Unterstützung für Menschen mit Behinderung
Im Urlaub selbstständig unterwegs

Münster-Roxel -

Wer als Nichtbehinderter Interesse hat, behinderte Menschen aus Roxel beim Individualurlaub zu unterstützen, der ist dazu hochwillkommen: Dorothea Naber und Evelyn Will haben ein diesbezügliches Projekt ins Leben gerufen.

Montag, 13.01.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 12:50 Uhr
Dorothea Naber (l.) und Evelyn Will suchen Urlaubsbegleitungen für Menschen mit Behinderungen.
Dorothea Naber (l.) und Evelyn Will suchen Urlaubsbegleitungen für Menschen mit Behinderungen. Foto: sn

Einmal in die Türkei fahren und die Sonne genießen, durch Berlin bummeln und die Filmstudios in Babelsberg besuchen oder mal einen Kurztrip ins Sauerland unternehmen. Die Urlaubsträume von Menschen mit Behinderungen sind so unterschiedlich wie sie selbst. Bei einigen bleiben sie jedoch Träume, weil die Begleitung fehlt. Die Einschränkungen machen oft nur wenige Hilfeleistungen notwendig, doch ohne diese geht es nicht. Evelyn Will und Dorothea Naber , die an der Saxion Hogeschool Enschede Soziale Arbeit studieren, haben da eine Idee.

Es geht um mehrere Menschen mit Behinderungen, die in Wohnungen des Stifts Tilbeck in Roxel leben. „Sie haben oftmals zehn Jahre lang keinen Urlaub mehr gemacht“, sagt Naber, die sie im Rahmen des „ambulant unterstützten Wohnens“ (AUW) ganz individuell im Alltag begleitet. Diese Menschen seien selbstständig, sagt Naber, und das wollten sie auch im Urlaub sein. In der Gruppe zu verreisen, wünschen sich nur die wenigsten.

„Nur weil ich selbst behindert bin, heißt das nicht, dass ich nur noch mit Menschen mit Behinderungen in den Urlaub fahren möchte“, das hat Naber oft gehört. Auch wollten sie ihre individuellen Ferienwünsche verwirklichen. Manche haben auch Heimerfahrung, sind nun stolz auf ihre gewonnene Eigenständigkeit und wollen diese auch im Urlaub behalten.

Oftmals jedoch fehlt der Mut. Ganz allein an einem fremden Ort, das sei doch eine „andere Nummer“, so Naber. Sie wünschten sich einen „Ansprechpartner“, sagt Will. Jemanden, der auch kleine Hilfestellungen leistet. Da ist etwa derjenige, der am Flughafen die Hinweistafeln nicht lesen kann. Oder der Mann mit Rollator, der die Hände nicht frei hat und deshalb nur äußerst schwerlich einkaufen kann. Oder die Frau, die sehbehindert ist und nicht alles erkennen kann.

Naber und Will möchten Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen. Sie suchen im Rahmen ihres Studienprojekts „Urlaubsbegleitungen“ für ihre Klienten. Alle seien „liebenswürdig“, betont Evelyn Will. Einige seien zurückhaltend, weil sie im Leben schon viel Ablehnung kennengelernt hätten.

Jetzt gab es ein erstes Infotreffen im Seniorenzentrum „Wohnen in Pastors Garten“, bei dem die Klienten noch nicht dabei waren. Dieses Kennenlernen soll erst der zweite Schritt sein. Es kamen Roxeler, die sich solch eine Urlaubsbegleitung vorstellen konnten.

Zum Info-Treffen kam auch ein Lehrer, der selbst körperbehindert ist und von seinen Erfahrungen berichtete. Urlaubsbegleitungen hat er jeden Sommer für seine Ferien in Südfrankreich: „Ich brauche keine große Unterstützung, nur beim Auf- und Abbauen des Zeltes.“ Wert legt er darauf, auch im Urlaub selbstständig zu sein und seine Freiräume zu haben, auch zeitlich. „Ich bin nicht der ,Ziemlich beste Freunde‘-Typ“, stellte er stets zu Beginn klar. Umsorgen brauche man ihn nicht.

Die Klienten seien nicht pflegebedürftig, erklärten Will und Naber, und alle selbstständig. Gemeinsam sollten Urlaubsziele und -wünsche abgesteckt werden, ebenso wie die Art der Unterstützung bei der An- und Abreise und vor Ort. Den Teilnehmern, die sich melden, empfahlen sie: „Auch selber Urlaub machen!“ Denn der ist für die Urlaubsbegleitungen kostenlos.

Das Projekt geht weiter, und wer als Urlaubsbegleitung engagiert mit dabei sein möchte, kann sich auch jetzt noch melden. Kontakt zu den beiden Organisatorinnen kann per E-Mail (d.naber@muenster.de und evelynwill@ymail.com) aufgenommen werden.

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