aschendorff-Verlag
Roxel zur Zeit der NS-Herrschaft

Münster-Roxel -

Das Tagebuch Elisabeth Hömbergs, die als Kanadierin die Zeit des Nationalsozialismus mit ihrem deutschen Ehemann in Roxel verbrachte, ist jetzt in deutscher Übersetzung veröffentlicht worden. Der Heimat- und Kulturkreis ließ es vorstellen.

Freitag, 08.02.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 12.02.2019, 13:02 Uhr
Vertreter des Heimat- und Kulturkreises und der Bücherei St. Pantaleon präsentierten die Tagebuch-Aufzeichnungen Elisabeth Hömbergs (v.l.): Dieter Pferdekamp, Caroline Brämswig, Dr. Gunnar Teske, Bernd und Irmgard Weber sowie Beatrix Temlitz.
Vertreter des Heimat- und Kulturkreises und der Bücherei St. Pantaleon präsentierten die Tagebuch-Aufzeichnungen Elisabeth Hömbergs (v.l.): Dieter Pferdekamp, Caroline Brämswig, Dr. Gunnar Teske, Bernd und Irmgard Weber sowie Beatrix Temlitz. Foto: sn

Elisabeth Hömberg wagte sich kaum noch einen Schritt aus dem Haus. Tiefflieger machten auch vor Roxel nicht halt, Maschinengewehr-Salven verfehlten ihr Fahrrad nur knapp. Die Kanadierin erlebte die schweren Tage des Zweiten Weltkrieges weit weg von ihrem Heimatland. Sie hatte den deutschen Historiker Albert K. Hömberg geheiratet und lebte damals im Dorf vor den Toren Münsters.

Ihre detaillierten Tagebuch-Aufzeichnungen wurden bereits 1950 in englischer Sprache veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung ist neu im Aschendorff-Verlag erschienen. Der Heimat- und Kulturkreis Roxel lud am Donnerstagabend zu einer Lesung ins St.-Pantaleon-Pfarrheim ein.

Dieter Pferdekamp, der als Herausgeber fungiert, hatte sich dafür stark gemacht, dass das Tagebuch, welches bisher nur auf Englisch veröffentlicht worden war, übersetzt wurde. Nun ist es erstmals auch auf Deutsch zu lesen: „Dein Volk ist mein Volk“ lautet der Titel des Buches, das in seiner Originalfassung vor fast sieben Jahrzehnten sogar die „New York Times“ zu einer Rezension veranlasste.  

Dr. Bernd Weber, lange Jahre Geschichtslehrer am Annette-Gymnasium sowie Lehrbeauftragter an der Uni Münster und Mitarbeiter am Studienseminar, machte bei der Lesung in Roxel keinen Hehl daraus, dass das Tagebuch einen ganz besonderen Wert als Quelle einer Zeitzeugin hat. Die unmittelbare Beschreibung ihrer Lebenssituation unter der von ihr und ihrem Ehemann abgelehnten NS-Herrschaft, verbunden mit literarischen Elementen, eigne sich, um auch späteren Generationen einen Eindruck vom Alltag in der Kriegszeit zu vermitteln.

Weber gab die historische Einordnung, seine Ehefrau Irmgard zitierte aus dem Werk und auch aus den vielen Briefen, die Albert K. Hömberg aus Paris schrieb, wo er als Gefreiter der Luftwaffe für die Wehrmacht tätig war. Bereits als die Hömbergs 1938 in Toronto heirateten und im Anschluss nach Deutschland übersiedelten, hatte die Kanadierin das Gefühl „geradewegs in ein Gefängnis“ zu kommen. Schon ab Mitte 1939 war auch jede theoretische Möglichkeit, Deutschland zu verlassen, verwehrt. Das Ehepaar machte sich keine Illusionen über den Charakter des NS-Regimes und auch nicht über die Aussichtslosigkeit des Krieges.

Die Unfassbarkeit der Verbrechen im Nationalsozialismus ließ Ehemann Albert K. Hömberg nicht mehr los: „Ist es Sünde, als Deutscher geboren zu sein?“, fragte er sich, um zu dem Schluss zu kommen: „Es war Sünde, sich ruhig zu verhalten, als man hätte reden müssen.“ Er starb 1963, für Elisabeth Hömberg war das der Anlass, nach Kanada zurückzukehren. In Vancouver Island verbrachte sie ihren Lebensabend. Ihre Tagebücher bleiben und halten die Erinnerung aufrecht.

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