Mordprozess nach tödlichem Messerangriff in Roxel
Lautstarkes Wortgefecht im Gerichtssaal

Münster -

Aufreger im Gerichtssaal: Im Prozess gegen den 62-jährigen Diplom-Physiker, der in Roxel einen 33-jährigen Münsteraner nach einem lauten Telefonat mit einem Messer ermordet haben soll, attestierte ein Gutachter dem Angeklagten die volle Schuldfähigkeit. Außerdem kam es zu einem lautstarken Wortgefecht im Gerichtssaal.

Donnerstag, 07.01.2021, 17:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 18:03 Uhr
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein Mann (r.) aus Münster - hier beim Prozessauftakt - seit dem 30.10.2020 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-jährige Diplom-Physiker und Geschäftsführer soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat.
Nach einem tödlichen Messerangriff muss sich ein Mann (r.) aus Münster - hier beim Prozessauftakt - seit dem 30.10.2020 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am späten Abend des 9. Mai 2020 einen 33-Jährigen erstochen zu haben. Motiv laut Anklage: Der 62-jährige Diplom-Physiker und Geschäftsführer soll sich darüber geärgert haben, dass das spätere Opfer direkt vor seiner Haustür laut telefoniert hat. Foto: Pjer Biederstädt

Sachverständige trugen Gutachten vor, Verteidiger stellten Anträge – zwei Stunden lang war es ein ziemlich normaler Verhandlungstag im Prozess gegen den 62-jährigen Diplom-Physiker, der am 9. Mai 2020 in Roxel einen 33-jährigen Münsteraner wegen eines lauten Telefonats mit einem Messer ermordet haben soll. Doch kurz vor einer Verhandlungspause wurde es am Donnerstagvormittag plötzlich hektisch im Saal.

Der Anwalt der Nebenklage, der die Interessen der Mutter des Getöteten vertritt, hatte den verstorbenen 33-Jährigen in einem Satz als Opfer, und nicht wie im juristischen Jargon üblich als Geschädigten, bezeichnet. Daraufhin fragte einer der Verteidiger des Angeklagten: „Wer ist hier das Opfer?“ Dann brachen die Dämme. „Jetzt werden Sie zynisch“, rief der Staatsanwalt dem Verteidiger zu. Die Mutter des Getöteten schrie ihm die Antwort ins Gesicht: „Mein Sohn ist tot!“

Verteidiger entschuldigt sich

Nach der Pause hatten sich die erhitzten Gemüter abgekühlt. Der Verteidiger entschuldigte sich für die Frage. Natürlich sei der Getötete im Allgemeinverständnis ein Opfer. Er habe nur darauf hinweisen wollen, dass Verfahrensbeteiligte wegen der wertenden Begleitvorstellung nicht das Wort Opfer benutzen sollten. „Ich hätte dies aber sachlich tun müssen, nicht mit dieser Frage“, sagte der Anwalt.

Zurück in gemäßigter Atmosphäre sichtete das Gericht Chatverläufe. Die Text- und Sprachnachrichten lassen den Schluss zu, dass der 33-Jährige am Tattag viel Alkohol getrunken hat. Außerdem ging es mehrmals um Drogen. Beim Abspielen der Sprachnachrichten fiel es der Mutter sichtlich schwer, die Stimme ihres verstorbenen Sohnes zu hören.

Volle Schuldfähigkeit

Zu Beginn des Prozesstages attestierten Sachverständige dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit. Die Verteidigung beantragte, weitere Zeugen zu hören. Unter anderem sollen Polizisten dabei helfen zu klären, ob eine Zeugin vor Gericht die Wahrheit gesagt hat. Außerdem will die Verteidigung die Getränkedosen, über die der Angeklagte vor der Tat gestolpert sein will, von einem technischen Gutachter untersuchen lassen.

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