Die Roxeler Autobahnkapelle ist rund um die Uhr geöffnet
Ort der Ruhe und der Besinnung

Münster-Roxel -

Viele Reisende schätzen die Autobahnkapelle am Rande Roxels als Ort der Ruhe, der Besinnung, der Einkehr und des Friedens. Sie ist mittlerweile über fünf Jahrzehnte alt.

Mittwoch, 23.12.2020, 23:59 Uhr
Die Roxeler Autobahnkapelle: Sie wurde vom Nienberger Architekten und Bildhauer Hubert Teschlade geplant, der auch das Kruzifix hinter der Kapelle geschaffen hat.
Die Roxeler Autobahnkapelle: Sie wurde vom Nienberger Architekten und Bildhauer Hubert Teschlade geplant, der auch das Kruzifix hinter der Kapelle geschaffen hat. Foto: sch

Ein Gotteshaus, das an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet ist? Ja, das gibt es – auch in Corona-Zeiten. Es befindet sich am Rande Roxels: Die Rede ist von der Autobahnkapelle am Rasthof Münsterland-Ost, in die es in diesen Tagen offenbar so manchen zieht, der auf der Durchreise ist, wie ein Blick ins Anliegenbuch der Kapelle verrät. Sie wurde bereits vor mehr als 50 Jahren gebaut.

Viele Reisende schätzen die Autobahnkapelle am Rande Roxels als Ort der Ruhe, der Besinnung, der Einkehr und des Friedens. Wer die Eingangstür durchschritten hat, dem fällt beim Blick durch die Glaswand hinter dem Altar schnell ein sieben Meter hohes Kruzifix auf, das draußen hinter der Kapelle steht und die Szenerie dominiert. Vier Sitzbänke laden zum Verweilen, zum Innehalten und bei Bedarf zum Gebet ein. Wer möchte, zündet eine Kerze an.

Besucher, denen etwas am Herzen liegt, können dies in die dicke Anliegenkladde auf dem zentralen Altar eintragen, was so mancher Kapellenbesucher mit der Bitte um göttlichen Beistand macht. Das sei recht häufig der Fall, insbesondere in Ferienzeiten, sagt der Roxeler Klaus Hillgruber , der als einer von mehreren Ehrenamtlichen aus der St.-Pantaleon-Gemeinde einmal pro Woche in der Kapelle nach dem Rechten sieht.

„Lieber Gott, wir wollen wieder ein normales Weihnachten“, schreibt ein Christoph ins Anliegenbuch. „Lieber Gott, danke für alles. Mach dass wir weiter gesund bleiben. Gib uns Kraft für unsere Aufgaben“, bittet ein Reisender namens Johannes. Ein Gottfried wiederum berichtet davon, dass seine achtjährige Tochter Ursula Weihnachten und Silvester mit ihm verbringen darf. Gott möge beide beschützen und dafür sorgen, dass sie gesund bleiben. Ein Niederländer, Jap aus Enschede, schreibt auf Englisch: „God bless us and stop corona!“ Die Pandemie scheint so manchen Kapellenbesucher zu beschäftigen.

Dass die Kapelle ab dem Sommer 1968 gebaut und im Juni des darauffolgenden Jahres vom damaligen Weihbischof und Domkapitular Heinrich Baaken unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht werden konnte, geht laut einem Bericht des Roxeler Heimatforschers Franz Weitzel auf Wilhelm Elting zurück. Als Pfarrer der St.-Pantaleon-Gemeinde rief er eine großangelegte Spendenaktion für den Kapellenbau ins Leben, bei der es vom damaligen Bischof Joseph Höffner nachhaltige Unterstützung gab. Parallel dazu wurden Bausteine für das Vorhaben verkauft. „Trotz hoher Eigenleistung durch Roxeler Firmen und Handwerksbetriebe beliefen sich die Kosten auf 66 000 D-Mark“, erläutert Weitzel.

Entworfen wurde die Autobahnkapelle, die vor einem kleinen Wäldchen steht, von Nienberger Architekten und Bildhauer Hubert Teschlade. Von ihrer Gestalt her erinnert sie an ein Zelt, quasi an einen Unterschlupf für Reisende. Teschlade war es auch, der das Kreuz mit der Jesusfigur hinter dem aus Betonwänden, einer Holzdecke und metallenen Fensterelementen bestehenden Sakralgebäude schuf. Grund und Boden für den Bau der Kapelle stiftete seinerzeit der Bauer Heinrich Averkamp aus Altenroxel. Und ein münsterischer Geschäftsmann soll es gewesen sein, der eine Christophorusfigur spendete, die sich hinter Glas an einer Wand im Innern der Kapelle befindet.

Die rechtliche Verwaltung und die Betreuung der Autobahnkapelle obliegen der St.-Pantaleon-Gemeinde, die sie für Maiandachten und als Prozessionsstation nutzt.

Bis zur Auflösung der Roxeler Kolpingsfamilie Mitte 2018 wurde die Kapelle maßgeblich von deren engagierten Mitgliedern betreut. Mittlerweile hat ein Team von Ehrenamtlichen aus der Gemeinde diese Aufgabe übernommen. Allwöchentlich ist Klaus Hillgruber vor Ort, um die Kassette mit dem Entgelt für die Gebetskerzen zu leeren und alles in Augenschein zu nehmen. Viele andere mischen bei der Betreuung mit. Es gebe einen monatlichen Putzdienst, es würden Kerzen nachgefüllt und vieles mehr, erläutert Hillgruber.

Was Franz Weitzel vor einiger Zeit über das Gebäude schrieb, mag wohl auch weiterhin gelten: Es sei eine Stätte der Andacht, die daran erinnere, „dass letztlich alle Straßen und Wege zu Gott führen, und dass wir immer zu ihm unterwegs sind “.

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