Veranstaltung des Verkehrsclubs Deutschland zur Roxeler Nordumgehung
Alternativen erfordern Umdenken

MÜNSTER-ROXEL -

Seit Jahren wird über diese Straße erbittert gestritten. Nun soll neu nachgedacht werden.

Freitag, 22.11.2019, 05:30 Uhr aktualisiert: 22.11.2019, 18:37 Uhr
Michael Wildt (r.), VCD-Vorstandsmitglied, gehörte zu den Referenten, die den Zuhörerinnen und Zuhörern in der Gaststätte Kortmann Möglichkeiten und Perspektiven hinsichtlich des Baus der Nordumgehung vorstellten.
Michael Wildt (r.), VCD-Vorstandsmitglied, gehörte zu den Referenten, die den Zuhörerinnen und Zuhörern in der Gaststätte Kortmann Möglichkeiten und Perspektiven hinsichtlich des Baus der Nordumgehung vorstellten. Foto: ann

Für die Roxeler ist es fast schon eine unendliche Geschichte. Pläne für die Nordumgehung gibt es seit den 1960er- Jahren und sie sind ein Thema bis heute. Mal dümpeln sie im Hintergrund, dann wieder entzünden sich daran hitzige Emotionen – so wie beim Info-Abend, zu dem der Verkehrsclub Deutschland ( VCD ) in die Gaststätte Kortmann eingeladen hatte.

„Wir betreten hier die Höhle des Löwen. Die Nordumgehung hat eine hohe Popularität“, erkannte auch Michael Wildt vom Vorstand des VCD. Sein Kollege und Vorstandsvorsitzender Thomas Lins bekräftigte das mit den Worten: „Diskussionen über Verkehrsführungen sind meistens sehr emotional. Dennoch – wir müssen an den Verkehr ran.“

Etwa ein Viertel der gesamten CO-Emissionen stammten vom Verkehr, spätestens seit dem Pariser Klimaschutz-Abkommen müsse ein Umdenken stattfinden. Da könne es eben nicht mehr einfach heißen: neue Straßen bauen. Wer mehr Straßen säe, ernte nämlich mehr Verkehr.

Verlangsamung

Vielmehr müssten die vier „V“s beherzigt werden: die Verlangsamung, um weniger Abgase und Lärm zu produzieren, die Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsmittel (Bahn, E-Mobiltät, Fahrrad), die Vermeidung von Individualverkehr durch Fahrgemeinschaften und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie die Verbesserung der Technik.

Im konkreten Fall für Roxel müsse man sich fragen: Ist die Umgehungsstraße, die die Landschaft zerschneidet und die Ausdehnung von Roxel begrenzt, wirklich alternativlos? Welche Möglichkeiten verkehrsmäßiger Entlastung für den Ort gibt es sonst noch?

Rudersberg

Am Beispiel der baden-württembergischen Stadt Rudersberg zeigten die Veranstalter auf, dass mit einer strikten Verkehrsberuhigung ein lebenswerter öffentlicher Straßenraum geschaffen wurde – und zwar schon bevor Ausgleichs-Verkehrsführungen angelegt waren. In dem Maße, in dem das Auto des Einzelnen unattraktiv werde, weil der ÖPNV schneller und preiswerter ist, werde es an Bedeutung verlieren – so die Erfahrung in Modellversuchen.

Zudem hätten Messungen ergeben, dass 60 Prozent des Verkehrs in Roxel starte und ankomme, mithin also keine Klientel für eine Umgehungsstraße sei. Die Bemerkung, dass diese Überlegungen möglicherweise „zu viel Umdenken“ für die Roxeler bedeute, erntete lautstarken Protest.

Stoßzeiten

Auch der Nottulner Landweg sei zu Stoßzeiten dicht – kein Vergnügen für Betriebe, die auf Lieferungen angewiesen sind, wie ein ansässiger Unternehmer beklagte. Eine mangelhafte Verknüpfung der Bahn- und Busverbindungen wurde kritisiert.

Hans-Joachim Ockenfels vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) stellte Pläne für bessere Radwege und eine regionale Velo-Route vor, und Joachim Büscher von den Stadtwerken berichtete von dem Pilotprojekt, zumindest an den Adventssamstagen den Bus kostenlos anzubieten.

Fazit

Fazit der Experten: Man dürfe nicht an den alten Plänen hängen, sondern müsse die Vorgaben von heute erkennen. Möglicherweise bedeute das sogar, dass nebeneinander Verkehrsberuhigung und Umgehungsstraße in Angriff genommen würden.

Um einen „sozialverträglichen Verkehr“ sowie einen gut funktionierenden Wirtschaftsverkehr in Roxel zu erreichen, könnten 100 Bürger des Ortes („gut gemischt“) gemeinsam mit Experten nach Lösungen suchen. Die Veranstalter stellten die Idee der Bildung einer solchen Arbeitsgruppe vor.

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