Friedensreich-Hundertwasser-Schule
„Es waren total wertvolle Jahre“

Münster-Roxel -

Reiner von Borzyskowski verlässt am 31. Januar 2020 die Roxeler Sekundarschule: Der Rektor und engagierte Pädagoge geht in den Ruhestand.

Montag, 30.12.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 01.01.2020, 17:26 Uhr
Blick auf den Schulcampus an der Tilbecker Straße: Bis Ende Januar wird Reiner von Borzyskowski dort die Leitung der Roxeler Friedensreich-Hundertwasser-Schule innehaben.
Blick auf den Schulcampus an der Tilbecker Straße: Bis Ende Januar wird Reiner von Borzyskowski dort die Leitung der Roxeler Friedensreich-Hundertwasser-Schule innehaben. Foto: sch

Es sind nicht mehr allzu viele Tage, an denen Reiner von Borzys­kowski (65) die Leitung der Roxeler Sekundarschule innehat: Wenn am 31. Januar die Halbjahreszeugnisse ausgegeben werden, wird er sich nach 35 Jahren im Lehrerberuf in den Ruhestand verabschieden. 23 Jahre davon war er als Schulleiter tätig. Bis zum Jahr 2012 in Coerde, um dann nach Roxel zu wechseln, wo unter seiner Regie die mit großen Erwartungen ins Leben gerufene Sekundarschule aufgebaut wurde. Doch sie hat keine Zukunft: Ihre Auflösung ist – wie berichtet – seit Kurzem beschlossene Sache.

„Es waren total wertvolle Jahre in Roxel mit einem super engagierten Team“, sagt Rainer von Borzyskows­ki. Das Lehrerkollegium habe mit großem Engagement alle Hebel in Bewegung gesetzt, die neue Sekundarschule als paralleles Angebot zur Gesamtschule als „Schule des längeren gemeinsamen Lernens“ zu etablieren. Für seine leidenschaftliche Arbeit sei das Kollegium von Stadt und Bezirksregierung deutlich gewürdigt worden. Gleichwohl sei es nicht gelungen, die Sekundarschule in der münsterischen Schullandschaft fest zu verankern.

„Es war ein langer Prozess. In den vergangenen drei bis vier Jahren ist deutlich geworden, dass der Anspruch nicht erfüllt werden kann“, bilanziert der scheidende Schulleiter. Eltern hätten der Sekundarschule von Anfang an kritisch gegenüber gestanden, was nicht zuletzt auf die fehlende Oberstufe zurückzuführen gewesen sei. Das wiederum habe dazu geführt, dass keine Schüler mit Gymnasial-Empfehlung angemeldet worden seien. Obwohl eine Sekundarschule keine anderen Lehrpläne als eine Gesamtschule habe, sei diese lediglich von Haupt- und Förderschülern besucht worden. Sie sei deshalb im Prinzip eine „eingeschränkte Realschule“, stellt Rainer von Borzyskowski klar.

Die Schüler hätten nicht zum System und das System nicht zu ihnen gepasst. Auch der Versuch, die Sekundarschule durch die Namensgebung Friedensreich-Hundertwasser-Schule attraktiver auszurichten, habe keine Früchte getragen. In der vorhandenen Konstellation habe es keine Perspektive gegeben. „Viele in Münster wissen immer noch nicht, was eine Sekundarschule ist“, bedauert der Rektor. Keinen Hehl macht er daraus, dass die neue Roxeler Schule in der Anfangszeit auch notwendige politische Unterstützung vermisst habe.

Dass die Sekundarschule mit ihren derzeit 430 Schülern – nicht zuletzt auf Anregung der Schulkonferenz – mit Beginn des Unterrichtsjahrs 2020/21 sukzessive aufgelöst wird, ist Fakt. „Wir nehmen das an, es gibt keine Trauerstimmung“, sagt von Borzyskowski auch im Namen seiner Kollegen. Die Elternschaft habe dies ebenfalls akzeptiert.

Dass Roxels Schulcampus an der Tilbecker Straße bestens geeignet wäre, zum Standort einer dritten münsterischen Gesamtschule zu werden, steht für den engagierten Pädagogen außer Zweifel. Der Campus sei „fantastisch ausgestattet“. Die derzeit laufenden Erhebungen mit Blick auf die Schülerströme in Münster und den Nachbarorten müssten zeigen, ob eine Gesamtschule in Roxel angesiedelt werden dürfe. Sei dies der Fall, dann könne man den Bürgern nicht vermitteln, dass die Schule woanders verortet werden solle.

Seinen Abschied wird Reiner von Borzyskowski am 31. Januar – drei Tage nach seinem 66. Geburtstag – mit Freunden und Kollegen in der Sekundarschule feiern. „Ich habe keine Angst vor dem Ruhestand, sehe alles ganz relaxt“, sagt er. Er habe jede Menge Gestaltungsideen. So will er wieder Golf spielen, wieder ins Fitness-Studio gehen, als bekennender Jazz-Fan verstärkt Gitarre und Saxofon spielen sowie unter anderen natürlich auch weiterhin morgens mit seinem Hund um den Aasee spazieren gehen. Nicht immer wird ihm seine Frau dabei Gesellschaft leisten können, da sie noch berufstätig ist. Eines ist dem angehenden Ruheständler jedoch besonders wichtig: Er möchte „die Gesundheit aufrecht erhalten.“

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