Gottesdienst zur Entwidmung
Abschied von Vertrautem

Münster-Roxel -

Zum Gottesdienst, der anlässlich der Entwidmung der Nikolaikirche gefeiert wurde, waren viele Gemeindemitglieder gekommen.

Sonntag, 26.05.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 16:26 Uhr
Am Sonntag fand der letzte Gottesdienst in der Nikolaikirche statt. Viele Menschen waren gekommen, um daran teilzunehmen
Am Sonntag fand der letzte Gottesdienst in der Nikolaikirche statt. Viele Menschen waren gekommen, um daran teilzunehmen Foto: Annegret Lingemann

Die Glocken der Nikolaikirche, die zum Sonntagsgottesdienst läuteten, klangen wie immer. Dennoch war es ein ungewöhnlicher Gottesdienst – der letzte, der in dieser Kirche stattfand.

Viele Menschen waren gekommen, weit mehr, als an gewöhnlichen Sonntagen. Die Stimmung schien ruhig, abwartend, ein wenig gedrückt. Die Eingangsmelodie der „Versöhnungsbläser“, zu der die Pfarrer Johannes Krause-Isermann und Dr. Christoph Nooke sowie Superintendent Uli Schlien , Pfarrer Norbert Schulze Raestrup aus der St.-Pantaleon-Gemeinde und Mitglieder des Presbyteriums in die Kirche einzogen, klang in Moll. Die fröhliche Melodie des Liedes „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“, die der Kirchenchor der Nicolaikirche intonierte, ließ ein wenig Licht in die Beklommenheit fallen. „Es gilt, von Vertrautem Abschied zu nehmen, von einem Kirchenraum, der vielen lieb und teuer ist“, sagte Pfarrer Nooke. „Es ist ein bisschen wie Heimat verlieren, wenn eine Kirche schließt.“

Ein wenig verloren wirkte auch der Kirchenraum – ohne Orgel, Bilder oder nennenswerten Blumenschmuck. „Alles, was wir festhalten, hält uns fest“, beschwor Schlien die Gemeinde. „Der Kirchturm mag das Wahrzeichen einer Stadt sein, das eigentliche Wahrzeichen einer Kirche ist jedoch das Evangelium“. Insofern sei die Kirche eine Immobilie, die nach praktischen Gesichtspunkten verwaltet werden müsse. „Wer auf Dauer über seine Verhältnisse lebt und die wahre Lage verschleiert, handelt unverantwortlich und lastet seiner Nachwelt eine schwere Bürde auf“, erklärte er. „Wir haben die Aufgabe, die Zukunft zu gestalten.“ Schlien spielte damit auch auf den Wahlsonntag an. „Dazu müssen wir mit der Gegenwart ins Reine kommen.“

Nach dem Abendmahl, zu dem Pfarrer Johannes Krause-Isermann ausdrücklich alle anwesenden Christen eingeladen hatte, wurden die Prinzipale der Kirche verabschiedet: der Altar, der Taufstein und die Kanzel. Die kleineren beweglichen Teile wie Osterkerze, Kelche, das Altartuch und das Erinnerungsbuch wurden symbolisch von den Pfarrern und dem Presbyterium hinausgetragen und vor der Kirche noch einmal aufgebaut, wo sie zum vorübergehenden Abschiednehmen noch etwas verloren auf der Grünfläche standen. Mitglieder der Gemeinde verharrten noch eine Weile im lockeren Gespräch, bis auch sie sich trennten. Ganz so umgehend wird es übrigens mit dem Abriss aber doch nicht gehen. Erst dürfen noch die Jungen eines brütendes Sperlingspaars im Glockenturm flügge werden.

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