Wahl des Bezirksbürgermeisters: Ein Bündnis-Mitglied verweigert Jörg Nathaus unerwartet die Stimme
Kleine Überraschung am Rande

Münster-West -

Die Wahl: Keine Überraschung. Das Ergebnis: Durchaus ein wenig überraschend. Bei der Wahl des neuen Bezirksbürgermeisters in Münsters Westen gab es einen, der sich so gar nicht an die Absprache hielt, irrtümlich oder absichtlich...

Freitag, 13.11.2020, 18:02 Uhr
Die Bezirksvertretun
Die Bezirksvertretun Foto: Kay Böckling

Münsters Westen hat einen jeuen Bezirksbürgermeister: Erwartungsgemäß setzte sich Jörg Nathaus, von Bündnis 90 /Die Grünen ins Rennen geschickt, gegen seinen Kontrahenten Peter Wolfgarten ( CDU ) durch. Er trat damit, wie berichtet, die Nachfolge von Stephan Brinktrine (SPD) an. Erster Stellvertreter wurde Wolfgarten, zweite Stellvertreterin wurde Beate Kretzschmar , Fraktionsvorsitzende der SPD in der BV.

Eingeweihte erlebten dennoch eine kleine Überraschung, denn Nathaus erhielt nicht alle von ihm erhofften Stimmen. Zum Hintergrund: Im Vorfeld hatten die Grünen (sechs Sitze) verkündet, nach intensiven Verhandlungen bei der Wahl des Bezirksbürgermeisters auf die Unterstützung von SPD (drei Sitze) sowie Volt und Die Linke (jeweils einen Sitz) zu zählen. Das wären elf Stimmen.

Kommantar

Zunächst einmal gehört es sich, einem neuen Bezirksbürgermeister zu seinem neuen Amt zu gratulieren und ihm für seine Amtszeit ein glückliches Händchen zu wünschen. Zugleich darf man es aber auch nicht versäumen, auf die künftigen und vor allem wichtigen Aufgaben aufmerksam zu machen, die auf Jörg Nathaus zukommen – und wahrlich nicht nur auf ihn, sondern auf das gesamte Bündnis, das ihn in der konstituierenden Sitzung auf´s Schild hob.Nach den jüngsten Ergebnissen der Kommunalwahl merkt man den Grünen an, dass sie vor Kraft kaum gehen können. Sie haben ihre Sitze in der Bezirksvertretung verdoppelt und sind nach der CDU zweitstärkste Kraft. Da sind die wachsenden politischen Ansprüche durchaus nachvollziehbar. Das ist Demokratie.Doch wer besagte Ansprüche stellt, der muss auch liefern. Da gehört es beispielsweise zur Pflicht, auch einmal beim Neujahrsempfang der Bezirksvertretung, bei dem zumeist alle Vertreter von wichtigen Institutionen zugegen sind, die Nase in den Wind zu halten – so denn wieder ein solcher Empfang künftig stattfinden kann. Bislang suchte man einen grünen Mandatsträger bei diesen repräsentativen Treffen vergebens. Auch bei wichtigen Bürgerversammlungen glänzte Grün oft mit Abwesenheit. Das muss sich ändern.Oder nehmen wir das aktive Agieren: Ja, es ist wünschenswert, wenn auf dem Rüschhausweg Tempo 30 gefahren wird und die internationale Fahrradwerkstatt auf dem Oxford-Gelände erhalten bleibt – beides Anträge der Grünen. Doch die Entwicklung des Westens hängt nicht von einem Tempo-Limit oder einer kleinen Garage im Oxford-Quartier ab. Ortsmitte Gievenbeck, die weitere und großflächige Entwicklung des Oxford-Quartier oder die aktive Beteiligung bei der Suche nach Wohnflächen – dahingehend blieb es bei den Grünen bislang recht ruhig. Auch da muss mehr kommen.Kay Böckling

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In der Bezirksvertretung sitzen 19 Kommunalpolitiker. Ein Zusammenschluss von CDU (sieben Sitze) und FDP (ein Sitz) käme auf acht Stimmen. Also wäre ein Stimmverhältnis von elf zu acht zu Gunsten des linksgerichteten Bündnisses und seines Kandidaten Nathaus zu erwarten gewesen. Nach der Stimmenauszählung hieß das Ergebnis allerdings „nur“ zehn zu neun, was zwei Schlüsse zulässt.

