Roxeler Professor transkribiert historische Texte
Auf den Spuren der Wiedertäufer

Münster-Roxel -

Der ehemalige Zahnmediziner Dr. Klaus Ott hat ein ganz besonderes Hobby : Der Ruheständler überträgt historische Texte, die in für den heutigen Leser schwer zu entziffernder Schrift gedruckt sind, in lesbare Form.

Freitag, 03.05.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2019, 18:30 Uhr
„Ich liebe alte Bücher“ sagt Prof. Dr. Klaus Ott. „Aber um mit ihnen zu arbeiten, ist die digitalisierte Form schon sehr praktisch“.
„Ich liebe alte Bücher“ sagt Prof. Dr. Klaus Ott. „Aber um mit ihnen zu arbeiten, ist die digitalisierte Form schon sehr praktisch“. Foto: ann

Wer schreibt, der bleibt – zumindest besagt das eine gebräuchliche Redensart. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass vom Verfasser eine Schrift gewählt wurde, die auch noch von späteren Generationen gelesen werden kann. Genau da fängt die Schwierigkeit an, denn ebenso wie die Sprache verändert sich auch die Schrift im Laufe der Zeit. Es ist nicht auszuschließen, dass sie irgendwann nur noch von Fachleuten mühevoll entschlüsselt werden kann. Diese Sorge treibt den Roxeler Prof. Dr. Klaus Ott um.

Der Zahnmediziner, von 1985 bis 2015 Lehrstuhlinhaber an der Uni Münster und Direktor der Zahnklinik, hat sich gegen Ende seiner aktiven Laufbahn an einem Thema „festgebissen“, das wenig mit seiner beruflichen Tätigkeit zu tun hat. Er transkribiert alte Texte. Das heißt: Er überträgt historische Texte, die in für den heutigen Leser schwer zu entziffernder Schrift gedruckt sind, in eine lesbare Form, ohne inhaltlich etwas zu verändern.

Begonnen hatte es mit einer alten Schrift des Civilclubs in Münster – einer der ältesten gesellschaftlichen Clubs überhaupt – dessen Mitglied er ist. Ob die „Gesetze eines sogenannten Club zu Münster“ von 1775 wirklich dem Civilclub zuzuordnen sind, ist nicht eindeutig. Aber Otts Interesse war geweckt, er recherchierte und stieg ein wenig in die Geschichte der münsterischen Gesellschaftsvereine ein. „In Sachen Emanzipation war Münster führend, da gab es bereits um 1800 adelige Damenclubs“, berichtet er.

Von da an als Hobby-Historiker geoutet, machte ihn Clubmitglied Ludger Albacht aufmerksam auf eine Schrift über das Täuferreich in Münster, geschrieben vom Zeitzeugen Hermann Kerssenbrock, die es glücklicherweise bereits digitalisiert gab. „Ich kam aus Erlangen und wusste von den Wiedertäufern gar nichts“, bekennt Klaus Ott freimütig. Umso spannender fand er diese historische Schilderung. „Wenn Kerssenbrocks Geschichten nicht wahr sind, sind sie extrem gut erfunden“, meint er. Gleichwohl hält er sie doch für authentisch.

Das Bistum wollte damals die Veröffentlichung verhindern, aber es gab heimlich gefertigte Abschriften. Ott fand heraus, dass es die 1771 gedruckte Schrift schon digitalisiert an der WWU, der Bayrischen Staatsbibliothek und bei Google Books gab. Um sie besser lesen zu können, transkribierte er schrittweise den Text. Mit Hilfe eines Programms zur Texterkennung wurde aus dem „Bild in Frakturschrift“ eine Datei, die sich bearbeiten ließ. Das im Schriftbild sehr ähnliche „s“ und das „f“ konnte das Programm nicht unterscheiden und musste bearbeitet werden, ebenso die Umlaute, die jeweils mit einem ganz kleinen „e“ über dem Vokal markiert waren.

Die Orthografie glich der Roxeler der heutigen Zeit an. Aus dem Bißthum wurde ein Bistum und aus „stehet“ oder „gehet“ wurde „steht „und „geht“. Schließlich musste der Text auch wieder in eine kompatible Frakturschrift konvertiert und das Layout korrekt formatiert werden, damit die Version auch optisch dem Original so nahe wie möglich kam. „Das artete tatsächlich in Arbeit aus“, stellte er fest und lacht darüber.

Otts aufkeimende Sorge, dass diese Arbeit vielleicht bereits jemand anderes veröffentlicht haben könnte, war glücklicherweise unbegründet. Sein großer Wunsch ist es nun, diesen historischen, jetzt gut lesbaren Text über die Wiedertäufer auch andern Interessierten zugänglich zu machen, zumal sich die Zeit des Regiments der Wiedertäufer in absehbarer Zeit – im Jahr 2024 – zum 500. Mal jährt.

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