Auch die Bund-Kreisgruppe lehnt SPD-Anregung ab
Klares Nein zum Aa-Wanderweg

Münster-West -

Kritische Stimmen gab bereits zuhauf: Jetzt stimmt auch noch der Bund für Umwelt und Naturschutz in den Chor der zahlreichen Skeptiker ein, die das Umfeld der Münsterschen Aa auf jeden Fall unangetastet wissen wollen.

Dienstag, 09.03.2021, 22:52 Uhr aktualisiert: 09.03.2021, 23:00 Uhr
Eine Erschließung von Wegen entlang der Münsterschen Aa – hier der Mündungsbereich Krummer Bach – lehnt die münsterischen Bund-Gruppe entschieden ab.
Eine Erschließung von Wegen entlang der Münsterschen Aa – hier der Mündungsbereich Krummer Bach – lehnt die münsterischen Bund-Gruppe entschieden ab. Foto: Bund

Die Kritik am Vorschlag der SPD-Fraktion der Bezirksvertretung Münster-West, einen Wanderweg entlang der Münsterschen Aa anzulegen (wir berichteten), ebbt nicht ab: Auch die Kreisgruppe Münster des Bund (Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland) hat sich nun zu Wort gemeldet. Sie lehnt „jede Planung eines Wanderweges entlang der Aa“ ganz entschieden ab.

Eine von den Sozialdemokraten angeregte Wegeerschließung von Haus Kump bis zur Burg Hülshoff werde im Falle des Falles alle Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte, die Aa sowie die Relikte des angrenzenden Auenlebensraums und die lebensraumtypischen Arten zu schützen und zu entwickeln, zunichte machen, warnen die Naturschützer in einer detaillierten Stellungnahme. Dies allein schon aufgrund zusätzlicher Beunruhigungen, die mit einer möglichen Wegeverbindung entlang der Münsterschen Aa verbunden seien.

Das betreffende Areal entlang der Aa befinde sich in einem Landschaftsschutzgebiet, und das Gewässer wie auch die angrenzenden Auenflächen seien durch den Landschaftsplan Roxeler Riedel als Naturschutzgebiet geschützt. Besagter Schutz umfasse sowohl den Erhalt als auch die Wiederherstellung und Entwicklung des Naturraumes mit den dazugehörigen Lebensgemeinschaften, stellt die Bund-Gruppe klar.

Ihrer Ansicht nach verbietet sich jedwede Planung, da ein Wanderweg zu einer Zunahme an Nutzungen, Störungen und Beunruhigungen im Bereich der Gewässer- und Auenlebensräume führen könne. Der Schutz der Natur habe absoluten Vorrang: „Ein Weg entlang der Aa oder in der Aue würde den Schutzzielen zuwiderlaufen.“

In ihrer Stellungnahme weisen die Naturschützer zudem darauf hin, dass Freizeit- und Erholungsaktivitäten im Umfeld siedlungsnaher Naturschutzgebiete stets problematisch seien, wie Beispiele im Bereich Gievenbeck und Roxel zeigten. Dort seien Trampelpfade abseits offizieller Wege entstanden. Und ein als Ausgleichsmaßnahme angelegter Kleinweiher werde unter Missachtung von Hinweisschildern für Freizeitzwecke genutzt. Das habe zur Folge, dass das Gewässer seiner Bestimmung als Lebensraum für wildlebende Tiere und Pflanzen kaum noch gerecht werden könne.

„Ein erweitertes Wegeangebot und damit einhergehend die Erschließung bislang verborgener Areale würde zu Beeinträchtigungen im gesamten Verlauf des Fließgewässers führen“, heißt es in der Bund-Stellungnahme weiter. Rückzugs- und Regenerationsräume, die wildlebende Tiere und Pflanzen dringend zum Überleben und zur Fortpflanzung benötigten, gingen unter dem zunehmenden Nutzungsdruck verloren. Dem Ökosystem und seinen bedrohten Arten drohe eine Katastrophe.

Das Kompensationskataster der Stadt Münster weise entlang der Aa viele Flächen aus. Das Auenband an beiden Seiten des Gewässers könne bei entsprechender Entwicklung dem erforderlichen Ausgleich von Schäden am Naturhaushalt dienen. Es sei für die ökologische Bilanz innerhalb des münsterischen Stadtgebietes von großer Bedeutung, unterstreichen die Naturschützer.

Die massiven Einbußen, die die Natur durch neue Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau, Verkehr und die Intensivierung der Landwirtschaft hinnehmen müsse, verpflichteten die Gesellschaft zu verstärkter Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein. Der Bund begrüße es, wenn den Menschen heimische Natur erfahrbar gemacht werde. Dies biete sich in der Aa-Aue allerdings keineswegs an.

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