Interessantes Landwirtschaftsprojekt in Roxel
Insektenparadies bei Burg Hülshoff

Münster-Roxel -

Landwirt Henrik Lütke Brintrup hat auf einem seiner Felder einen ganz besonderen Blühstreifen angelegt. Er unterstützt damit bedrohte Insekten und heizt zudem auch noch seine Ställe.

Montag, 04.11.2019, 23:00 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 16:38 Uhr
Susanne Schulze Bockeloh vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Münster und Dirk Dreyer sowie Georg Rheinhardt (1.u.2.v.l.) begutachten die Pflanzen, die der Roxeler Landwirt Henrik Lütke Brintrup gesät hat.
Susanne Schulze Bockeloh vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Münster und Dirk Dreyer sowie Georg Reinhardt (1.u.2.v.l.) begutachten die Pflanzen, die der Roxeler Landwirt Henrik Lütke Brintrup gesät hat. Foto: sn

Das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, das geht auch in der Landwirtschaft. Henrik Lütke Brintrup aus Roxel ist einer, der ganz neue Ideen umsetzt und damit andere begeistern kann. Auf seinem Acker unweit der idyllischen Burg Hülshoff blühen inzwischen 21 Wild- und Kulturpflanzen. Ein Augenfang, der ein Paradies für Insekten ist. Doch da gibt es auch noch seine Biogasanlage, die von den schönen Pflanzen profitieren kann.

Henrik Lütke Brintrup hat Gäste. Dirk Dreyer und Georg Reinhardt vom städtischen Grünflächenamt wollen sich genauer ansehen, was der Landwirt angepflanzt hat, und was er damit noch alles anfangen kann. Auch Susanne Schulze Bockeloh, die Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Münster, ist da. Viele Landwirte aus ihrer Region setzen inzwischen auf sogenannte „Blühstreifen“ an Feldrändern, um die heimische Insekten- und Tierwelt zu unterstützen. „Das ist nicht immer ganz einfach“, sagt sie.

Lütke Brintrup ist selbst ein Beispiel dafür. Mehrfach hat er es schon versucht, hat die Blühmischung in den Boden eingebracht, doch nichts ist passiert. „Wie Staub“ sei sie gewesen, so fein, sagt er. Man könne Schrot beimischen, regt Dreyer an. Lütke Brintrup hatte aber noch eine andere Idee: Er verschob den Aussaattermin in den Sommer, eigentlich war dafür der Herbst vorgesehen.

Seine Hartnäckigkeit und seine neue Methode haben sich ausgezahlt: Unzählige Blüten sind nun auf seinen Ackerflächen zu sehen. Auf einem Hektar blühen jetzt zahlreiche Pflanzen wie Fenchel, Steinklee, rote Lichtnelke, Rainfarn und Königskerze. Durch solche Blühstreifen finden bedrohte Insekten neuen Lebensraum und Wildtiere wichtige Schutzräume.

„Solche Maßnahmen dienen dazu, die Biodiversität zu fördern“, erklärt Schulze Bockeloh. Sie ist aber noch von einer ganz anderen Sache fasziniert. Denn Lütke Brintrup kann diese Pflanzen nach der Blüte abernten und sie in seiner Biogasanlage vergären. So nutzt er sie also noch einmal – nämlich zur Energiegewinnung.

Dass dies möglich ist, kommt durch die besondere Blühmischung, die energiereiche und voluminöse Pflanzenarten beinhaltet, welche damit ideal für die Weiterverarbeitung in der Biogasanlage sind. „Sie ist aus Biodiversitätsgründen wertvoll und aus landwirtschaftlicher Sicht zweckmäßig“, sagt Susanne Schulze Bockeloh. Der findige Landwirt wird die so gewonnene Energie zum Heizen seiner Schweineställe nutzen.

Ein fast unschlagbares Konzept. Noch gebe es dabei keine Förderung oder Beratungsstellen für Landwirte, die dies auch machen wollen, sagt Reinhardt vom Grünflächenamt. Lütke Brintrup ist eben ein Pionier, alle sind gespannt, wie sein Projekt weitergeht.

Als Dauerkultur wird der besondere Blühstreifen des findigen Roxeler Landwirts mindestens fünf Jahre auf dem Acker stehenbleiben. Das Insektenparadies nahe der historischen Burg Hülshoff bleibt somit auf absehbare Zeit bestehen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7042984?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F142%2F
Mehr Glanz für die Promenade
Münsters grünes Glanzstück, die Promenade, soll nach einer umfassenden Bestandsaufnahme komplett saniert werden. Dafür will die Stadtverwaltung im kommenden Jahr ein Gesamtkonzept vorstellen.
Nachrichten-Ticker