Rasthof Münsterland-West
Bürgerinitiative kritisiert „Hitze-Inseln“ im Schutzgebiet

Münster-Roxel -

Die Pläne für die Erweiterung der Tank- und Rastanlage Münsterland-West haben öffentlich ausgelegen: Die Bürgerinitiative Landschaftsschutz Roxel lehnt sie entschieden ab.

Mittwoch, 11.12.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 10:08 Uhr
Rasthof Münsterland-West: Bürgerinitiative kritisiert „Hitze-Inseln“ im Schutzgebiet
So sieht die vom Landesbetrieb veröffentlichte Planung (hier die favorisierte Variante) für die geplante Erweiterung des Roxeler Autobahnrasthofs Münsterland-West aus. Dort soll es mehr Lkw-Parkplätze geben, da der Rasthof (kl. Foto) stets überfüllt ist. Foto: Straßen NRW

„Wir gehen davon aus, dass über 400 Einwendungen gegen dieses Mammutprojekt bei der Bezirksregierung vorliegen.“ Theodora Bockem-Rohleder geht mit den Plänen für den Ausbau der Tank- und Rastanlage Münsterland-West hart ins Gericht. Diese lagen – wie berichtet – bis Mitte Oktober zur öffentlichen Einsicht aus. In einer Stellungnahme lässt die Vorsitzende der Bürgerinitiative Landschaftsschutz Roxel kein gutes Haar an dem vom Landesbetrieb Straßen NRW geplanten Projekt. Es soll gestoppt werden.

Laut Bockem-Rohleder sehen die Pläne vor, an der Westseite der Autobahn 1 rund 100 Lkw-Parkplätze zu bauen, wobei bereits darauf hingewiesen werde, dass noch ausreichend Raum für weitere 50 Lkw-Stellflächen vorhanden sei. „Insgesamt wurde die für die Bürger Roxels ungünstigste Variante gewählt“, kritisiert die Landschaftsschützerin. Die favorisierte Planungsvariante, bei der Lkw beim Ansteuern der Parkplätze eine Steigung zu bewältigen hätten, werde im Bereich der Tank- und Rastanlage „vermehrtes Schalten, vermehrten Lärm und vermehrte Abgase“ mit sich bringen. Zumal die Fahrzeuge dort bis zu einem Kilometer zurücklegen müssten, um parken zu können.

1300 Lkw am Tag

Laut Bockem-Rohleder wird davon ausgegangen, dass innerhalb von 24 Stunden gut 1300 Lastkraftwagen die Raststätte Münsterland-West ansteuern dürften: „Pro Tag werden also über 1000 Kilometer auf dem Parkplatz von Lkw zurückgelegt. Im Monat werden folglich 30 000 Kilometer auf dem Parkplatz gefahren, im Jahr folglich 365 000 Kilometer. Das entspricht 95 Prozent der Entfernung der Erde vom Mond.“

Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Theodora Bockem-Rohleder

Vor diesem Hintergrund behaupte der Landesbetrieb Straßenbau dann auch noch, „dass das keine negativen Auswirkungen auf die Wohnbevölkerung Roxels haben soll“, wundert sich Bockem-Rohleder. Es solle weder mehr Lärm, noch mehr Schadstoffaustausch, noch Reifenabrieb und Feinstaub geben. Allerdings würden fast 100 Häuser in der Nachbarschaft unter erhöhten nächtlichen Lärmwerten leiden. Vorsichtshalber hätten die Planer keine kumulative Lärmberechnung vorgelegt. „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“, unterstreicht die Initiativkreis-Vorsitzende: „Vermutlich sind noch viel mehr Häuser beziehungsweise Bürgerinnen und Bürger durch erhöhten Lärm gefährdet.“

Lichtsmog und Bauverkehr

Darüber hinaus heißt es in der Pressemitteilung, dass der umstrittene Ausbau der Tank- und Rastanlage insektenschädlichen Lichtsmog mit sich bringen werde, und dass der gesamte Bauverkehr durch Roxel und Mecklenbeck abgewickelt werden solle, was ein Verkehrschaos mit sich bringen werde.

Während der Landesbetrieb die Bauzeit mit einem Jahr veranschlage, rechneten Fachleute mit „mindestens fünf Jahren“, warnt Theodora Bockem-Rohleder.

„Hitze-Inseln“ in der Frischluftschneise

Da neben dem Autobahn-Rasthof Münsterland-West auch der gegenüberliegende Rasthof Münsterland-Ost in nächster Zeit erweitert werden soll, werde es im betreffenden Bereich zu einer großflächigen Versiegelung kommen. Dies lasse mitten in einem Landschaftsschutzgebiet, das gleichzeitig eine Frischluftschneise sei, die bis in die Innenstadt Münsters frische kühle Luft transportiere und zum Grüngürtel der Stadt Münster gehöre, weitere „Hitze-Inseln“ entstehen. Dabei sei das Landschaftsschutzgebiet der Roxeler Bevölkerung doch als Ausgleich für die Zerschneidung ihres Stadtteils und der Belastungen durch die A1 gegeben worden. Dies wolle man den Roxelern nun wieder nehmen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Klima-Diskussion unterstreicht Theodora Bockem-Rohleder einmal mehr, dass die Bürgerinitiative das „Mammutprojekt“ Raststätten-Erweiterung entschieden ablehnt und seine Realisierung mit allen Mitteln verhindern will. „Kluges, zukunftsorientiertes Handeln erfordert, Freiflächen, Schutzgebiete und Frischluftschneisen zu erhalten, weiter auszuweiten und endlich dafür zu sorgen, dass der Güterverkehr auf Wasserstraßen und Schienenwege verlegt wird“, unterstreicht die Vorsitzende der Bürgerinitiative Landschaftsschutz Roxel.

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