Mordprozess gegen Roxeler
Angeklagter: „Was passiert ist, hätte nie passieren dürfen“

Münster -

Voller Gerichtssaal: Das Interesse an dem Mordprozess gegen den 62-Jährigen, der am 9. Mai in Roxel einen 33-jährigen Münsteraner aus niedrigen Beweggründen mit einem Messer ermordet haben soll, ist ungebrochen. Am zweiten Verhandlungstag sagte der Angeklagte selbst aus.

Donnerstag, 12.11.2020, 21:00 Uhr
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein Mann (r.) aus Münster, hier beim Auftaktprozess am 30.Oktober, wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-Jährige soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat.
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein Mann (r.) aus Münster, hier beim Auftaktprozess am 30.Oktober, wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-Jährige soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat. Foto: Pjer Biederstädt

Das Interesse reißt nicht ab: Auch am zweiten Verhandlungstag im Mordprozess gegen den 62-Jährigen, der am 9. Mai in Roxel einen 33-jährigen Münsteraner aus niedrigen Beweggründen mit einem Messer ermordet haben soll , waren mehr Besucher zum Saal A 10 am Landgericht gekommen als der Raum Plätze hat.

Kein Wunder, schließlich ist die Tat nur schwer nachvollziehbar: Wegen einer Lappalie, einem zu lauten Telefonat vor seiner Haustür, soll er den Mann umgebracht haben.

Angeklagter sagt vor Gericht aus

Der Angeklagte brach am Donnerstag sein Schweigen. Anzug, weißes Hemd, nach außen völlig ruhig begann er mit seinem Lebenslauf. Oder wie er sagte: Curriculum Vitae. Physik-Studium, Promotion, Aufenthalte in den USA, Frankreich, England, 1993 Rückkehr nach Deutschland, Selbstständigkeit, 1994 Firmengründung in Münster, seit 25 Jahren in Roxel wohnhaft, verheiratet. Auf das sachliche Stakkato folgte druckreif gesprochenes Bedauern. „Was passiert ist, hätte nie passieren dürfen. Ich würde alles dafür geben, um die Zeit zurückzudrehen“, sagte der 62-Jährige.

Den Tathergang schilderte der Diplom-Physiker, als habe er sich in einer Notsituation befunden. Das Messer habe er aus Sorge um seine Frau, die mit dem späteren Opfer draußen redete, mitgenommen. Seine Erklärung: In seiner Zeit in den USA sei er überfallen worden und hätte als Folge dort auch ein Messer bei sich getragen. Er habe an dem Abend in Roxel die Straßen von Philadelphia vor Augen gehabt. „Können Sie das nachvollziehen?“, fragte er. Die Vorsitzende Richterin: „Es geht so.“

Zustechen mit dem Messer will Angeklagter nicht bemerkt haben

Zurück zum Tathergang: Weil er über Getränkedosen gestolpert sei, habe sich sein Gegenüber erschrocken und sei dann bedrohlich auf ihn losgegangen, so der Angeklagte. Das Zustechen mit dem Messer will er gar nicht bemerkt haben. Die Befragung musste nach über zwei Stunden unterbrochen werden. Eine Sachverständige war im gleichzeitig stattfindenden Prozess um den Missbrauchskomplex Münster gefordert. Fortsetzung im Mordprozess: 2. Dezember.

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