Prozess gegen 62-jährigen Roxeler
Staatsanwalt fordert lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes

Münster -

Im Prozess gegen einen 62-jährigen Roxeler vor dem Landgericht Münster hat die Staatsanwaltschaft auf eine lebenslange Haftstrafe plädiert. Aus ihrer Sicht ist es erwiesen, dass der Diplomphysiker im Mai 2020 den 33-jährigen Dachdecker aus Roxel wegen eines zu lauten Telefonats ermordet hat.

Mittwoch, 03.02.2021, 17:39 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 20:14 Uhr
Prozess gegen 62-jährigen Roxeler: Staatsanwalt fordert lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes
Das Bild zeigt den 62-jähriger Angeklagten beim Prozessauftakt am 30. Oktober 2020. Foto: Pjer Biederstädt

Im Prozess gegen den 62-jährigen Roxeler hat der Staatsanwalt auf eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes plädiert. Aus seiner Sicht ist erwiesen, dass der Diplom-Physiker im Mai 2020 einen 33-jährigen Dachdecker aus Roxel wegen einer Nichtigkeit – ein lautes Telefonat – mit drei Messerstichen heimtückisch ermordet hat.

Die Forderung nach dem Strafmaß nahm der Angeklagte am Mittwoch ohne sichtbare Regung zur Kenntnis. Seine im Saal 10 des Landgerichts wenige Meter entfernt sitzende Frau war ebenfalls um Fassung bemüht, aber sichtlich bewegt.

Extrem wuchtige Messerstiche

Der Staatsanwalt begründete seine Forderung unter anderem damit, dass der Angeklagte zum Tatgeschehen nicht glaubhaft ausgesagt habe. Dass der 62-Jährige nicht gemerkt haben will, dass er ein Messer in der Hand gehabt habe, sei „lebensfremd“. Angesichts der extrem wuchtigen Messerstiche, die zwei Rippen des Opfers durchtrennten, schloss der Staatsanwalt einen Unfall aus. Vielmehr habe er den Messerangriff zu verschleiern versucht.

Der Staatsanwalt stützte seine Begründung auf die aus seiner Sicht glaubhaften Aussagen eines Nachbarn, des Schwagers und der Lebensgefährtin des Opfers. Die Verteidigung habe vor allem Letztere „versucht, als notorische Lügnerin dazustellen“. Außerdem hätten die Anwälte des Angeklagten versucht, den Getöteten als aggressiv darzustellen, als rüpelhaften Handwerker. Doch dies sei laut Staatsanwalt „der verbotene Schluss vom Sollen auf das Sein“.

Sie haben eine Mutter ohne Sohn zurückgelassen, eine Frau ohne Partner und Kinder ohne Vater.

Anwalt der Nebenklage

Kürzer, aber umso emotionaler fiel das Plädoyer des Anwalts der Nebenklage (Mutter und Lebensgefährtin des Opfers) aus. Dem Angeklagten warf er vor, Selbstjustiz betrieben zu haben. Er sei arrogant aufgetreten und habe keine Reue gezeigt. Das Verteidigerverhalten habe ausschließlich der Diskreditierung des Opfers gedient. Doch der Versuch, die Familie in den Dreck zu ziehen, sei gescheitert. In Richtung des Angeklagten sagte er: „Sie können nicht ermessen, was Sie der Familie angetan haben. Sie haben eine Mutter ohne Sohn zurückgelassen, eine Frau ohne Partner und Kinder ohne Vater.“ 

Nachdem die Kammer einen weiteren Beweisantrag der Verteidiger abgelehnt hatte, kündigten diese an, einen Befangenheitsantrag gegen die Richter stellen zu wollen. Das Plädoyer der Verteidigung ist für den 8. Februar geplant.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7798408?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F142%2F
Nachrichten-Ticker