Neujahrsempfang des Bezirksbürgermeisters
Bürger halten den Dampfer auf Kurs

Münster-West -

Es war der Schlüsselsatz von Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine bei dessen Neujahrsempfang: „Sollten die Bürgerinnen und Bürger eines Tages – aus welchen Gründen auch immer – in den Generalstreik treten, können wir hier in Münster das Licht ausschalten und den Schlüssel umdrehen.“

Sonntag, 12.01.2020, 18:02 Uhr
Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine sprach während seines vorerst letzten Neujahrsempfangs als Bezirksbürgermeister.
Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine sprach während seines vorerst letzten Neujahrsempfangs als Bezirksbürgermeister. Foto: Kay Böckling

Ein Hauch von Abschied wehte durch das La Vie – und das zu ganz ungewohnter Zeit. Lud der Bezirksbürgermeister sonst stets zu seinem Neujahrsempfang an einem Sonntagmorgen ein, verlegte er das kommunikative Stelldichein diesmal auf einen Samstagabend. Die Gäste erlebten den wohl vorerst letzten Empfang von Stephan Brinktrine als Gastgeber.

Der erinnerte in seiner Ansprache zunächst an zwei Menschen, die im vergangenen Jahr verstarben, nämlich CDU-Ratsherr Georg Fehlauer sowie SPD-Bezirksvertreter Raimund Köster. „Ich habe beide gekannt und habe mit beiden auch sehr gerne zusammengearbeitet“, sagte Brinktrine. Dass Fehl­auer und er nicht der gleichen Partei angehörten, „habe ich fast nie wahrgenommen“. Und: „Georg war stets zuverlässig, fast immer gut gelaunt und vom Scheitel bis zur Sohle das, was man einen Gentleman nennt.“

Köster habe bis zuletzt der Bezirksvertretung die Treue gehalten und sich bis zu seinem Tode auch inhaltlich eingebracht: „Auch wenn man ihm in letzter Zeit ansah, dass gerade die langen Sitzungen für ihn eine Quälerei waren.“ Weiter: „Ihr beiden fehlt uns, wir werden Euch nicht vergessen.“

Wer es nicht schon vorher wusste, wurde an diesem Abend über den anstehenden Abschied Brinktrines in seinem Amt als Bezirksbürgermeister informiert. Ohne diesen direkt zu erwähnen, meinte er: „Die Legislaturperiode endet im September diesen Jahres. Und das Schöne und vor allem das Gute an der Demokratie ist ja, dass wir alle unser Mandat auf Zeit von den Wählern übertragen bekommen haben.“ Demokratie lebe vom Wechsel, und so werde es auch in diesem Gremium – der Bezirksvertretung – sein.

Es folgte ein kurzer inhaltlicher Abriss der einschneidenden Ereignisse der vergangenen Jahre. „Gleich zu Beginn sicherlich das schreckliche Starkregen-Ereignis im Sommer 2014.“ Heute seien die Schäden und die Ursache für dieses Ereignis längst behoben: „Die Behebung dieser Ursachen wäre meiner Meinung nach aber nur halb so gut geworden, wenn sich nur Verwaltung und Politik darum gekümmert hätten.“ Er danke der engagierten Nachbarschaft, die „gezeigt hat, wie Bürgerbeteiligung wirklich funktioniert“.

Im Jahr 2015 hätten dann zahlreiche Menschen in Not Schutz und ein Dach über dem Kopf gesucht – „so viele und in so kurzer Zeit, dass es zu einer echten Herausforderung wurde“. Auch in diesem Fall habe es sich zum Guten gewendet. „Und warum? Weil auch hier die Bürger der Politik und Verwaltung nicht allein das Handeln überlassen haben.“

Dann fiel Brinktrines Blick auf die Entwicklung des Oxford-Areals: „Auch hier gab es ein breit angelegtes Bürgerbeteiligungsverfahren, das allerdings nicht so erfolgreich war – zumindest aus meiner Sicht.“

All dies seien Punkte, die eines gemeinsam hätten: bürgerschaftliches Engagement. Dieses Engagement sei wichtig: „Sollten die Bürgerinnen und Bürger eines Tages – aus welchen Gründen auch immer – in den Generalstreik treten, können wir hier in Münster das Licht ausschalten und den Schlüssel umdrehen.“ Und: „Am Ende sind es die Menschen vor Ort, die – nicht immer sichtbar – unter Deck im Maschinenraum den Dampfer Stadt Münster auf Kurs halten. Und dann ist es auch fast egal, wer gerade auf der Brücke in schicker Uniform steht.“

Brinktrines Dank galt in diesem Zusammenhang auch den Mitgliedern der Bezirksvertretung, deren politisches Engagement schließlich auch ein Ehrenamt sei. Nicht zuletzt würdigte er die Arbeit von Stephanie Remmers als Leiterin der Bezirksverwaltung West sowie deren Mitarbeiterinnen Ursula Vennemann und Gerda Otte: „Sie machen einen verdammt tollen Job.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7188097?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F142%2F
Mögliche Bedrohungslage in der US-Kaserne in Dülmen geprüft
Terrorverdacht: Mögliche Bedrohungslage in der US-Kaserne in Dülmen geprüft
Nachrichten-Ticker