Heute vor 100 Jahren wurde der Roxeler Mundartdichter Josef Pröbsting geboren
Plattdeutsch lag ihm am Herzen

Münster-Roxel -

Als Heimatschriftsteller, dem ein Faible fürs Verfassen plattdeutscher Gedichte zu eigen war, hat sich Josef Pröbsting im Münsterland einen Namen gemacht

Dienstag, 04.08.2020, 23:59 Uhr
Fast alle seine Gedichte verfasste Josef Pröbsting – wie damals üblich – auf der Schreibmaschine.
Fast alle seine Gedichte verfasste Josef Pröbsting – wie damals üblich – auf der Schreibmaschine.

So mancher, der in Roxel wohnt, wird ihn vermutlich gar nicht kennen. Vielen Alteingesessenen ist er jedoch in Erinnerung geblieben: Die Rede ist von Josef Pröbsting, der im Jahre 1992 verstarb und auf dem Roxeler Friedhof beerdigt wurde. Als Heimatschriftsteller, dem ein Faible fürs Verfassen plattdeutscher Gedichte zu eigen war, hat sich der gebürtige Roxeler im Münsterland einen Namen gemacht. Am 5. August vor 100 Jahren wurde er geboren.

Der 100. Geburtstag ihres Vaters sei ein gute Gelegenheit, einmal an ihn zu erinnern, meint Josefa Pröbsting (71), Tochter des Schriftstellers. Sie ist nach wie vor in Roxel beheimatet. Nur allzu gerne nehmen sie und ihr Ehemann Theo in Mußestunden die Bücher in die Hand, die vom Vater beziehungsweise Schwiegervater geschrieben wurden. „Wir gucken immer wieder mal rein und lesen seine Gedichte“, sagt Josefa Pröbsting.

Mit seinen Werken, die er zumeist in zünftiger Mundart – kernigem münsterländer Platt – verfasste, machte sich Pröbsting zu Lebzeiten nicht nur in hiesigen Gefilden, sondern im ganzen Münsterland einen Namen. Rundfunk und Presse wurden auf ihn aufmerksam, obwohl er stets damit leben musste, im Schatten der bekannten Mundartdichter Augustin Wibbelt und Karl Wagenfeld zu stehen. Fünf Gedichtbände wurden von ihm verfasst: „Dat Mönsterländske Jaohr. Öhm Hiärm vertellt“ (1988); „Mönsterländske Döönkes un Gedichte von Jägers, Pastörs un Buern“ (1989); „Dat lachende Mönsterland. Met lustige un auk besinnlike Gedichte, Döönkes un Sprüchskes för Jeddereen“ (1990); „Up Visite. Mönsterländske Heimatgeschichte“ (1991) und „Mien Mönsterland. Gedichtband in Mönsterländsk Platt“ (1992).

Den Gedichtbänden voraus ging das in hochdeutscher Sprache geschriebene Buch „Vom Heidorn bis zum Ächterhoek, von Altenroxel bis zum Brock. Bilder, Gedichte und Erzählungen aus Roxel“, das bereits 1987 erschien.

In seinen Werken nahm Josef Pröbsting viel von dem auf, was er in Roxel, in Münster und im Münsterland selbst erlebte. „Vieles hat er auch vom Hörensagen verarbeitet“, erinnert sich seine Tochter Josefa. Seine meist humorvollen, mitunter auch besinnlichen Gedichte hätten nicht nur in Roxel großen Anklang gefunden: „Viele haben sie gekauft.“ Besonderes Anliegen ihres Vaters sei es gewesen, der Nachwelt die plattdeutsche Mundart zu erhalten.

Pröbstings Leben war bewegt und führte ihn während des Zweiten Weltkriegs als Soldat nach Polen, Russland und Frankreich. Als Kriegsgefangener geriet er in die USA, wo er als Dolmetscher für die US-Army und später auch als Fernfahrer tätig war. Nach der Heimkehr und beruflichen Studien und Fortbildungen gründete er in Roxel zwei private Internatsschulen. Er war Schiedsmann und für die CDU bis 1974 fünf Jahre lang Mitglied des Kreisgemeindetags. Auch das Bundesverdienstkreuz am Bande wurde ihm neben anderen Ehrungen zuteil.

Manch älterer Roxeler wird sich noch daran erinnern, dass Josef Pröbsting sich immer wieder gerne für seinen Heimat- und Geburtsort Roxel engagierte. Wäre es nach ihm gegangen, dann würde auf dem kleinen Platz an der Pantaleonstraße zwischen den Gaststätten Brintrup und Kortmann heutzutage ein schmucker Brunnen stehen. Doch mit dem Projekt konnte er sich gegen die vom Heimat- und Kulturkreis favorisierte Aufstellung einer Stele nicht durchsetzen.

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