Fernfahrerstammtisch an der A 1
Viele Sorgen, kaum Lösungen

Münster-WEST -

Betroffene erzählen von ihren Sorgen und Nöten und bekommen wertvolle Tipps: Der Fernfahrerstammtisch der Polizei Münster in Roxel hat sich längst zu einem Erfolgsmodell gemausert.

Freitag, 06.12.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 06.12.2019, 05:02 Uhr
Das Medieninteresse an dem Fernfahrerstammtisch ist groß, fast zu jedem Meeting kommen Teams. Am Mittwoch interessierte besonders das Thema „Fehlende Parkplätze für Brummi-Fahrer an den Autobahnen“. Rechts Martina Habeck, die als Polizei-Verkehrssicherheitsberaterin die Treffen in der Raststätte Münsterland-Ost organisiert.
Das Medieninteresse an dem Fernfahrerstammtisch ist groß, fast zu jedem Meeting kommen Teams. Am Mittwoch interessierte besonders das Thema „Fehlende Parkplätze für Brummi-Fahrer an den Autobahnen“. Rechts Martina Habeck, die als Polizei-Verkehrssicherheitsberaterin die Treffen in der Raststätte Münsterland-Ost organisiert. Foto: hpe

„Das Klima ist rau geworden. Es herrscht so etwas wie Krieg auf der Straße. Wir Trucker stehen unter Stress, finden keine Parkplätze und müssen auch noch in die eigene Tasche greifen, wenn wir Pausen nicht einhalten und von der Polizei erwischt werden!“

Detlef Siemen (59) ist seit vier Jahrzehnten auf den Autobahnen unterwegs. Was früher einmal für ihn ein Traumjob war, ist längst zu einem Kampf ums wirtschaftliche Überleben geworden. „Die Konkurrenz aus den östlichen Staaten, die Fahrer zu Dumpinglöhnen beschäftigen, macht uns das Leben schwer. Die Bahn ist immer voll, und Platz, die vorgeschriebenen Pausen zu machen, gibt es fast gar nicht mehr“, klagt Siemen.

Der monatliche Fernfahrerstammtisch der Polizei Münster in der Autobahn-Raststätte Münsterland-Ost in Roxel ist für Siemen und viele andere Brummifahrer so etwas „wie ein Ventil, mit dem man mal Luft ablassen kann“. Und egal, ob 22-jähriger Anfänger oder 59-jähriger Profi, die Sorgen sind gleich, Lösungen schwierig.

Am Mittwochabend, im 20. Stammtischjahr, soll es beim letzten Treffen 2019 eigentlich ein gemütlicher Ausklang mit Spekulatius und Adventstüten sein. Doch die Probleme rücken zunächst in den Fokus. Ein Fernsehteam des WDR will für einen Beitrag mit den Fahrern das Problem der fehlenden Stellflächen diskutieren.

„Zwischen dem Kamener Kreuz und dem Tecklenburger Land gibt es 30 Abstellplätze, die bewirtschaftet sind. Und das bei den vielen 1000 Lastwagenfahrern, die eigentlich Rast machen müssten“, so Christoph Becker, der selbst in seiner Zeit als Verkehrssicherheitsberater über viele Jahre den Stammtisch prägte.

Von der Politik fühlen sich die Fahrer allein gelassen. Tenor: „Die sollen mal aus ihren Büros rauskommen und sich anschauen, wie die Praxis aussieht.“ Und die dringend notwendige Neuanlage oder Erweiterung von Parkflächen dauert von der Planung bis zur Bauphase 15 Jahre, wird kritisiert.

Die Moderatorin der Runde, Polizei-Verkehrssicherheitsberaterin Martina Habeck , kennt die Sorgen: „Wir haben als Behörde nicht immer eine Lösung parat, aber beim Stammtisch erfahren wir, wo die Probleme und Nöte der Betroffenen liegen.“

Die Themen der monatlichen Treffen sind vielschichtig. 2019 ging es beispielsweise um die Ablenkung durch das Smartphone und Auffahrunfälle am Stauende, die Ladungssicherheit in Kleintransportern, den Sekundenschlaf und das Fahren unter Rauschmitteln. „Dazu zählen auch Medikamente, die viele Brummifahrer regelmäßig nehmen und dann nicht mehr voll am Geschehen teilnehmen können“, so Habeck.

Das Thema „Toter Winkel“ und mangelnde Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer wird sensibilisiert, auf dem Parkplatz vor der Raststätte gab es einen Aktionstag mit Überschlagsimulator. Fahrer erlebten, wie es ist, nicht angeschnallt zu fahren. Ein Problem, weil sich viele Trucker nicht angurten“, so Habeck.

2020 wird es um die Gefahren beim Reifenwechsel auf dem Standstreifen, die Unfallrekonstruktion, Auflagen bei Schwertransporten, medizinische Notfälle und Erste Hilfe gehen.

Am Mittwoch interessieren sich auch zwei Studenten der Fachhochschule für den Alltag der Fahrer. Sie wollen wissen, wo der Schuh drückt. Was belastet die Fahrer besonders? Welchen Druck lösen neue Vorschriften auf die Lenk- und Ruhezeiten aus? Julius Steinbach: „Der Stammtisch ist für uns die beste Möglichkeit, mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen.“

Für Trucker, Polizei und alle Institutionen, denen es um mehr Sicherheit auf den Autobahnen geht, ist der Stammtisch an der Autobahn eins längst „ein unverzichtbares Erfolgsmodell“.

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