„Da hat wohl einer nicht richtig hingeschaut und sich vertan, die Buchstaben für die Wahllisten waren aber auch sehr klein“, meinte am Rande der Sitzung Grünen-Politiker Kai Bleker. Denkbar ist aber auch, dass einer aus dem Bündnis dem neuen Bezirksbürgermeister die Gefolgschaft bewusst verweigerte – aus welchen Gründen auch immer. Das wiederum lässt vermuten, dass gewisse Grabenkämpfe in Zukunft nicht ausgeschlossen sind.

Jörg Nathaus stellte nach seiner Wahl als Repräsentant des Stadtbezirks Münster-West in seiner Antrittsrede hauptsächlich grüne Themen, die es künftig zu verwirklichen gelte, in den Vordergrund: „Politische Inhalte müssen teilweise neu austariert werden.“ Die Zentrierung auf das Auto und das damit verbundene hohe Verkehrsaufkommen stellten für so manchen Stadtteil im Westen eine große Belastung dar. „Um vernünftige Lösungen hinzubekommen, die akzeptiert werden, müssen die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig eingebunden werden. Dies ist für uns Grüne von entscheidender Bedeutung. Und darauf werden wir achten.“

Nathaus formulierte weitere Ziele: „Mega-Rastanlage“ in Roxel verhindern, wirksamer Lärmschutz für Nienberge an der B54 und A1, neue Kita-Plätze, bedarfsentsprechende Schaffung von OGS-Plätzen in den Stadtteilen und die dritte städtische Gesamtschule in Roxel: „Die neue Gesamtschule könnte zum neuen Schuljahr an den Start gehen.“

Nathaus wünschte sich eine konstruktive Zusammenarbeit: „Bei sehr vielen Themen werden wir uns in dieser Bezirksvertretung einig sein oder schnell einig werden können. Es wird aber auch Themen geben, über die politisch gestritten werden wird. Ich hoffe aber, nein, ich gehe davon aus, dass dies immer sachbezogen sein und nie die persönliche Ebene erreichen wird.“ Und: „Bei aller Unterschiedlichkeit verbindet uns als Parteien, dass wir das Beste für die Menschen in unserem Stadtbezirk erreichen wollen.“

Die Reaktionen aus zwei politischen Lagern waren unterschiedlich. CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Hamann: „Wir gratulieren Jörg Nathaus zur Wahl als Bezirksbürgermeister. Wir freuen uns, dass Peter Wolfgarten zum ersten Stellvertreter gewählt worden ist. In seiner Antrittsrede gab der Bezirksbürgermeister die Ziele der neuen Koalition bekannt. Wir sind gespannt, ob und wie die Ziele in Anträgen umgesetzt werden. Die CDU-Fraktion geht hoch motiviert an die Arbeit, greift Anregungen der Bürger auf und wird sie, wie in den letzten Jahren, politisch vertreten.“

Beate Kretzschmar ließ wissen: „Wir freuen uns, wieder zusammen mit Grünen, Linken und jetzt auch Volt gute Politik für den Westen machen zu können. So wollen wir die Verkehrswende endlich umsetzen, etwa mit einem fahrradgerechten Ausbau der Roxeler Straße, und Projekte wie die Gesamtschule in Roxel voranbringen.“

Natürlich hätte man gern den „erfahrenen und überparteilich anerkannten Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine“ nicht erst im April 2023 wiedergewählt, aber die Wähler im Westen hätten den Grünen mehr Stimmen gegeben. „Da ist es verständlich, dass diese nun ihre neue Position auch personell darstellen wollen. Politik ist halt die Kunst des Kompromisses.“

Zur Person: Jörg Nathaus ist 53 Jahre alt und von Beruf Diplom-Verwaltungswirt bei einer kommunalen Prüfungsbehörde. Kommunalpolitisch ist er tätig im Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien (Mitglied) sowie im Sportausschuss (stellvertretendes Mitglied).

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