Interessante Monate in Neuseeland
Am anderen Ende der Welt

Münster-Roxel -

Weit weg von Daheim, in Neuseeland, hat der Roxeler Jan Schedding rund ein halbes Jahr lang auf einer Milchviehfarm gearbeitet. Dort gab es viel zu tun.

Samstag, 02.03.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 18:04 Uhr
Jan Schedding daheim in Roxel. Dort kümmert er sich um die Jungkälber im elterlichen Betrieb.
Jan Schedding daheim in Roxel. Dort kümmert er sich um die Jungkälber im elterlichen Betrieb. Foto: sn

Jan Schedding hat sich einen Traum verwirklicht. Der Roxeler hatte schon lange vor, ins Ausland zu gehen. „Einmal so weit weg wie möglich zu sein“, das sei seinen Plan gewesen, sagt er. Da habe er einfach auf die Landkarte geschaut und Neuseeland entdeckt: „Viel weiter weg geht es ja gar nicht“, sagte er zu sich. Und dann machte er den Traum wahr.

Jan Schedding verkauft Milchpulver an Landwirte, er ist im Außendienst eines Molkerei-Unternehmens tätig. Der 28-Jährige kennt die Branche aus dem Effeff. Schon früh hat er im familieneigenen Milchviehbetrieb mitgearbeitet und zudem in Osnabrück Agrarwissenschaften studiert. Ganz klar, dass er auch in Neuseeland mit der Milchviehhaltung zu tun haben wollte. „Dort ist alles anders als hier“, sagt Schedding. Nicht unbedingt besser, aber anders.

Von September 2017 bis zum April 2018 war Schedding am anderen Ende der Welt. In der Ortschaft Hinds im Süden des Landes, unweit der größten Stadt dieser „Southland Region“, Invercargill City. Die hat nur knapp über 50 000 Einwohner. „Das ist die Kernregion für die Milchviehwirtschaft“, sagt Jan Schedding. Dort arbeitete er, in einem großen Betrieb, in dem er herzlich aufgenommen wurde.

Wind und Wetter

Die Freundlichkeit der Neuseeländer ist ihm aufgefallen. Aber es gab auch jede Menge Arbeit. „In den ersten drei bis vier Monaten hat man kein Sozialleben“, so der Roxeler: „Weil man sich um die Tiere kümmern muss.“ Morgens stand er mitunter um kurz vor 2 Uhr auf. Noch vor 4 Uhr ging es dann schon auf die Weide. Das war so ein Unterschied zu Deutschland: Milchkühe würden dort draußen gehalten. Bei Wind und Wetter, nicht immer angenehm für Mensch und Milchvieh. Die Kühe stünden oft tief im Schlamm.

Freude hat die Arbeit Schedding trotzdem gemacht. Beeindruckt hat ihn: Die Betriebe in Neuseeland hätten durchschnittlich über 700 Tiere. „In Westfalen sind es 70 bis 80.“ Das bedeute aber auch: „Hier ist das Tier mehr wert.“ Es gebe eine engere Beziehung zu ihm.

Freizeit am Stück

Doch irgendwann gab es dann doch einige Wochen Freizeit am Stück für Jan Schedding: „Ich bin viel gewandert.“ Einmal habe er 48 Stunden lang keinen Menschen gesehen: „Das habe ich als sehr entspannend erlebt.“ Ein „Hüttensystem“ gebe es in Neuseeland, das er für seine einsamen Wanderungen genutzt habe. In diesen Tagen sei er ganz auf sich allein gestellt gewesen: „Städte habe ich gemieden.“

Ursprünglichkeit habe er erlebt: „Es zählte kein Geld mehr, sondern nur noch die Nahrung, die man im Rucksack mit dabei hat.“ Er traf dann doch mal einen anderen Wanderer, und so wurden die Lebensmittel kurzerhand einfach getauscht. Ganz begehrt sei das Kakaopulver gewesen, das er stets mit dabei gehabt habe.

Befreiendes Gefühl

Beim Wandern in Neuseeland ist der Roxeler zur Ruhe gekommen: „Man hat viel Zeit, um über Dinge nachzudenken.“ Das sei ein befreiendes Gefühl gewesen. Gerne erzählt Schedding anderen von seinen Erlebnissen. Jüngst auch bei der Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Albachten-Roxel. Es habe nur positive Reaktionen gegeben, so der 28-Jährige, der auch eine Botschaft hat: „Ich will zeigen, dass auch hier eine Menge in der Landwirtschaft gut gemacht wird.“ Für den Roxeler ist aber eines genauso klar: „Neuseeland ist eines der schönsten Länder der Welt.“

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